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"Lootboxen sind kein Glücksspiel": USK und ESRB zum Jugendschutz

USK und ESRB fühlen sich nicht zuständig für Mikrotransaktionen in Spielen wie Destiny 2, Mittelerde: Schatten des Krieges oder Star Wars: Battlefront 2. Die aktuell bei Herstellern beliebten und von Videospielern verfluchten Lootboxen entsprächen nicht der Klassifizierung des Glücksspiels und hätten daher auch keine Auswirkungen auf die Alterseinstufung. Die beiden wichtigen Instanzen sehen keine Verbindung zwischen dem Zufallsfaktor der Ingame-Käufe und einer eventuellen Abhängigkeit.

3 Bilder 'Lootboxen sind kein Glücksspiel': USK und ESRB mit Stellungnahme zu Mikrotransaktionen und Jugendschutz (3) "Lootboxen sind kein Glücksspiel": USK und ESRB mit Stellungnahme zu Mikrotransaktionen und Jugendschutz (3) [Quelle: Blizzard]

Wenn Spiele wie Mittelerde: Schatten des Krieges oder der Star Wars-Shooter Battlefront 2 Lootboxen im Ingame-Shop anbieten, hat das keine Auswirkungen auf die Alterseinstufung von USK und ESRB, denn dabei handelt es sich der Definition nach nicht um Glücksspiel. Das stellten die deutsche Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle und das US-amerikanische Entertainment Software Rating Board jetzt in parallelen Reaktionen auf Anfragen von Redakteuren und besorgten Bürgern klar.


3 Bilder 'Lootboxen sind kein Glücksspiel': USK und ESRB mit Stellungnahme zu Mikrotransaktionen und Jugendschutz (3) "Lootboxen sind kein Glücksspiel": USK und ESRB mit Stellungnahme zu Mikrotransaktionen und Jugendschutz (3) [Quelle: Blizzard]
Die Argumentation ist dabei ähnnlich: Bei Lootboxen, die man gegen Ingame-Währung wie Gold in Videospielen kauft, um im Austausch zufällig ausgewählte Ingame-Gegenstände zu erhalten, gebe es keine Chance auf den Gewinn von echtem Geld.

So schreibt die USK in einer E-Mail: "Glücks- und Gewinnspielelemente (im Internet) werden in Deutschland bisher prinzipiell nicht im Rahmen einer Jugendschutzvorgabe geregelt, sondern durch den Glücksspiel-Staatsvertrag (GlüStV) und den Rundfunkstaatsvertrag (RStV) reguliert. Als Glücksspiel gelten nur solche Spiele, bei denen der Spieler gegen ein Entgelt eine Gewinnchance erwirbt und der Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Die von Ihnen angesprochenen Lootboxen, einarmige Banditen oder ähnliche Gewinnspiel-Modelle, die gegen eine Entgelt ein zufällig generiertes Item vergeben, gelten nach üblicher Auffassung bisher nicht als Glücksspiel. Eine Gewinnausschüttung im gesetzlichen Sinne des 'Glücksspiels' ist bei den meisten Spielen unwahrscheinlich, entscheidend bei dieser Definition ist, ob man Geld gewinnen kann - nicht ob man etwas einsetzt, was man ohnehin nicht wiederzurücktauschen kann."

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Das auf den Spielsinn der möglichen Käufer zugeschnittene Lootbox-System, bei dem stets die reizvolle Chance besteht, etwas besonders seltenes wie einen legendären Ork in Mittelerde: Schatten des Krieges oder einen tollen Skin in Blizzards Multiplayer-Shooter Overwatch zu erhalten, vergleichen USK und ESRB mit Panini-Bildchen oder sogenannten CCGs (Collectible Card Games, zu Deutsch: Sammelkartenspielen wie Magic: The Gathering). Demnach erhalte man bei jedem Kauf garantiert etwas - nur was genau und wie selten der Gegenstand ist, sei vom Zufall abhängig. Die ESRB stellt zudem klar: Sollte ein Spiel tatsächliches Glücksspiel enthalten, erfolge automatisch eine "Nur für Erwachsene"-Einschätzung.

In Sachen Jugendschutz und Altersfreigabe erklärt die USK zudem, dass sie aktuell bei ihren Empfehlungen keine Rücksicht auf Bezahlmodelle innerhalb der Spiele wie bei Destiny 2 nimmt. Denn sie "sorgt für die organisatorisch-technischen Rahmenbedingungen, damit die gesetzlichen Alterskennzeichnungen für Spiele auf Datenträgern vergeben werden können (gemäß den Regelungen des Jugendschutzgesetzes/JuSchG). Bezahlmodelle in Spielen / Geschäftsmodelle von Anbietern, die erst durch die Internetverbindung des Spiels entstehen, sind dabei prinzipiell nicht Gegenstand einer Altersprüfung durch die USK und die Ständigen Vertreter der OLJB bei der USK."

Für besorgte Spieler dürfte diese Antwort eher enttäuschend ausfalllen. Persönliche Meinung des Autors: Mit Blick auf die weite Verbreitung von reinen Online-Spielen, die überhaupt nicht mehr auf einem Datenträger erscheinen, sondern ausschließlich über Plattformen wie Steam vertrieben werden, scheinen die USK-Statuen dringend eine Überarbeitung zu benötigen. Dass man im Jahr 2017 immer noch alle mit diesem ominösen "Internet" zusammenhängende Inhalte pauschal als außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs liegend betrachtet, wirkt in höchstem Maße bedenklich. Allerdings ist hier wohl auch der Gesetzgeber gefordert, sich mit dem Thema Ingame- und Inapp-Käufe zu beschäftigen.

Immerhin: Die USK verspricht, die Lootbox-Problematik in Videospielen im Auge zu behalten. "Wir beobachten das Thema weiter."

Quelle: 4Players, Kotaku

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