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Ghost Recon Wildlands im Test mit Video-Review: Alleine oder im Koop? Beides gut!

Tom Clancy's Ghost Recon Wildlands ist Ubisofts neuestes Open-World-Actionspiel. Der Test verrät: Wildlands ist viel besser als befürchtet! Wo die Stärken des Titels liegen, wie viel er sich von Far Cry, The Division und Assassin's Creed borgt und ob auch Koop-Hasser im Einzelspielermodus Spaß haben, steht im Review. Update: Jetzt mit extralangem Testvideo!

21 Bilder Ghost Recon Wildlands im Test: Alleine oder im Koop? Egal, beides gut! Ghost Recon Wildlands im Test: Alleine oder im Koop? Egal, beides gut! [Quelle: PC Games]

Das neue Tom-Clancy-Spiel Ghost Recon Wildlands hat uns im Test so einige denkwürdige Momente beschert. Etwa in dieser einen wilden Nacht, am Horizont zuckten sporadisch Blitze, als wir auf dem Weg zu unserem Ziel mit unserem Vier-Mann-Team aus Spezialagenten in einem Helikopter im Tiefflug über stürmische See flogen, um der Zielerfassung feindlicher Raketenstellungen zu entgehen. Und wie großartig war denn bitte das Gefühl, als wir einen Base Jump von einem Staudamm machten und unmittelbar vor dem Aufprall auf der steinharten Wasseroberfläche gerade noch so den Fallschirm zogen? Oder als wir bei strahlendem Sonneneinschein ein Gefängnis vom Rand einer hohen Klippe aus infiltrierten, die Schalldämpfer auf die Scharfschützengewehre geschraubt. Mit Synchronschüssen schalteten wir eine ganz Gruppen von Wachen aus - komplett lautlos. Unbemerkt kletterten wir den Felshang hinab, um einen Informanten aus seiner Zelle zu befreien. Doch dann schlenderte ein fünfter Gegner um die Ecke und wir hielten vor Spannung die Luft an ...

Ghost Recon Wildlands mag in vielerlei Hinsicht nichts mehr mit Ubisofts Seriendebüt von 2001 gemeinsam haben und wie unser Review zeigt, ist auch das großartige Advanced Warfighter aus dem Jahr 2006 spielmechanisch weit entfernt von der Open-World-Sause mit Koop-Modus. Doch wie damals gibt es aktuell kein anderes Spiel, in dem man sich so sehr wie ein echter Black-Ops-Agent hinter feindlichen Linien fühlt - Authenzität und Atmosphäre sind zwei ganz große Stärken von Wildlands. Das liegt vor allem am spetakulären Schauplatz Bolivien, in dem ihr Jagd auf gefährliche Drogenbosse macht.

Ghost Recon-Review: Die größte Open World aller Zeiten?

Es ist eine Spielwelt, in der man sich problemlos verlieren kann: Wildlands stellt das südamerikanische Bolivien als großen Spielplatz dar, auf dem ihr euch nach Belieben austobt. Ohne Ladezeiten versteht sich, nur bei der Schnellreise zu einem der zentralen Punkte muss man kurz Däumchen drehen. Die zurückgelegten Distanzen im Spiel sind gigantisch, die Ausmaße der Karte enorm. 21 Regionen sorgen für viel Abwechslung: Von dichten Dschungeln und riesigen Salzseen über Serpentinenstraßen, die sich hoch aufragende Berge mit verschneiten Gipfeln hinauf ziehen, bis hin zu geschäftigen Militärbasen und Dörfern voll ärmlicher Wellblechhütten wird einiges geboten. Nur richtige Städte sucht man vergebens, selbst die größten Siedlungen besitzen keine Wolkenkratzer. Dafür ist die Topografie der Spielwelt außerordentlich gelungen, überall schlängeln sich kleine Schleichpfade durchs Dickicht und von erhöhten Positionen bieten sich spektakuläre Anblicke, besonders wenn der Tag-Nacht-Wechsel für wunderschöne Sonnenaufgänge oder -Untergänge sorgt.


