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The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay im Gamezone-Test

Mehr als nur ein weiterer Shooter: Dieses Spiel setzt neue Maßstäbe in Sachen Technik und Gameplay auf der Xbox.

1 Bilder The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay im Gamezone-Test

Auch die Dunkelheit kann tödlich sein

Vin Diesel scheint ein echtes Multitalent zu sein: Der muskulöse Glatzkopf ist mittlerweile nicht nur eine ganz große Nummer in Hollywood, sondern hat nebenbei auch noch seine eigene Spielefirma namens Tigon Studios gegründet. Zusammen mit den Starbreeze Studios, welche uns Titel wie "Knights of the Temple" oder "Enclave" beschert haben, zieht das Entwicklergespann mit "Chronicles of Riddick" ein richtungweisendes und technisch einzigartiges Spiel aus dem Hut, welches jetzt schon einen Ausblick auf die Spiele von morgen gibt.

Echten Science-Fiction-Fans ist der Name Riddick schon länger ein Begriff. Im Kinofilm "Pitch Black" hatte Richard B. Riddick seinen ersten großen Auftritt - genau wie sein Darsteller, Vin Diesel, dessen Karriere nach dieser Rolle steil bergauf ging. Nun bringt Universal das offizielle Prequel in die Kinos, diesmal unter dem Namen "Riddick - Chroniken eines Kriegers". Das Spiel hat zwar einen ganz ähnlichen Namen, die Handlung ist jedoch etwas anders als im Film. Riddick befindet sich nämlich während des gesamten Spiels dort, wo er anscheinend einen Großteil seines Lebens verbringt: Im Gefängnis. Dieses nicht sonderlich beneidenswerte Schicksal wird nur dadurch erträglich, dass Riddick ein echter Ausbrecherkönig und Überlebenskünstler ist und vom ersten Moment an hinter Gittern bereits Pläne für seinen Ausbruch schmiedet. Doch dieses Vorhaben gestaltet sich nicht gerade als einfach, denn Butcher Bay und ist so ziemlich das sicherste, übelste und dreckigste Gefängnis im ganzen Sonnensystem.

Nun könnte man ja vermuten, dass Riddick ein "ganz normaler" Shooter sei, der dem Genre nur einen weiteren, dafür aber sehr gut aussehenden, Vertreter hinzufügt. Dies ist glücklicherweise nicht der Fall. Riddick geht weit über das übliche virtuelle Feuergefecht hinaus und präsentiert einen gelungenen Genremix aus Schleichspiel und Egoshooter, obendrein garniert mit ein paar leckeren Rollenspielelementen. Man könnte dem Titel sogar Anleihen aus dem Boxsport attestieren, denn an vielen Stellen müsst ihr euch nicht Waffen, sondern den blanken Fäusten zur Wehr setzen. Ihr seid schließlich Insasse in einem Hochsicherheitsgefängnis und da geht es unter den Häftlingen schon mal etwas härter zur Sache. Große und kleine Konfliktsituationen löst man dann mit ein paar saftigen Kinnhaken oder verbotenen Waffen in Form eines Schraubenziehers. Die integrierte Boxsimulation geht sogar über simples Knöpfchendrücken hinaus und lässt verschiedene Schläge und Schlagkombinationen zu. Wer die Steuerung per Schultertaste und Analogstick verinnerlicht, hat schnell ein paar schlagkräftige Vorteile gegenüber den ohnehin sehr schlecht gelaunten Mithäftlingen. Denn wie das nun mal in einem Knast so üblich ist, gibt es auch in Butcher Bay verschiedene Gruppen, für die ihr große und kleinere Aufträge erledigen könnt. Selbstverständlich sind auch die Wachen korrupt und spielen eine wichtige Rolle bei den verzwickten Beziehungen der Häftlinge untereinander. Da kommt so ein cooler und überstarker Bursche wie Riddick natürlich gerade recht und wird gerne mal für das ein oder andere Attentat eingespannt. Hier kommen dann auch die erwähnten Rollenspielelemente zum Zug, denn ihr könnt die euch angebotenen Aufträge natürlich auch ablehnen oder sogar den Auftraggeber angreifen. Je nach dem genießt ihr im Spielverlauf bestimmte Vor- und Nachteile: So bringt euch ein erledigter Auftrag zum Beispiel eine verbotene Waffe als Belohnung ein, welche später bei einem entscheidenden Boxkampf sehr nützlich sein wird. Auch Geld gilt es zu erwirtschaften, davon können beim Schwarzhändler im Gefängnishof Waffen und andere Gegenstände erstanden werden.

