Login
Passwort vergessen?
Registrieren

Vampyr: Kämpfe, Skills & Crafting - E3-Preview bringt Licht ins Dunkel

Zu Vampyr gab es auf der E3 2017 eine Dreiviertelstunde Gameplay zu sehen. Nach der ausführlichen Präsentation weiß die Redaktion von PC Games endlich, wie sich das Vampir-Rollenspiel der Life is Strange-Macher spielt und wie groß die "Semi-Open-World" wird. Und sobald ihr die Preview gelesen habt, seid ihr ebenso gut informiert und wisst, ob ihr euch den Vampyr-Release im November vormerken solltet.

6 Bilder Vampyr: So funktionieren die Kämpfe im Rollenspiel der Life is Strange-Macher (E3-Vorschau) (5) Vampyr: So funktionieren die Kämpfe im Rollenspiel der Life is Strange-Macher (E3-Vorschau) (5) [Quelle: Dontnod Entertainment]

Vampyr sortierten wir gedanklich bislang eher in die Kategorie: "Schönes Konzept, aber wie funktioniert das Gameplay?" Auf der E3 zeigte Life is Strange-Macher Dontnod Entertainment, der auch hinter Vampyr steckt, endlich Kämpfe, Quests und Upgrade-Systeme des Vampir-Rollenspiels mit London-Setting. PC Games war dabei und verfolgte aufmerksam den 45 Minuten langen Gameplay-Walkthrough. Die E3-Vorschau fasst alle neuen Informationen zusammen.


6 Bilder Bis zum Release im November sollten die Vampyr-Entwickler noch an den Gesichtsanimationen schrauben. Die Dialoge wirken aktuell sehr steif. Im Gegensatz dazu sind Kampfanimationen und Lichteffekte bereits sehr schick. Bis zum Release im November sollten die Vampyr-Entwickler noch an den Gesichtsanimationen schrauben. Die Dialoge wirken aktuell sehr steif. Im Gegensatz dazu sind Kampfanimationen und Lichteffekte bereits sehr schick. [Quelle: Dontnod Entertainment]
Die Präsentation zu Vampyr fand auf dem PC statt, gezeigt wurde eine Alpha-Version. Bis zum Release im November 2017 kann sich also noch einiges ändern. Gerade bei der Technik wäre das auch angebracht, denn die Gesichtsanimationen in den Multiple-Choice-Dialogen wirken noch etwas roboterhaft, die Figuren bewegen sich arg hüftsteif. In den Kämpfen sieht das ganz anders aus, hier hauen Held Jonathan Reid und seine Widersacher sehr geschmeidig um sich.

Neben austauschbaren Nahkampfwaffen (manche davon findet ihr in Truhen, andere gibt's bei Händlern, besiegten Gegnern oder als Quest-Belohnung) stehen in Vampyr auch Schusswaffen wie Pistole oder Schrotflinte zur Auswahl, Munition ist begrenzt. Zusammen mit übernatürlichen Fähigkeiten wie einem zum Ausweichen benutzten Kurzstrecken-Teleport oder dem Beschwören finsterer Dornen, die Gegner aufspießen, wirkt das Arsenal sehr vielseitig. Auch einen mächtigen Ultimate-Skill gibt es, bei dem mehrere Gegner (oder ein Feind mehrmals) mit schnellen Teleporterangriffen dezimiert werden. Dieses Talent hat aber einen sehr langen Cooldown von mehreren Minuten und verbraucht viel Blut; eine von drei Energieleisten (neben Ausdauer und Lebenspunkten), die ihr im Kampf im Auge behalten müsst.

Vampyr: Alles ist eine Entscheidung, egal ob Items, Skills oder NPC-Opfer


6 Bilder Vampyr: So funktionieren die Kämpfe im Rollenspiel der Life is Strange-Macher (E3-Vorschau) (3) Vampyr: So funktionieren die Kämpfe im Rollenspiel der Life is Strange-Macher (E3-Vorschau) (3) [Quelle: Dontnod Entertainment]
Wer in Vampyr fleißig lootet, kann für seine Waffen Upgrades sowie für den Kampf nützliche Verbrauchsgegenstände herstellen, etwa Ausdauertränke, welche die durch Aktionen kurzzeitg verbrauchte Kraft schnell wiederherstellen. Das Crafting-System könnt ihr aber auch dazu benutzen, um Medizin für die Bevölkerung des von Grippe und Vampiren heimgesuchten Londons des frühen 20. Jahrhunderts herzustellen. Wie so ziemlich alles in Vampyr hängt euer Verhalten letztlich von einer moralisch gewichtigen Entscheidung habt: Nutzt ihr eure Ressourcen, um der Bevölkerung zu helfen - oder seid ihr eigensinnig und verbessert eure eigene Ausrüstung?

Aber mit solch einer binären Qual der Wahl, wo Gut und Böse eindeutig sind, gibt sich Vampyr nicht zufrieden. Denn gesunde Bürger besitzen reineres Blut und das ist für euren zum Vampir mutierten Hauptcharakter nicht nur ein Leckerbissen - es beschert ihm auch deutlich mehr Erfahrungspunkte beim Aussagen als der Lebenssaft eines kränklichen Menschen. Der Gesundheitszustand eines potenziellen Opfers wird euch direkt im Dialog angezeigt - ob es aber eine gute Idee ist, sich den Leckerbissen zu genehmigen und damit den Menschen zum Tod zu verurteilen, das verrät euch das Spiel nicht so ohne Weiteres.