21 Bilder Ghost Recon Wildlands sieht klasse aus, gerade die PC-Grafik ist sehr schick und überzeugt mit guter Performance. Ghost Recon Wildlands sieht klasse aus, gerade die PC-Grafik ist sehr schick und überzeugt mit guter Performance. [Quelle: PC Games]
Doch natürlich seid ihr nicht ausschließlich hier, um die Aussicht zu genießen! Als Teil einer Spezialeinheit der US-Drogenbehörde DEA habt ihr einen klar definitierten Auftrag: Ihr sollt El Sueño töten, Anführer des mächtigen bolivianischen Drogenkartells. Doch der "Boss aller Bosse" steht nicht einfach in der Landschaft herum und wartet darauf, dass ihr ihm das Licht ausknippst. Um die letzte Mission mit El Sueño freizuschalten, müsst ihr erst einmal bis zu 17 sogenannte Buchóns ausschalten oder festnehmen. Wurden alle dieser Unterbosse aus einem der Bereiche Produktion, Schmuggel, Einfluss und Sicherheit erledigt, könnt ihr den Anführer des jeweiligen Segments stellen - und erst wenn ihr zwei (50%-Ende) oder alle vier (100%) dieser "Abteilungsleiter" aus dem Weg geräumt habt, bekommt ihr El Sueño ins Visier. Ja, es gibt zwei Endsequenzen - in Ghost Recon Wildlands lohnt es sich, nicht einfach stur durch die Kampagne "durchzurushen", sondern sich wirklich um alle Widersacher zu kümmern.

Die Spielzeit beträgt über 50 Stunden, wenn man wirklich alles sehen, alles sammeln, alles erleben will. Alternativ darf man den Boss des Drogenrings bereits ab 50% Fortschritt stellen - dafür haben wir im Test rund 20 Stunden gebraucht, sind dafür aber ganz schön hektisch durch die Hälfte der mehr als 100 (!) Storymissionen gehetzt. In jedem Fall gilt: Das neue Ghost Recon bietet reichlich Umfang. Doch ist der Großteil davon nur die Ubisoft-typische, sinnfreie Open-World-Beschäftigung wie man sie aus Assassin's Creed & Co. kennt? Oder überzeugt das neue Tom Clancy-Spiel Wildlands im Review nicht nur mit Masse, sondern auch mit Klasse?

Maue Geschichte, tolles Upgrade-System

Die Story ist keine große Stärke des Spiels; wer einprägsame Charaktere, interessante Wendungen oder große Emotionen sucht, sollte sich anderswo umschauen. Einzig die Buchóns und ihre Chefs bleiben einem aufgrund ihrer schillernden Persönlichkeiten einigermaßen in Erinnerung, geben aber genauso schnell den Löffel ab wie normale KI-Widersacher. Wie schon bei The Division lagert Ubisoft viele Story-Details in optionale Videos aus, die man sich im Menü anschauen kann, aber nicht muss. Das hilft im Koop-Modus, den Spielfluss aufrecht zu erhalten. Im Umkehrschluss wirkt die Geschichte im Solomodus aber etwas zu beliebig.


21 Bilder Die Open-World-Sammelsucht motiviert, weil gefundene Gegenstände unmittelbar zum Charakterfortschritt beitragen. Die Open-World-Sammelsucht motiviert, weil gefundene Gegenstände unmittelbar zum Charakterfortschritt beitragen. [Quelle: PC Games]
Hauptreiz ist ganz klar die Erkundung und Befriedung der Spielwelt: Man versucht, die enorm große Karte nach und nach von Icons zu säubern, die auf Hauptmissionen, interessante Sammelgegenstände und Nebenaktivitäten hinweisen. Neue Symbole schaltet ihr frei, indem ihr (ebenfalls auf der Map markierte) Informanten ausquetscht, manchmal mit vorgehaltener Waffe. Oder eure Spielfigur fotografiert geheime Dokumente und bringt so die Positionen von Nachschubkisten und Aufträgen für die Rebellen in Erfahrung. Das bietet gerade genug Abwechslung, um auch nach mehreren Spielstunden nicht langweilig zu werden. Übrigens: in Ghost Recon Wildlands besteigt ihr zur Abwechslung mal keine Türme, um die Map aufzudecken. Yay!

Wenn ihr nicht gerade die Befehlsstruktur des Kartells zerlegt, seid ihr vor allem damit beschäftigt, Ressourcen zu sammeln. Davon gibt es vier Stück: Öl, Medizin, Radartechnik und Nahrung. Anfangs markiert ihr überall herumstehende Fässer und Kisten, um euch eine kleine Menge eines dieser Rohstoffe zu sichern. Später arbeitet ihr hauptsächlich mit den Rebellen zusammen, um auf einen Schlag ein paar tausend Einheiten einer Ressource zu erlangen. Das wird nötig, weil ihr immer mehr Rohstoffe für den Charakterausbau benötigt.