Ein echter Ausbrecherkönig wie Riddick bricht natürlich auch irgendwann einmal aus und muss in diesem Fall auch mal zur Waffe greifen. Es gibt also auch Phasen im Spiel, bei denen nach alter Schule geballert wird und es spielerisch sehr zügig und vor allem actionreich zur Sache geht. Auch gibt es eine Situation, bei der sich Riddick als Wachmann verkleiden kann und somit völlig unbemerkt durch einen Spielabschnitt kommt - Hitman lässt grüßen. Doch damit nicht genug: Dieser Titel ist zu großen Teilen auch ein Schleichspiel. Sogar ein sehr gutes Schleichspiel, denn sollet ihr doch mal von den Wachen bei eurer Schattenpirsch entdeckt werden, ist noch lange nicht aller Tage Abend und mit etwas Glück könnt ihr die ungebetenen Störenfriede sogar überwältigen. Euren derzeitigen Grad an Sichtbarkeit hat man sehr elegant visualisiert: Sobald ihr euch in der Hocke und somit im Schleichmodus befindet, färbt sich das Bild leicht blau wenn ihr euch im schützenden Schatten befindet. Somit habt ihr immer genau im Blick ob der gewählte Weg der Richtige ist und wann die Luft rein ist. Auch erlernt Riddick im Spiel seine aus "Pitch Black" bekannte Nachtsicht, welche bis zum Ende des Abenteuers an vielen Stellen zum Einsatz kommen wird. Auf jeden Fall ist die Dunkelheit Riddick's größte Verbündete auf dem Weg in die Freiheit - mit ihrer Hilfe kann er sich nämlich hervorragend von Hinten an die unliebsamen Wachen anschleichen und selbige mit einer einfachen Tastenkombination überwältigen. Selbst wenn man einmal vorzeitig bemerkt werden sollte, kann man manchmal durch so genannte "Counter-Moves" die Waffe des Gegners auf ihn richten und der gefährlichen Situation ein jähes Ende bereiten.

Das Mission- und Leveldesign des Spiels fesselt so sehr wie bei kaum einem anderen Genrevertreter, denn ständig eröffnen sich euch neue spielerische Möglichkeiten und die einzigartige Abwechslung zwischen rasantem Shooter und taktischem Schleichspiel sorgen für eine stetig ansteigende Motivations- und Spannungskurve. Fast das gesamte Gefängnis von Butcher Bay ist zwar durch Ladepausen unterbrochen, aber nur selten räumlich voneinander getrennt, weshalb schnell ein Gefühl von Freiheit entsteht, welches bei den sonst äußerst linear gestrickten Genrevertretern nur sehr selten anzutreffen ist. Dabei fällt auf, dass viele Abschnitte des Gefängnisses mehrfach zum Lösen bestimmter Aufgaben durchquert werden muss, was unter Umständen auch etwas verwirrend sein kann.

Was an Riddick gleich nach den ersten paar Minuten fasziniert, ist nicht nur das innovative Gameplay, sondern vor allem auch die extrem dichte Atmosphäre. Selbige wird nicht nur durch die filmreifen Animationen und Kameraeinstellungen gefördert, sondern ganz besonders durch die hervorragenden Charaktere und deren Sprecher aufrechterhalten. Allen voran natürlich Riddick alias Vin Diesel selbst, der mit seiner unverwechselbaren Stimme und jeder Menge staubtrockenen Humor seinem digitalen Ebenbild echtes Leben einhaucht. Aber auch alle anderen Akteure wie Kopfgeldjäger Johns, gesprochen von Cole Hauser oder der korrupte Gefängnischef Hoxie sorgen für unvergessliche Dialoge und eine Stimmung, wie sie sich sonst nur im Kino einstellt. Diese wird natürlich auch von der hervorragenden musikalischen Untermalung gestützt, welche dem Spiel zusätzliches Hollywood-Feeling einhaucht.