Wie in einem Sherlock-Holmes-Adventure solltet ihr in Vampyr Hinweise sammeln, bevor ihr Protagonist Reid zu Tisch bittet. Das geschieht, indem ihr Charaktere beschattet, Nebenaufträge erledigt, mit der übernatürlichen Vampirsicht nach Spuren sucht oder einfach im Gespräch mit Anwohnern. So erfahrt ihr zum Beispiel, dass der verwirrte Kerl am Hafen in Wirklichkeit ein Serienkiller ist und was für (positive?) Auswirkungen sein Verschwinden auf Mutter und Bruder haben würden. So gut wie jeder NPC trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum; wer die Detektivarbeit scheut und Opfer nach Lust und Laune auswählt, der muss mit unvorhersehbaren Konsequenzen rechnen.

Damit der Spieler zusätzlich zum Aufdecken aller Hinweise motiviert ist, gibt es für jeden Info-Brocken eine kleine Menge XP - genau wie für jeden erfolgreich absolvierten Kampf und jede abgeschlossene Quests. Doch die meisten Erfahrungspunkte winken fürs Aussaugen der wandelnden Blutsäcke auf den Straßen Londons - disziplinierte Spieler können Vampyr abschließen, ohne einen einzigen dieser NPCs seines Lebens(saftes) zu berauben, dann wird das Rollenspiel aber deutlich schwerer.

Besonders haarig wird die Angelegenheit mit sogenannten Stützen der Gesellschaft. Das sind wichtige Figuren wie ein Priester, dessen Schicksal deutlich mehr Einfluss auf den Verlauf der Geschichte hat als das eines der vielen Dutzend normalen Bürger. Vampyr-Entwickler Dontnod zeigte auf der E3 ein Quest-Beispiel, bei dem die moralisch richtige Entscheidung den Tod einer dieser Stützen der Gesellschaft zufolge hätte - und den entsprechenden Sektor der größtenteils frei begehbaren Stadt London ins Chaos gestürzt hätte. Denn je weniger gesunde NPCs ein Viertel bevölkern, desto schlechter der Allgemeinzustand - bis das Gebiet irgendwann komplett im Chaos versinkt und wilde Vampirbestien statt friedlicher Bürger die Straßen bevölkern. Doch selbst wenn ganz London vor die Hunde geht, könnt ihr das Spiel noch abschließen; Vampyr enthält mehrere Endsequenzen und orientiert sich in Sachen moralischer Zwickmühlen klar an der Gewieftheit eines The Witcher 3. Das Für und Wider abzuwägen, dürfte einer der spannendsten Aspekte des Vampir-RPGs aus Frankreich werden.


6 Bilder Vampyr: So funktionieren die Kämpfe im Rollenspiel der Life is Strange-Macher (E3-Vorschau) (4) Vampyr: So funktionieren die Kämpfe im Rollenspiel der Life is Strange-Macher (E3-Vorschau) (4) [Quelle: Dontnod Entertainment]

Änderungen am Gefüge der Londoner Gesellschaft werden in Vampyr erst dann vorgenommen, wenn ihr euch mit Protagonist Jonathan Reid schlafen legt. Das geschieht in einer sicheren Zuflucht und ist auch nötig, um die gesammelten XP auf die Vampir-Talente des Helden zu verteilen. Ein vorläufiger Talentbaum auf der E3 enthielt zehn Skills mit mehreren möglichen Upgrades und der Entscheidung zwischen zwei Pfaden für jede Fähigkeit, etwa Unsichtbarkeit oder einen Sprungangriff mit Flächenschaden. Daneben gibt es die "Mesmerize"-Fähigkeit, eine Art Hypnose. So manipulierte NPCs folgen eurem Vampir in eine dunkle Ecke, wo ihr sie ohne Gegenwehr aussaugen könnt. Auch im Dialog zeigen sich Figuren, deren Geist ihr dominiert, plötzlich viel kooperativer als zuvor. Allerdings sind manche Charaktere besonders willensstark. Um sie zu manipulieren, muss man höhere Mesmerize-Stufen erklimmen und alle verstecken Hinweise auf ihre Persönlichkeit und Vergangenheit finden.

Vampyr hat noch kein genaues Releasedatum, erscheinen soll es im November 2017 für PC, PS4 und Xbox One.

  • Peter Bathge""Beiß ich oder beiß ich nicht? Das ist hier die Frage!""
  • Kämpfen, Blutsaugen, Crafting, Menschen beeinflussen - was will man mehr von einem Rollenspiel? Vampyr hat das Potenzial, ein großartiges Spiel mit vielen Möglichkeiten zu werden. Hoffentlich haben sich die Entwickler von Dontnod Entertainment aber nicht zu viel vorgenommen, der Schuss könnte nämlich schnell nach hinten losgehen. Letztendlich darf sich Vampyr aber ruhig kleinere Mängel erlauben, zum Beispiel bei den Gesichtsanimationen, denn das Szenario (erinnert an Dishonored) und die vielschichtigen Entscheidungen haben mich bereits Monate vor Release in ihren Bann gezogen. Sehr löblich ist auch, wie groß und frei begehbar die Levels der sogenannten "Semi-Open-World" von Vampyr geraten sind: Wenn das alte London wirklich so abwechslungsreich daherkommt, wie es bislang wirkt, dann vergehen die angepeilten 40 Spielstunden bestimmt wie im Flug.

e_gz_ImageGallery_Default