In Ghost Recon Wildlands sammelt euer zu Beginn ersteller und in der Optik anpassbarer Charakter XP und steigt im Level auf. Das bringt euch aber erst einmal nichts, denn für die 50 Skills in den fünf Kategorien Waffe, Drohne, Objekt, Körper und Trupp braucht ihr eben auch Rohstoffe - und zusätzlich noch Fertigkeitenpunkte. Diese gibt's als Belohnung für Stufenaufstiege und abgeschlossene Missionen - sie liegen aber auch in Form von Kartellorden in der Spielwelt herum und warten darauf, eingesammelt zu werden. Das sorgt für einen deftigen Motivationsschub, so viele Orte wie möglich zu erkunden, um den eigenen Charakter immer weiter auszubauen - bis Level 30 geht das Stufenlimit. Zwar sind nicht alle Talente gleich nützlich (Warum Blendgranaten und Signalpistole freischalten, wenn ein Granatwerfer so viel effektiver ist?), dennoch hat Entwickler Ubisoft Paris mit diesen RPG-Elementen einen Volltreffer gelandet.

Überhaupt bietet Ghost Recon Wildlands die bisher beste Ausführung der berühmt-berüchtigen Ubi-Formel. Das Markieren von Ressourcen und Einsammeln von Orden fällt leicht und geschieht praktisch im Vorbeigehen, der Jäger-und-Sammel-Trieb wird bestens gefördert und hält einen mit regelmäßigen Belohnungen eine ganze Weile bei der Stange. Zumal ihr euch auch noch auf die Suche nach neuen Waffen (insgesamt 80 Stück) und Zubehörteilen wie Visieren oder extra großen Magazinen macht - im Gunsmith-Ausrüstungsmenü passt ihr eure Lieblingswaffe an, das macht Laune. Die Ausrüstung lässt sich übrigens genauso wie einige exklusive kosmetische Items im Ingame-Shop gegen echtes Geld kaufen. Das ist aber unserer Erfahrung nach komplett unnötig.


21 Bilder Um Ressourcen zu sammeln, absolviert ihr in Ghost Recon Wildlands Nebenmissionen. Der spaßigste Typ: Konvoi-Angriffe. Um Ressourcen zu sammeln, absolviert ihr in Ghost Recon Wildlands Nebenmissionen. Der spaßigste Typ: Konvoi-Angriffe. [Quelle: PC Games]
Dazu gibt's keine unnötigen Nebenaktivitäten wie Hacking-Minispiele oder Wettrennen; die optionalen Missionen sind alle sinnvoll in Szenario und Spielablauf integriert. Dennoch hätten wir uns auf Dauer einen Tick mehr Abwechslung gewünscht: Entweder stehlen wir für die Rebellen Flugzeuge und Helikopter oder greifen Konvois an, ab und zu dürfen wir auch noch einen Sicario einschüchtern, einen Bunker voller Gegner stürmen sowie auf hohen Bergen abgeworfene und schwer zu erreichende Güter bergen - das war's im Großen und Ganzen.

Wobei, da gibt es ja noch die Verteidigungsmissionen, den vielleicht nervigsten Quest-Typ. Dabei startet ihr einen Funksender der Rebellen und müsst diesen anschließend zwei Minuten lang gegen anrückende Gegnerhorden verteidigen. Das ist anfangs frustrierend schwer, weil euer Charakter in Ghost Recon Wildlands nur ganz wenige Treffer aushält - der Schwierigkeitsgrad ist überraschend hoch für ein AAA-Spiel von Ubisoft und zwar bereits auf Normal, der zweiten von insgesamt vier jederzeit wechselbaren Härte-Stufen. Später, mit den richtigen Upgrades, gerät die Verteidigung aber viel zu simpel, teilweise standen wir am Ende tatenlos herum und sahen dabei zu, wie die letzten 20 Sekunden des Mission-Timers abliefen - alle Gegner waren längst tot.