Ein weiterer Aspekt, der Chronicles of Riddick von allen anderen Spielen abhebt, ist die faszinierende Grafik, welche in dieser Form bisher noch nicht vorgekommen ist. Das Zauberwort nennt sich "Normal Mapping" und lässt Riddick jetzt schon wie ein Spiel aus der Zukunft aussehen. Diese neuartige Technologie, welche in ähnlicher Form übrigens auch beim bald erscheinenden Doom 3 zum Einsatz kommt, kann Oberflächen so realistisch wie noch nie darstellen und sorgt durch ein einzigartiges Spiel mit Licht und Schatten für offene Münder vor dem Bildschirm. Wenn die Spiele der Zukunft so aussehen, dann stehen uns wahrlich rosige Zeiten bevor. Aufgrund der technischen Grenzen der Xbox kann man an einigen Stellen zwar eine auffällig niedrige Framerate ausmachen und auch so mancher Clipping-Fehler hat sich bei der Darstellung der Gesichter eingeschlichen - echten Freaks fällt so was zwar auf, stören wird es aber dennoch kaum jemanden, dafür entschädigt die restliche Grafik viel zu gut. Aber nicht nur die richtungweisende Engine begeistert, sondern auch die hervorragenden Animationen der Charaktere, welche allesamt mit aufwendigem Motion-Capturing erstellt wurden. Selbst das Interface von Riddick verdient eine besondere Erwähnung, es ist nämlich fast nicht vorhanden: Bis auf die einfach gehaltene Lebensanzeige am oberen Bildschirmrand hat man auf jegliche, unnötige Anzeigen verzichtet oder selbige direkt in die Spielegrafik integriert. Dies betrifft die bereits erwähnten Farbveränderungen im Stealth-Modus oder die Munitionsanzeige direkt auf der Polygon-Waffe. Auch aufnehmbare oder benutzbare Gegenstände werden nur durch ein subtiles Blinken angezeigt, ein Tastendruck interagiert dann mit ihnen. Dabei hat man es manchmal leider etwas schwer, denn man muss das Objekt der Begierde schon ganz genau anvisieren um die gewünschte Aktion auslösen zu können. Alle wichtigen Hinweise zum Status der angenommenen Quests, das Inventar, das erspielten Bonusmaterial und eine simple Umgebungskarte könnt ihr übrigens jederzeit im Pausemenü abrufen.

Noch mehr Infos und bewegte Bilder gibt's im Gamezone Video-Review:Chronicles of Riddick (Xbox): Video Review
(340 kbit/s)
  • - GreenAcid"-"
  • Riddick ist endlich mal wieder einer dieser Shooter, die man für lange Zeit nicht vergessen wird und vielleicht sogar in ein paar Jahren noch als „richtungweisend“ und „einzigartig“ bezeichnen wird. Dies gilt nicht nur für die verwendete Grafiktechnik, welche auf der Xbox definitiv völlig neue Maßstäbe setzt und bei vielen zukünftigen Titeln Verwendung finden wird, sondern auch für das überaus fesselnde und immerzu abwechslungsreiche Gameplay. Auch wenn man bereits nach ca. 10 Stunden den vergleichsweise unspektakulären Abspann über den Bildschirm flimmern sieht, so hat man doch während dieser Zeitspanne derart viel erlebt und gesehen, dass man sich bereits jetzt nach einem Nachfolger sehnt. Wie bei so vielen erfolgreichen Titeln ist es auch hier wieder einmal die richtige Mischung: Riddick ist nämlich zu großen Teilen überhaupt kein klassischer Egoshooter, sondern eher ein Schleichspiel mit der motivierenden Option auf jederzeit mögliche Shooter-Action. Dabei wird einem immer genau die richtige Portion an Freiheit zu teil um sich nicht zu einer der beiden Spielweisen gezwungen zu fühlen. Letztendlich ist es aber auch die unvergleichliche Knast-Atmosphäre, welche dank eines hervorragenden digitalen Vin Diesel an Dichte kaum zu überbieten ist und das Spiel zu einem sehr filmnahen Erlebnis werden lässt. Alle Xboxer unter euch sollten sich diesen spielerisch als auch technisch gelungenen Leckerbissen nicht entgehen lassen und bei der ersten Gelegenheit sofort zugreifen!
The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay (XB)
  • Singleplayer
  • 9,2 /10
  • Multiplayer - 
    Grafik 10/10 
    Sound 9/10 
    Steuerung 8/10 
    Gameplay 9/10 
Pro & Contra
gelungener Genremix
dadurch sehr viel Abwechslung
gut umgesetzte Faustkämpfe
fantastische und völlig neuartige Grafikengine
sehr schöne Animationen
filmreife Soundkulisse
hervorragende Sprecher
deutsche Version nicht geschnitten
kein Mehrspielermodus
relativ schnell durchgespielt
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