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Yakuza Kiwami im Test: Der perfekte Einstieg?

Die Yakuza-Saga ist groß und komplex, wie soll man da als Neuzugang durchsteigen? Vielleicht so: Das Remake Yakuza Kiwami legt den ersten Teil der erfolgreichen Actiom-Adventure-Reihe, 2005 auf der PS2 erschienen, neu für die PS4 auf. Der Test verrät, welche Unterschiede zum Original bestehen und ob Kiwami wirklich den perfekten Einstieg in Japans Unterwelt darstellt.


5 Bilder Yakuza Kiwami im Test: Der perfekte Einstieg in die Serie? (1) Yakuza Kiwami im Test: Der perfekte Einstieg in die Serie? (1) [Quelle: SEGA]
Erst tut sich jahrelang gar nichts, dann geht es Schlag auf Schlag: Im Januar erschien Yakuza Zero auf der PS4, Im Vorfeld der gamescom 2017 gab Sega den Release-Termin von Yakuza 6: The Song of Life bekannt. Die Fans jauchzen, und die, die es noch werden wollen, überlegen nun, ob der Relase von Yakuza Kiwami nicht der perfekte Zeitpunkt ist, um in die Mafia-Saga einzutauchen. Diese Frage und viele mehr klärt der Test!

Ein Drache in Tokio

Kazuya Kiryu ist der Protagonist der Yakuza-Serie und treibt im fiktiven Rotlicht-Stadtviertel Kamurocho (das auf dem realen Tokioter Viertel Kabukicho basiert) bereits seit den 80er-Jahren sein Unwesen. Wie seine Karriere als Yakuza dereinst begann, das habt ihr hoffentlich in Yakuza Zero im Januar 2017 miterlebt. Yakuza Kiwami nämlich, das Remake des erstes Teils der Reihe aus dem Jahr 2005, greift viele Ereignisse und Charaktere aus dem Vorgänger auf - es handelt sich also nicht bloß um eine optisch aufgebesserte Neuauflage, im Vergleich zum Original kommen zusätzliche Zwischensequenzen, Missionen und sogar Mechaniken hinzu. Wer unbedingt möchte, kann aber auch mit Kiwami einsteigen, dessen dramatische Hauptgeschichte steht nach wie vor für sich.

Trefft neue Menschen

Zunächst zum grundlegenden Spielprinzip: Yakuza Kiwami verknüpft eine theatralische, aber interessante Geschichte rund um einen Mord im Yakuza-Milieu sowie eine vermisste Frau und deren Tochter mit einer offenen Spielwelt, in der Kiryu jede Menge unternehmen kann. Oft prügelt er sich mit Schlägern, Yakuzas und anderen zwielichtigen Gestalten, die sich im Schmuddelbezirk Kamurocho wohlfühlen. Das Alter merkt man dem Spiel bei solchen Prügeleien an, nachdem eine Gruppe Aggressoren Kiryu angepöbelt hat, wechselt das Spiel zunächst mit einer kurzen Zwischensequenz in den Kampfmodus. Wie in Yakuza Zero verknüpft Kiryu Schläge, Tritte und Würfe zu Kombos, mit der Zeit sowie durch den Einsatz von Erfahrungspunkten lernt er neue Moves hinzu und meistert so alle der vier Kampfstile. Zum Wechseln animiert wird Kiryu durch die Kiwami-Mechanik, bei der einige Feinde für kurze Zeit Gesundheit regenerieren, wenn er sie nicht mit dem passenden Stil attackiert. Albern, aber auch spaßig ist die Möglichkeit, Gegner mit herumstehenden Objekten zu verprügeln, vom Schild des Nudelsuppenladens nebenan bis zur vollen Mülltonne oder gar einem Motorrad. Schusswaffen existieren, spielen aber eine untergeordnete Rolle.


5 Bilder Die Kampfmanöver sind teilweise ziemlich brutal. Getötet wird bei den Straßenkeilereien aber niemand - auch wenn es manchmal so aussieht. Die Kampfmanöver sind teilweise ziemlich brutal. Getötet wird bei den Straßenkeilereien aber niemand - auch wenn es manchmal so aussieht. [Quelle: PC Games]

