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Project Cars 2 in der E3-Vorschau: Edel-Racer mit hohen Ansprüchen an sich selbst

Project Cars 2 in der Vorschau: Rennspiel-Fans sehen derzeit mit Forza 7, GT Sport, The Crew 2 und Project Cars 2 goldenen Zeiten entgegen. Project Cars 2 konnten wir im Rahmen der E3 auch schon selbst anspielen und waren angesichts der eindeutig hohen Entwicklungsqualität sehr angetan - allerdings auch skeptisch, was die hochtrabenden Versprechen der Macher angeht. Alle Infos in unserer Preview!

17 Bilder Die E3-Screenshots von Project Cars 2. (14) Die E3-Screenshots von Project Cars 2. (14) [Quelle: Namco Bandai]

Lange Zeit war die Sache klar: In Sachen Rennspiel-Simulations-Thron streiten sich Sonys Gran Turismo und Microsofts Forza um den Genre-Thron - und danach kommt erst einmal nichts.

Mir nichts, dir nichts kam dann allerdings das via Crowndfunding finanzierte Project Cars daher und etablierte sich durch eine gute Strecken- und Autoauswahl, eine ausgereifte Steuerung und zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten als ernstzunehmender Herausforderer. Nun steht die Fortsetzung kurz vor dem Release und wir durften auf der E3 nicht nur ein paar Runden drehen, sondern auch einer Entwickler-Präsentation zum Spiel lauschen.


Wetterkapriolen mit Meinungsschwankungen

      


17 Bilder Die E3-Screenshots von Project Cars 2. (16) Die E3-Screenshots von Project Cars 2. (16) [Quelle: Namco Bandai]
Zu wenig Selbstbewusstsein beziehungsweise fehlende Überzeugung hinsichtlich seines Spiele-Babys konnte man dem Entwickler, der uns durch die Demo führte, keineswegs vorwerfen: "Knallharte Fakten ohne Bullshit" versprach er uns, und diese waren, dass Project Cars 2 besser, schöner und den Konkurrenzprodukten in jeder Hinsicht überlegen sei. Ob das stimmt, mögen wir derzeit noch nicht abschätzen, aber ziemlich beeindruckend klingen die Versprechen, die gemacht werden, durchaus. So erwarten uns satte 50 realitätsgetreue Strecken, über die wir rasen dürfen, darunter natürlich auch absolute Klassiker und Must-Haves wie die Nordschleife am Nürburgring. Was technisch auf diesen Strecken passiert, soll zudem - und da sind wir wieder bei den Superlativen - "allen anderen Racern überlegen sein".

Uns erwarten in Project Cars 2 nämlich nicht nur ein dynamischer Tag-Nacht-Wechsel, sondern auch dynamische und lokalisierte Wetterbedingungen. Das bedeutet, dass es auf verschiedenen Stellen ein und derselben Strecke verschiedene Wettereinflüsse geben kann - wieder Beispiel Nordschleife: Während wir das Rennen starten, ziehen Regenwolken dynamisch über die Piste und sorgen während unserer Fahrt kurzzeitig für einen Regenschauer, während wir das Rennen aber wieder auf einer trockenen Straße beenden. Das soll auch spielerische Auswirkungen haben, denn auf diese Weise wird es natürlich umso herausfordernder, die richtigen Reifen für die Runden zu wählen; eine simple Wahl nach Gummi für trockenen und nassen Asphalt fällt flach. Ebenfalls neu: dynamisch berechnete saisonale Wetterbedingungen. Jede der Strecken soll also nicht nur bei Sonne und Nacht, bei Regen und Trockenheit befahrbar sein, sondern auch bei Schneefall beziehungsweise liegendem Schnee.

Gib Gummi!

      


17 Bilder Die E3-Screenshots von Project Cars 2. (11) Die E3-Screenshots von Project Cars 2. (11) [Quelle: Namco Bandai]
Wo wir schon bei Reifen waren: Auch die werden in Project Cars neu gedacht. Während alle anderen Rennspiel-Hersteller hier nettes, aber nicht realistisches Reifen-Verhalten programmieren (nicht unsere Worte - wie gesagt, der Entwickler war seeehr von seiner Arbeit überzeugt), gingen die Macher von Project Cars 2 einen Schritt weiter. Anstatt die runden Gummis als feste Objekte zu verstehen, werden sie im Spiel als deformierbare, nicht-massive Objekte berechnet. Die Folge: anderes Verhalten bei Kurven und realistischer Reifenabrieb, der nach und nach unser Fahrverhalten beeinträchtigt.

Zudem bleibt der Abrieb der Reifen des Fahrerfeldes während des ganzen Rennens auf der Strecke, was wiederum für einen deutlich schlechteren Halt auf der Straße an diesen Passagen sorgt. Während wir viele der Superlative in unserer kurzen Anspielsession nicht ausreichend unter die Lupe nehmen konnten, gefiel uns zumindest dieses Detail tatsächlich schon sehr gut. Zu sehen, dass unsere schwarzen Bremsspuren nicht einfach nach wenigen Metern verschwinden und dass sie entsprechend auch das weitere Rennen beeinflussen, war beeindruckend! Auch Autoteile, etwa nach einem Unfall oder einer Kollision, verbleiben auf der Strecke und können zum Hindernis werden.