Doch das ist nur ein Symptom des Problems, denn diese Variante eines x-beliebigen Horde-Multiplayer-Modus hat eine fundamentale Schwäche: Indem es den KI-Gegnern die Position der eigenen Spielfigur signalisiert und so jeden Ansatz von Heimlichkeit im Keim erstickt, ignoriert es die größte Stärke von Ghost Recon Wildlands' Gameplay.

Review: Vier Operator im Gebüsch


21 Bilder Im Dunkeln durch den Matsch krabbeln, Gegner markieren und schließlich im Team losschlagen: ein großer Spaß. Im Dunkeln durch den Matsch krabbeln, Gegner markieren und schließlich im Team losschlagen: ein großer Spaß. [Quelle: PC Games]
Geduckt durch Gräben schleichen oder sich gleich längs in den Dreck schmeißen und langsam nach vorne robben: Ghost Recon Wildlands betont den Schleich-Aspekt des Spiels und drängt den Spieler mit sanfter Gewalt dazu, vorausschauend zu agieren. Bricht man das Gameplay auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunter, so geht es beim neuen Tom-Clancy-Spiel fast immer darum, eine Villa/Festung/Militäranlage möglichst lautlos zu infiltrieren, indem man einen Weg hinein findet, Wachen unerkannt beseitigt und verschwindet, bevor die Verstärkung anrückt. Dabei ist Aufklärung das A und O. Ähnlich wie in Far Cry 4 nutzt ihr dazu das Fernglas eures Charakters, das gesichtete Feinde automatisch markiert. Darüber hinaus habt ihr auch noch eine ferngesteuerte Drohne à la Watch Dogs 2, die das Gleiche tut und zusätzlich mit Angriffsoptionen wie EMP-Schlag oder Sprengladung aufgerüstet werden kann.

Aufgrund der Menge an Widersachern (einmal gesäuberte Gebiete werden nach einer Weile erneut mit Feinden bevölkert, dieser Respawn ist aber bei weitem nicht so nervig wie damals in Far Cry 2), dem Schwierigkeitsgrad und dem Militärszenario fühlt sich das weniger nach Cheaten und "Casual-Gaming" an und mehr so, als würde man als Teil eines echten Profi-Teams hinter feindlichen Linien agieren.

Wie ihr eine Mission angeht, bleibt euch überlassen; Ghost Recon Wildlands bietet viel spielerische Freiheit. Das erstreckt sich auch auf die Bewegungsmöglichkeiten eurer Spielfigur: Geklettert wird nicht nur an vorgebenen Stellen, mit ein bisschen Geschick erklimmt man Felsnadeln und wuchtet sich über Mauern, um eine bessere taktische Position für einen Angriff auf die Gegner zu erlangen.


21 Bilder Die Gegner-KI setzt einem gut zu, schon auf dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden. Die Gegner-KI setzt einem gut zu, schon auf dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden. [Quelle: PC Games]
Gekämpft wird vorrangig aus der Third-Person-Perspektive, beim Schießen könnt ihr einen Ego-Modus zuschalten. Seltsam: Das hervorragende Deckungssystem aus anderen Ubisoft-Spielen (inklusive dem Vorgänger Future Soldier) glänzt mit Abwesenheit. Statt auf Knopfdruck schmiegt sich der Held automatisch an Wände und hüfthohe Barrieren. Das klappt aber nicht so gut wie sonst und fühlt sich unnötig behäbig an. Auch die schnelle Ausweichrolle aus The Division vermissen wir schmerzhaft, gerade wenn Feinde uns mit Granaten oder Mörserfeuer eindecken und wir fix aus der Gefahrenzone verschwinden wollen. Das sorgt für so einige unnötige Bildschirmtode und Frust.

Die schönsten Augenblicke im Test hingen dagegen damit zusammen, wie unser Spielcharakter und seine drei Begleiter geschickt ganze Basen entvölkerten - ohne dass Alarm ausgelöst wurde und manchmal auch dann, wenn alles schief ging. Der Chaos-Faktor ist nicht zu unterschätzen und sorgt für gute Unterhaltung; ähnlich wie in Just Cause 3 hatten wir viel Spaß dabei, eine scheinbar aussichtlose Situation noch zu unseren Gunsten zu wenden. Auch die Parallelen zu Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain sind offensichtlich. Anders als im Kojima-Hit habt ihr hier aber stets drei Begleiter dabei - im offline spielbaren Solomodus sind das KI-Soldaten, im Koop-Modus andere Spieler.