Prokrastination in Tokio


5 Bilder Das wird teuer! Ein Date mit einer hübschen Hostess ist nicht für lau zu haben. Aber vielleicht entwickelt sich ja etwas aus der 'Geschäftsbeziehung'? Das wird teuer! Ein Date mit einer hübschen Hostess ist nicht für lau zu haben. Aber vielleicht entwickelt sich ja etwas aus der "Geschäftsbeziehung"? [Quelle: PC Games]
Kamurocho lädt nicht nur zum Prügeln ein, sondern verzaubert mit einer Vielzahl schräger Nebenbeschäftigungen. Geht zum Karaoke, verspeist Takoyaki und trinkt Sake, spielt Poker und Roulette, versucht euer Glück am Greifautomaten, bezahlt für ein Date mit einer hübschen Hostess, baut das perfekte Auto für die Miniaturrennstrecken oder schickt leicht bekleidete Models in einer Art Sammelkartenspiel in den Kampf. Kamurocho ist bei Weitem nicht die größte Open World, dafür ist aber jeder Zentimeter realistisch und detailgetreu umgesetzt. Vor Etablissements verteilen Kundenfänger kleine Geschenke, in der Nähe von Pachinko-Hallen dröhnt der Lärm, im Park haben die Obdachlosen eine Zeltstadt aufgebaut. Wer bereits einen Teil der Reihe gespielt hat, stellt fest, dass der Umfang von Yakuza Kiwami nicht mit dem der anderen Vertreter der Saga mithalten kann. Die Geschichte umfasst zwölf Kapitel und ist nach 15 Stunden verhältnismäßig rasch vorbei (bei Yakuza Zero etwa solltet ihr locker das Doppelte einplanen), danach darf Kiryu im Adventure-Modus weiter Nebenmissionen absolvieren und seine Komplettierungsrate verbessern. Weitere spielbare Figuren gibt es nicht.


5 Bilder Die Geschichte von Yakuza Kiwami wird spannend erzählt und punktet mit guter Inszenierung sowie interessanten Charakteren. Die Geschichte von Yakuza Kiwami wird spannend erzählt und punktet mit guter Inszenierung sowie interessanten Charakteren. [Quelle: PC Games]

Kampf gegen Windmühlen

Goro Majima, der zweite spielbare Held aus Yakuza Zero und ­Serien-Urgestein, nimmt dennoch eine große Rolle in Yakuza Kiwami ein. Den vierten und letzten Kampfstil von Kiryu, Dragon genannt, erlernt dieser nämlich nur mühsam, indem er den auf Kiryu fixierten Majima immer und immer wieder besiegt.


5 Bilder Nein, Kiryu ist nicht unter die Frauenschläger gegangen. Hinter der Hostess Goromi verbirgt sich niemand anderes als Rivale Goro. Nein, Kiryu ist nicht unter die Frauenschläger gegangen. Hinter der Hostess Goromi verbirgt sich niemand anderes als Rivale Goro. [Quelle: PC Games]
Die Entwickler haben sich größte Mühe gegeben, diese Sisyphusarbeit unterhaltsam zu gestalten - mal inszeniert Goro mithilfe seines Clans eine Zombie-Apokalypse, mal verkleidet er sich als Hostess, mal verbirgt er sich unter einem gigantischen Pylon. Auf Dauer jedoch nerven die ständigen Prügeleien mit Goro, gerade, wenn man einfach möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B laufen möchte und hinter der nächsten Ecke schon wieder Majima hervorspringt. Davon abgesehen bietet Yakuza Kiwami eine nach wie vor spannende Geschichte und einen faszinierenden Blick in die Unterwelt Tokios. Technisch kann der Titel nicht mit einem Horizon: Zero Dawn oder Uncharted mithalten, Kiwami sieht aber dennoch recht gut und sauber aus, vor allem die detaillierten Gesichter und deren Mimik sorgen dafür, dass die teilweise arg schrägen Figuren glaubwürdig wirken. Abermals gut gelungen ist die Mischung aus Humor (meist in Nebenmis­sionen) und Dramatik (vor allem in den Hauptmissionen). Vorsicht: Der Einstieg (der Prolog ist neu) gestaltet sich etwas langsam.

  • Katharina Reuß"Yakuza Kiwami ist ein rundum gelungenes Remake."
  • Der Auftakt der Yakuza-Serie, bekannt für Theatralik, Albernheiten und schillernde Figuren, ist auch heute noch ein gutes Spiel, und das Remake hat das Original beträchtlich erweitert. Allerdings ändert das nichts an der Tatsache, dass Yakuza Zero, das Prequel, das im Januar dieses Jahres veröffentlicht wurde, mehr zu bieten hat: mehr zu tun, mehr zu entdecken, mehr spielbare Charaktere. Kiwami steht somit ein kleines bisschen im Schatten von Zero, aber der Erzählung wegen sollte man Zero dennoch vor Kiwami erleben. Ganz schön kompliziert! Wer selbst schon einmal Tokio besucht hat, wird staunen, wie realistisch Yakuza den schmuddeligen Teil der Metropole mit all den bunten Lichtern und den seltsamen Etablissements eingefangen hat.

Yakuza Kiwami (PS4)
  • Spielspaß
  • 80 %
Grafik
-
Sound
-
Multiplayer
-
Pro & Contra
Spannende Story
Interessante Charaktere
Vier unterschiedliche Kampfstile
Toll gestaltete Spielwelt
Viele Nebenbeschäftigungen
Humorvoll; nimmt sich nicht zu ernst
Remake mit neuen Inhalten
Nicht alle Dialoge sind vertont
Kürzer als der Vorgänger Zero
Langsamer Einstieg
Teils altbackene Optik
Majima nervt auf Dauer
Fazit
Leicht angestaubte, aber nach wie vor packende Mafia-Saga mit einer vorbildlich gestalteten, faszinierenden Spielwelt sowie einer Prise Humor.


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