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The Escapists 2 im Test: Beim Ausbruch abgestürzt

Die Fortsetzung der Ausbruchsimulation aus dem Jahre 2015 wurde von Team 17 programmiert. Das Studio schuf zuvor die Standalone-Erweiterung The Escapists: The Walking Dead und sammelte so Erfahrungen mit der Reihe. Nun steht The Escapists 2 in den Startlöchern - und wir haben versucht, aus dem Knast zu entkommen.


4 Bilder The Escapists 2 im Test: ​Beim Ausbruch abgestürzt (1) The Escapists 2 im Test: ​Beim Ausbruch abgestürzt (1) [Quelle: Team 17]
Es lief ziemlich gut für unseren Knacki Sam in The Escapists 2 ( jetzt für 29,99 € kaufen ) : Die Seife im Socken geparkt, die High-Tech-Spitzhacke im versteckten Fach des Schreibtisches gebunkert, die bisherigen Grabungsarbeiten mit einem falschen Mauerstein kaschiert. Den großen Tag des Ausbruches jedoch erlebt unser Charakter nicht mehr, denn beim nächsten Spielstart ist unser ganzer Speicherstand perdu - inklusive aller bislang freigeschalteten Gefängnisse und natürlich unserem aktuellen Ausbruchsprojekt. Umso schlimmer: mit Abstürzen und Bugs stehen wir auf dem PC nicht alleine da, auch die Konsolenfassungen sind alles andere als makellos. Uns bleibt letztlich nichts anders übrig, als weiterhin gesiebte Luft einzuatmen und unsere Escapists-Karriere von Neuem zu beginnen.

Hinter schwedischen Gardinen

Das Gefängnis-Setting ist vielleicht kein absoluter Publikumsmagnet, feierte in Form von Serien und Videospielen aber schon den einen oder anderen Erfolg - man denke an Prison Architect oder Prison Break. The Escapists 2 baut auf den Fundamenten des ersten Teils auf und erweitert diese in erster Linie mit neuen Levels (insgesamt zehn) und einem (optionalen) Mehrspielerpart. Sollte das Geld bei euch locker sitzen, investiert ihr zehn Euro in den Day-One-Season-Pass und bekommt dafür später drei weitere Maps und etwa vier Euro in einen neuen Knast mit Nordkorea-Thematik (Vorbesteller bekamen dieses Kittchen "kostenlos").

Die neuen Schauplätze sind kreativ und sehen hübsch aus, an den Stellen, an denen man das Spielprinzip jedoch komplexer oder abwechslungsreicher hätte gestalten können, macht sich keine Evolution bemerkbar. Zivilisten etwa stört es immer noch nicht, wenn Insassen außerhalb der Schließzeiten das Gefängnis unsicher machen, niederschlagen kann man Pädagogen, Putzkräfte und Co. auch nicht. Besonders gewöhnungsbedürftig sind die blitzschnellen Krankenpfleger, die Blut in einem kilometerweiten Radius wittern, binnen Sekunden auf der Matte stehen und Verletzte abtransportieren. Um den Schlüssel eines ausgeknockten Wärters zu kopieren, habt ihr deshalb manchmal nur Sekunden Zeit. Abseits von gescripteten Spezialfluchten stehen den Insassen wenig Möglichkeiten offen, Freiheit zu erlangen. Ihr könnt euch nicht in Kisten verstecken, euren Gefängnisjob zur Fluchtvorbereitung nutzen (etwa, indem ihr Objekte in Mülltüten schmuggelt), Wärter sind nicht bestechlich, es gibt keine Mechanik, mit der man Elektrik und/oder Überwachungskameras beeinflusst.


4 Bilder Dieses Gefängnis mit Nordkorea-Chic kostet extra, es sei denn, ihr seid Vorbesteller von The Escapists 2. Dieses Gefängnis mit Nordkorea-Chic kostet extra, es sei denn, ihr seid Vorbesteller von The Escapists 2. [Quelle: Team 17]

Knast-Veteranen

Grundlegend funktioniert das Spielprinzip von The Escapists 2 ähnlich wie im ersten Teil und folgendermaßen: Zum Appell, Morgen-, Mittag- und Abendessen sowie zu den festgelegten Arbeits-, Sport- und Duschzeiten empfiehlt es sich, den jeweiligen Arealen einen Besuch abzustatten, sonst erregt ihr die Aufmerksamkeit der Wärter. Mit rot markierten Gegenständen wie etwa Nägeln, Scherben oder - so absurd es klingt - Kuchen in Besitz solltet ihr euch nicht erwischen lassen, Objekte wie Tassen, Besen und Feuerzeuge aber dürft ihr behalten. Aus verschiedenen Einzelteilen fertigt ihr neue Items. Ein einfaches Beispiel: Klopapier und Klebstoff ergeben in Kombination Pappmache, und zwei Portionen Pappmache und ein Glas Tinte werden zu einem gefälschten Mauerstein, der Löcher verdeckt, die ihr gegraben habt. Bei Knastkollegen gibt es Hilfsmittel zu kaufen, einfacher, günstiger und überraschend konsequenzenfrei ist es aber, deren Schreibtische aufzubrechen um zu klauen, was man braucht.