Egal ob Mensch oder Maschine: Mit Synchronschüssen könnt ihr bis zu vier Widersacher gleichzeitig auf Kommando ausschalten, das funktioniert prima und erlaubt taktisches Vorgehen. Für den Koop-Modus empfehlen wir bei einer solchen Spielweise aber, bekannte Freunde ins Team einzuladen. Ghost Recon Wildlands mit Fremden zu spielen, ist ein Abenteuer für sich und kann für viele spaßige Situationen sorgen; das Erlebnis mit Freunden ist dieser Multiplayer-Wundertüte aber definitiv vorzuziehen. Was wir vor dem Test nicht ahnten: Ghost Recon Wildlands macht auch solo und offline eine Menge Spaß! Das liegt auch an der kompetenten Partner-KI, die eure Spielfigur zuverlässig wiederbelebt und im Gegenzug nur wenig Mikromanagement erfordert. Theoretisch dirigiert ihr euren Trupp mit einer Reihe einfacher Kommandos, in der Praxis sind die Jungs aber intelligent genug, um selbstständig zu agieren. Allerdings erkauft sich Ubisoft Paris dieses unkomplizierte Vergnügen mit einigen Abkürzungen bei Spieldesign und Technik.

Wilands-Review: Starke Technik mit Besonderheiten


21 Bilder Viele Basen sind mit stationären Geschützen, Raketenstellungen und Mörsern gesichert. Viele Basen sind mit stationären Geschützen, Raketenstellungen und Mörsern gesichert. [Quelle: PC Games]
In mancherlei Hinsicht scheint das neue Ghost Recon mehr mit einem Early-Access-Spiel als einem AAA-Titel gemeinsam zu haben. So teleportieren sich die KI-Kameraden etwa ruck-zuck ins eigene Fahrzeug, wenn wir sie zurücklassen - gewöhnungsbedürftig. Und wenn wir Nachtsicht- oder Wärmebildkamera einschalten, zieht sich unser Soldat noch nicht einmal die Sam-Fisher-Gedächtnisbrille ins Gesicht, eine entsprechende Animation fehlt einfach. Noch schräger: Auf Knopfdruck dürfen wir bei den Rebellen ein Fahrzeug anfordern, das ist eine der mit einem Cooldown versehenden Erleichterungen, welche die Freiheitskämpfer unserem DEA-Trupp gewähren. Doch einmal ausgewählt, materialisiert das Fahrzeug einfach in Sekundenschnelle irgendwo in der Nähe unseres Trupps - kein Flugzeug, das es abwirft, keine besondere Animation, einfach ein schnöder, liebloser, die Atmosphäre drückender Spawn.

Und nicht nur das: Oftmals taucht das Vehikel dann auch noch an der denkbar ungünstigen Stelle auf, etwa hinter einem Zaun oder auf einem steilen Hang, von wo aus es den Berg hinunterrutscht. Einmal wurde unser Avatar sogar von einem angeforderten Helikopter zerquetscht - das Fluggerät materialisierte genau über seinem Kopf. Ein anderes Mal erfolgte der Spawn direkt zwischen zwei Bäumen - kaum starteten wir den Heli, wurde der Rotor beim Kontakt mit den Stämmen zerfetzt; das Vehikel war unbrauchbar. Unverständlich, warum Ubisoft Paris hier nicht zumindest eine Möglichkeit eingebaut hat, den Standort des Abwurfs vorzugeben - bei anderen Rebellen-Boni wie dem Mörserfeuer geht's doch auch!

Ghost Recon Wildlands PC-Systemanforderungen

Mindestens
• Intel Core i5-2400S mit 2,5 GHz / AMD FX-4320 mit 4 GHz
• 6 GB RAM
• Geforce GTX 660 / Radeon R9 270X s mit 2 GB VRAM
• 50 GB freier Speicherplatz


Empfohlen
• Core i7-3770 mit 3,5 GHz / FX-8350 mit 4 GHz
• 8 GB RAM
• Geforce GTX 970/1060 / Radeon R9 390/RX 480

