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PES 2018 im Test: Weniger Zugänglichkeit, mehr Realismus - jetzt mit Test-Video

Konami eröffnet das diesjährige Fußball-Duell auf PS4, Xbox One und PC. Während FIFA 18 erst am 29. September 2017 veröffentlicht wird, erscheint PES 2018 bereits am 14. September. Wir testen mit der PS4-Version, wie hoch Pro Evolution Soccer die Messlatte legt - und wie viel das Lizenzpaket für den deutschen Fußballfan bereit hält.

8 Bilder You‘ll never walk alone: Wenn die Spieler bei den Klängen der Kulthymne den Rasen an der Anfield Road betreten, kriegt man Gänsehaut. You‘ll never walk alone: Wenn die Spieler bei den Klängen der Kulthymne den Rasen an der Anfield Road betreten, kriegt man Gänsehaut. [Quelle: Computec Media GmbH]

Es braucht ein paar Spiele, um sich an die verringerte Geschwindigkeit und die leichte Trägheit bei der Spielerkontrolle zu gewöhnen. Aber es lohnt sich, denn PES 2018 spielt sich etwas anspruchsvoller, aber auch realistischer als der Vorgänger. Anfangs werden viele Pässe beim Gegner landen, da die K.I. noch besser die Laufwege zustellt und im Abwehrverbund verschiebt. Doch a) entspricht dieses Verhalten nun mal dem echten Fußball und b) gibt es auch dagegen Mittel und Wege. Will sagen: Presst der Gegner, entstehen irgendwo Lücken. Diese gilt es, zu finden - und gleichzeitig den Ball so gut abzuschirmen, dass man ihn noch hat, wenn man den freien Mann entdeckt hat.

Spielerroulette adé

Neu ist, dass in der Verteidigung nicht nur euer aktiver Spieler, sondern auch der nächste Mitspieler markiert wird. So wisst ihr nun immer, welchen Kameraden ihr steuern werdet, wenn ihr die Spielerwechsel-Taste drückt. Top! Apropos: Die Mitspieler wünschen wir uns noch etwas aktiver. Nicht dass sie nur Herumstehen würden, aber man muss doch oft genug dem Außenläufer manuell mitteilen, dass er jetzt gefälligst die Linie entlangspurten soll. Das macht man mit einer Knopf-Stick-Kombination, aber in der Hitze des ­Gefechts ist das so eine Sache.

Lesetipp: PES 2018 - Einsteiger-Tipps für Angriff und Verteidigung


8 Bilder Als dritte deutsche Vereinsmannschaft neben BVB und S04 ist RB Leipzig im Spiel Als dritte deutsche Vereinsmannschaft neben BVB und S04 ist RB Leipzig im Spiel [Quelle: Computec Media GmbH]
Besser gefällt uns, wie es FIFA macht: Ein Knopf sagt "Biete dich an", der andere "Sprinte nach vorn". Klar, das PES-System gibt euch mehr Freiheit, weil man auch ­Diagonalläufe anweisen kann, aber das FIFA-System finden wir praxistauglicher. Sprints wurden etwas entschleunigt, was uns gut gefällt, schließlich nervt nichts mehr als ein Gegner, der euch ständig mit dem Ball am Fuß davon­läuft. Bei PES 2018 geht es mehr um Tempowechsel und schnelle Antritte: Durch geschickte Körpertäuschungen und Hakenschlagen das Gegenüber leicht aus dem Gleich­gewicht bringen und dann an ihm vorbeiziehen. Drückt ihr jetzt zweimal kurz die Sprinttaste, legt ihr euch den Ball leicht vor und könnt euch so den entscheidenden Vorsprung verschaffen. Dass dieses Manöver aber kein Allheilmittel ist, man es durch Doppeln verteidigen kann, ist klar und auch gut so.