4 Bilder Im versteckten Fach des Schreibtisches verstaut man verbotene Gegenstände wie zum Beispiel selbstgebaute Waffen. Im versteckten Fach des Schreibtisches verstaut man verbotene Gegenstände wie zum Beispiel selbstgebaute Waffen. [Quelle: Team 17]
Jedes Kittchen bietet mehrere Ausbruchmöglichkeiten. Die Standardvariante ist die Flucht per Tunnel, Lüftungsschacht und/oder durch den Zaun. Das ist an sich nicht sonderlich spannend, das Planen der idealen Route und das Beschaffen aller nötigen Hilfsmittel macht aber dennoch Laune, trotz der bisweilen auftretenden Monotonie. Manchmal dauert es jedoch gefühlte Ewigkeiten, bis man alle erforderlichen Ressourcen zusammen hat: Zum großen Teil bestimmt der Zufall die Gegenstände, die zum Kauf angeboten werden und die Objekte, die in den Schubläden der Tische erscheinen. Mehr Freude bereiten theoretisch die speziellen Fluchtmanöver, etwa mit Hilfe eines selbstgebauten Gleiters, auf dem Pferderücken oder per Jet-Ski. Diese außergewöhnlichen Lösungswege enden jedoch, wenn ihr alle Bedingungen erfüllt habt, ziemlich antiklimatisch mit einem einfachen Tastendruck, danach folgt eine simple Zwischensequenz.

Teamwork im Kittchen


4 Bilder The Escapists 2 wird humorvoll präsentiert, allzu realistisch oder brutal geht es nicht zu. The Escapists 2 wird humorvoll präsentiert, allzu realistisch oder brutal geht es nicht zu. [Quelle: Team 17]
Jedes Level kann sowohl kooperativ als auch im Versus-Modus online und lokal gespielt werden. Während bereits im Solopart von The Escapists 2 Bugs auftreten, potenzieren sich die Probleme im Multiplayerpart. Objekte können nicht benutzt werden, Spieler glitchen durch Wände, Abstürze und Verbindungsabbrüche verderben ganze Partien. Immerhin ist das Entwickler-Team bemüht, Abhilfe zu schaffen. Seit Release sind im Zeitraum einer Woche bereits drei größere Updates erschienen, die zumindest ein paar der Probleme beheben. Noch ist The Escapists 2 gerade im Mehrspielermodus aber von einer bedenkenlosen Empfehlung ein gutes Stück entfernt. Komplettierungs-Fanatiker wird das besonders ärgern, denn in jedem Level gibt es spezielle Fluchtoptionen, die nur im Mehrspielermodus in Angriff genommen werden können.

Möchtegern-Knackis sollten bedenken, dass The Escapists 2 an vielen Stellen ein eher monotones und langsames Spielerlebnis bietet - es sei denn, man hat Ansprüche, die Top Ten der Bestenlisten zu erobern. Spielhilfen gibt es relativ wenige, ihr lernt auf die harte Tour, ob euer Plan in die Freiheit führt oder doch eher in die Einzelhaft. Auch wenn die Fortsetzung von The Escapists technisch sauber wäre, so wäre sie lange nicht perfekt, denn dazu hat sich zu wenig getan. Sollten die mannigfaltigen Probleme aus der Welt geschafft werden, lohnt sich The Escapists 2 zumindest für Freunde des ersten Teils und für alle, die sich den Mehrspielerpart herbeigesehnt haben.

  • Katharina Reuß"The Escapists 2 verspielt seine Chancen durch technische Schwächen."
  • The Escapists hat mich vor zwei Jahren recht gut unterhalten, auch wenn das Spielprinzip immer in den gleichen Bahnen ablief: perfekte Stelle für den Ausbruch suchen, Items sammeln, fliehen. Ein Mehrspielermodus war nun nicht gerade auf meiner Wunschliste für die Fortsetzung, vielmehr hätte ich es begrüßt, wenn es neue, kreativere Wege aus dem Knast gegeben hätte. Dass die auffälligste "Neuerung" im zweiten Teil des Indie-Spiels am Ende die Vielzahl Bugs ist, die mir begegnet sind, ist einfach nur ärgerlich.


The Escapists 2 (PC)
  • Spielspaß
  • 62 %
  • Grafik - 
    Sound - 
    Multiplayer - 
Pro & Contra
kreative Settings
humorvoll
viele (neue) Crafting-Rezepte
Charakterwerte (Stärke etc.) sinken nicht mehr automatisch
spezielle Fluchtstrategien in allen Gefängnissen
Optik und Animationen besser als im Vorgänger
simples, aber unterhaltsames Spielprinzip
Bugs, Bugs, Bugs
einige der Bugs schwerwiegend (Spielstandverlust)
Sanitäter sind viel zu schnell
Item-Sucherei oft langwierig
Interaktion mit Zivilisten nicht möglich
Mehrspielermodus extrem fehlerbehaftet
Deutsche Übersetzung lässt zu wünschen übrig
Fazit
Recht mutlose, prinzipiell aber spaßige Fortsetzung, die unter einer Vielzahl Bugs leidet.


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