Die Grafik ist derweil besonders am PC top: Das virtuelle Bolivien sieht traumhaft schön aus, Texturen sind gestochen scharf und Animationen wirken lebensecht. Im vorbildlich dokumentierten Optionsmenü lassen sich etliche Regler verstellen, um die Qualität der Optik an den verwendeten Rechner anzupassen - Ultra-Details und Auflösungen jenseits der 1080p verlangen nach sehr viel Leistung. Für die maximalen Einstellungen von Ghost Recon Wildlands ist eine Grafikkarte mit mehr als 4 GB VRAM Pflicht, dann liefert die Performance Fps-Zahlen von stabilen 60 Bildern pro Sekunde. Auf unserem Test-System mit Core i7 4790 3,6 GHz, 16 GB RAM und einer Geforce GTX 980 kam es dagegen bei voll aufgedrehter Grafikpracht zu kleinen Rucklern. Detaillierte Benchmarks gibt's bei PC Games Hardware. Die Konsolenfassung hat mit deutlich niedrigeren Framerates zu kämpfen, besonders die Xbox-One-Performance sinkt häufig unter die anvisierten 30 Fps. Die PS4-Version weist zwar auch Ruckler auf, hier läuft Wildlands aber insgesamt flüssiger, natürlich erst recht auf der PS4 Pro. Auf beiden Konsolen sind zudem Pop-up-Effekte mit nachladenden Vegetations-Details auffälliger als am PC.


21 Bilder Das virtuelle Bolivien ist prächtig anzuschauen, Ghost Recon Wildland hat eine tolle Spielwelt. Das virtuelle Bolivien ist prächtig anzuschauen, Ghost Recon Wildland hat eine tolle Spielwelt. [Quelle: PC Games]
Ghost Recon Wildlands hat eine großartige PC-Umsetzung spendiert bekommen, die Steuerung lässt sich bis ins kleinste Detail anpassen, alle Tasten können frei belegt werden. Dazu gibt es Einstellungen für das Sichtfeld (FoV, Field of View) sowie das HUD; die Benutzeroberfläche lässt sich konfigurieren, störende Anzeigen können ausgeblendet werden. Mit Maus und Tastatur hatten wir beim Test keine Probleme, aber auch am Gamepad geht das Zielen und Schießen gut von der Hand. Für Ungemach sorgt jedoch das Fahrverhalten von Autos. Über 60 Vehikel stehen zur Auswahl und gerade die vierrädrigen Untersätze steuern sich extrem schwammig, die Physik sorgt bei Zusammenstößen für teils lächerliche Ergebnisse. Da braucht es einige Eingewöhnung, um eine Verfolgungsjagd ohne ständige Crashes abzuschließen! Viel besser gefiel uns beim Review das Herumrasen mit Motorrädern; auch querfeldein macht die Bewegung per Dirtbike mächtig Laune. Im Vergleich zur Beta stark verbessert zeigte sich zudem die Bedienung, wenn man in Helikopter oder Flugzeug sitzt. Auch mit der Tastatur fiel es uns sehr leicht, Landeplätze präzise anzufliegen und sicher aufzusetzen.

Was den Multiplayer-Modus von Ghost Recon Wildlands angeht, der beschränkt sich bis zum Release des PvP-Updates auf Koop-Partien. Dedicated Server gibt es dafür nicht, Ubisoft Paris setzt auf die Peer2Peer-Technik und Matchmaking. Das funktionierte bei unseren Tests gut, auch das Einladen von Freunden in laufende Partien erwies sich als problemlos. In Sachen Bugs gibt es ebenfalls gute Nachrichten: Nach dem die Wildlands-Beta zahlreiche Glitches aufwies, bemerkten wir in der Testversion nur noch vergleichsweise kleine Fehler. So spulten die Charaktere etwa bei jeder Schnellreise den gleichen Dialog ab, nachdem wir eine Mission vorzeitig abgebrochen hatten. Dazu kamen ein gelegentliches Aufblitzen bei bestimmten Grafikeinstellungen sowie kleinere Clipping-Fehler, die typisch für Open-World-Spiele sind. Das nervt, ist aber kein Genickbruch, da wir aufgrund der Bugs nie das Spiel abbrechen mussten.

Ghost Recon Wildlands gibt es für PC, PS4 und Xbox One zu kaufen; der Release ist am 7. März 2017. Am PC kommt Uplay als Kopierschutz zum Einsatz - auch bei Retail- und Steam-Version.