Die Strecken selbst sollen zudem so realistisch gestaltet sein wie nur irgendwie möglich. Zusätzlich zu den normalen Scans, die für die 3D-Modellierung der Pisten gemacht wurden, schickten die Macher von Slightly Mad Studios Drohnen über die realen Orte und fertigten tausende von Bildern an. Diese von ihnen im Englischen als "absolute realism" bezeichnete Methode soll dafür sorgen, dass jede Straßenlaterne, jede Parkbank, jedes Größenverhältnis eins zu eins im Spiel sein und stimmen soll. Auch spielerisch soll das Auswirkungen haben, da etwa die Strecke beeinflussende Elemente besonders realitätsgetreu abgebildet werden können.

Mit 12K-Auflösung über die Piste

      


17 Bilder Die E3-Screenshots von Project Cars 2. (9) Die E3-Screenshots von Project Cars 2. (9) [Quelle: Namco Bandai]
Weitere Verbesserungen und Neuerungen umfassen sogenannte Multi-Class-Rennen, bei denen langsame und schnelle Autos auf einmal auf der Piste sind und dadurch, etwa bei Überrundungen, für Zuschauer besonders spannende Momente ermöglichen sollen; ein deutlich erweitertes Raster an Auto-Herstellern im Spiel, welches dadurch möglich wird, dass in den letzten Jahren viele Exklusivverträge bei anderen Rennspielen ausgelaufen sind (Schön: Alle Autos sind von Anfang an freigeschaltet und müssen auch nicht erst mit In-Game-Währung gekauft werden, sodass man sich auch direkt in die Luxusschlitten werfen kann); außerdem ein stark erweitertes Online-System, bei dem wir etwa Championships selbst gestalten und direkt im Menü des Spiels verwalten können. Dadurch soll auch die bereits sehr hohe E-Sport-Tauglichkeit und -Beliebtheit des ersten Teils noch weiter erhöht werden. Wer mit Gamepad spielt, soll diesmal nicht erst mit Reglern und Prozentzahlen hantieren müssen, um ein spielbares Erlebnis zu bekommen. Stattdessen soll hier von Anfang an ein gut abgestimmtes Kontrollschema am Start sein. Wer will, darf aber freilich wieder Feinabstimmungen nach Lust und Laune vornehmen. Am PC runden umfangreiche Darstellungsoptionen wie VR, 12K-Support und 21:9-Bildratio das Paket ab. Auf allen Plattformen sollen jedoch 60 Bilder pro Sekunde bei 1080p garantiert sein.

Der Rennspiel-Gott schlechthin?

      

Ob all das schlussendlich auch stimmt beziehungsweise dermaßen viel Einfluss auf das Gameplay hat, wie versprochen, muss sich noch zeigen. Wie gesagt, war unsere Anspiel-Session zu kurz, um hier wirklich belastbare Aussagen zu treffen. Was sich aber ohne Frage feststellen lässt: Project Cars 2 spielt sich sehr gut, die simulationslastige Steuerung fühlt sich sehr befriedigend an und die Autos lassen sich angenehm unterschiedlich kontrollieren. Auch technisch sah das Gezeigte sehr gut, wenn auch nicht überragend aus. Vor allem die relativ häufigen Pop-ins stachen noch unangenehm ins Auge. Ob uns hier der neue Rennspiel-Messias erwartet, sei also dahingestellt; davon, dass uns nach dem ersten Teil erneut ein zumindest sehr guter Simulations-Racer ins Haus steht, ist aber auszugehen.

  • Lukas Schmid"„Erneut ein sehr rundes Rennspiel-Paket. Ich hoffe bloß, dass es sich nicht an den gewaltigen Ansprüchen an sich selbst verschluckt.“"
  • Im Gespräch sagten uns die Macher von Project Cars 2, dass sie besonders stolz darauf sind, dass das ganze Spiel mehr oder minder im direkten Austausch mit den Fans entsteht, also durchgehend Ideen und Anregungen von Außen den Entwicklungsprozess beeinflussten. Das ist ihr löblich, allerdings frage ich mich, ob dabei nicht auch etwaige eigentlich nicht so wichtige Aspekte zu stark in den Fokus gerückt werden. So beeindruckend viele der technischen Kinkerlitzchen klingen, welche Project Cars 2 bietet, weiß ich oft nicht, wie sich diese spielerisch allzu drastisch niederschlagen sollen. Zudem ist es gefährlich, mit dermaßen großen Versprechen an die Öffentlichkeit zu gehen, denn wenn man dann auch nur ein bisschen enttäuscht, hat man den selbstgerechten Shitstorm direkt am Hals. Ich bin aber zuversichtlich, denn dass die Entwickler hier ein richtig gutes Rennspiel entwickeln, steht trotz all dieser offenen Fragen außer Zweifel. Das Fahrgefühl ist schon wie im erste Teil wirklich sehr, sehr gut gelungen. Ich freu mich drauf – bleibe aber hinsichtlich der vielen Versprechen noch ein wenig skeptisch.


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