Ghost Recon Wildlands-Review: Wertung & Fazit für PC, PS4 und Xbox One

  • Peter Bathge""Wildlands ist ein gelungener Mix aus den besten Elementen aller Ubisoft-Marken - nur die eigene Identität kommt etwas zu kurz.""
  • Man kennt das ja von Ubisoft-Spielen mit Open-World-Mechanik: Wenn irgendwo kein Symbol auf der Karte ist, lohnt es sich so gut wie nie, zu diesem Ort zu fahren. Das gilt auch für Ghost Recon Wildlands, allerdings hat mir das Wegschaufeln dieser Icons hier so viel Spaß gemacht wie schon lange kein Assassin's Creed mehr. Das liegt vor allem daran, dass Wildlands mir so viele Einzelheiten des Gameplays selbst überlässt. Ob ich mich nun in superspannenden Infiltrationsmissionen durch die Gegnerreihen "ghoste" oder einfach meine drei Buddys in einen gepanzerten Wagen mit Dach-MG packe und die Basis so ausräuchere, das bleibt komplett mir überlassen. Gegner mit der Drohne ablenken, Rebellenverstärkung ordern, Minen legen, Benzintanks per C4-Sprengstoff in die Luft jagen - ich habe es in der Hand. Zudem tragen die Sammelgegenstände alle zum Spielfortschritt bei; das Upgrade-System ist zwar das übliche Hamsterrad, motiviert aber dennoch zum Weiterspielen. Bolivien ist als Kulisse zudem ein Volltreffer, da wunderschön, riesengroß und herrlich facettenreich. Ein Land, so korrupt, die Drogenbarone haben sogar ihren eigenen Radiosender! Ghost Recon Wildlands ist im Grunde ein Mafia 3, wie ich es mir gewünscht hätte: Das Konzept der Buchóns und deren Bosse ähnelt dem Mafiosi-Abenteuer, allerdings bietet das Ubisoft-Spiel viiiiiieel mehr handgemachte Missionen bei gleichzeitig weniger Glitches - und das Ganze dann auch noch im Koop-Modus. Großartig! Klar, perfekt ist Wildlands nicht, besonders im Einzelspielermodus geht dem Ganzen irgendwann doch die Puste aus, wenn man Nebenmission-Typ X zum wer weiß vielen Male wiederholt und bei der B-Movie-Story nur noch auf Durchzug schaltet. Aber wo sonst im Videospiel-Geschäft darf man sich alleine oder zu viert wie ein Spezialsoldat mit echter Autonomie fühlen? Wer auf einen großen Open-World-Spielplatz Lust hat und diesen am liebsten mit drei Freunden erforschen will, der darf sich Wildlands nicht entgehen lassen!


Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands (PC)
  • Spielspaß
  • 83 %
  • Grafik - 
    Sound - 
    Multiplayer - 
Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands (XBO)
  • Spielspaß
  • 80 %
  • Grafik - 
    Sound - 
    Multiplayer - 
Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands (PS4)
  • Spielspaß
  • 82 %
  • Grafik - 
    Sound - 
    Multiplayer - 
Pro & Contra
Großartiger Koop-Modus für vier Spieler
Viel Bewegungsfreiheit
Schleichen oder Ballern: Missionen bieten mehrere Lösungswege
Großer Umfang mit 50 Stunden
Extrem motivierendes Upgrade-System
Gut integrierte, überwiegend spaßige Nebenmissionen
Sehr viele Waffen und Aufsätze
Prima im Solomodus spielbar, auch offline
Vier Schwierigkeitsgrade, die sich jederzeit wechseln lassen
Starke Grafik mit guter Performance und vielen Einstellungsmöglichkeiten (PC)
Selbstständig agierende, effiziente Partner-KI
Gute Steuerung, perfekt an den PC angepasst
Professionelle deutsche Vertonung
Bewährter Wechsel zwischen Third-Person-Perspektive und Ego-Ansicht
Auf Dauer etwas wenig Abwechslung
Dümmliche Verteidigungsmissionen
Story und Dialoge von minderer Qualität
Hakeliges Deckungssystem, keine Ausweichrolle
Gewöhnungsbedürftiges Fahrverhalten der Autos
Unzuverlässiger Vehikel-Spawn
Einige kleinere Bugs und Anzeigefehler
Sprüche der KI-Partner wiederholen sich ständig
Gelegentliche Ruckler auf der Konsole (besonders Xbox One)


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