8 Bilder Die Torhüter (hier Marc-André ter-Stegen) haben neue Animationen spendiert bekommen. Die Torhüter (hier Marc-André ter-Stegen) haben neue Animationen spendiert bekommen. [Quelle: Computec Media GmbH]
Schüsse und Kopfbälle sind insgesamt weniger hart als noch beim Vorgänger. Mit Vollspann-Weitschüssen hatten wir insofern selten Erfolg, die meisten Tore erzielten wir durch Kopfbälle sowie durch gezielte Innen-/Außenrist-Schüsse, nachdem wir einen Kurzpass durchgesteckt oder uns durch einen Doppelpass vor das Tor kombiniert haben. Von den sechs Schwierigkeitsgraden empfanden wir nur die beiden höchsten als wirklich herausfordernd, da hier die Gegner aggressiver pressen und deren Chancenverwertung richtig gut ist.
Wie gehabt greift euch das Spiel in den Standardeinstellungen beim Passen und Schießen spürbar unter die Arme. Diese Hilfe wirkt stellenweise etwas unrealistisch, wenn zum Beispiel ein Steilpass per se wesentlich stärker ausfällt als ein normaler Pass. Sie lässt sich auf Wunsch aber reduzieren oder ganz ausschalten.

Die Torhüter halten richtig gut und beherrschen jetzt noch mehr Moves. Von der Fußabwehr über ein Hochschnellen der Faust bis zum geschickten Herauslaufen ist alles dabei. Flugeinlagen sehen aber oft etwas zeitlupenhaft aus, der Torhüter schwebt mehr auf den Boden, als dass er fällt. Frei von offensichtlichen Fehlern sind die Torhüter nicht, aber sie kommen sehr selten vor - eben wie in echt.

Gewitzte Standards

Überarbeitet wurden die Standardsituationen, hier wurden jegliche Flugbahndarstellungen über Bord geworfen. Das finden wir gut, denn erstens gibt es sowas in der Realität auch nicht und zweitens verrieten die Einblendungen in Matches gegen einen Kumpel natürlich immer, was man vorhat. Außerdem gibt es bei Standardsituationen jede Menge vordefinierte Varianten: Bei "D-Zug" beispielsweise stellen sich bei einem Eckball mehrere Spieler in einer Reihe auf, bei "Sprint" positionieren sich einige Kicker an der Strafraumgrenze und rennen auf Kommando los. Eine ähnliche Variante gibt es beim Freistoß. Man darf natürlich auch wieder einen Empfänger schon vor der Ausführung direkt steuern. Neu ist, dass die verteidigende Mannschaft nun auch den Torwart bei einem Frei­stoß auf Wunsch direkt steuern und bereits vor Ausführung in eine Ecke schicken darf, wenn man denn spekulieren will.

Das Strategie-Menü entspricht weitgehend dem des Vorgängers - und lässt keine Wünsche offen! Bei den "Erweiterten Anweisungen", die ihr jederzeit


8 Bilder Wer dribbelt am besten? Neue Statistikeinblendungen bringen Klarheit. Zudem wurde das Angebot an Standardstrategien erweitert.  Wer dribbelt am besten? Neue Statistikeinblendungen bringen Klarheit. Zudem wurde das Angebot an Standardstrategien erweitert.  [Quelle: Computec Media GmbH]
im laufenden Spiel aktivieren dürft, sind neue Feinheiten dazugekommen. Mit "Defensiv" sagt ihr bestimmten Offensivspielern, sich auch bei Angriffen zurückzuhalten, "Zocken" ist das Gegenteil, hier sollen Angreifer bei gegnerischen Attacken vorn bleiben, um Kräfte zu sparen. "Defensive Flügelverteidiger" schickt eure Mittelfeldspieler nach hinten, um die Außenverteidiger zu unterstützen - effektiv gegen Außenstürmer wie Neymar oder ­Robben. Erwähnenswert ist, dass sich alle Änderungen wirklich im Spiel bemerkbar machen und keine Makulatur sind. Auch die Spielstile der lizenzierten Teams ähneln noch mehr denen des realen Fußballs.

Jammern auf hohem Niveau

Während uns das Geschehen auf dem Rasen insgesamt sehr gut gefällt, gibt es doch einige störende Kleinigkeiten. So beträgt die Nachspielzeit fast immer 1 Minute, ganz selten mal 2 Minuten, länger war sie in unseren Testmatches nie. Immerhin beendet der Schiri das Spiel nicht, wenn sich der Ball gerade im Strafraum befindet. Apropos Schiri: Seine Entscheidungen sind meistens nachvollziehbar, auch wenn er mit der Roten Karte doch arg zurückhaltend umgeht. Seine Trikot­wahl ist aber grenzwertig, die wird nämlich nicht an die Spielertrikots angepasst. Spielt man zum Beispiel mit den ­Original-Barca-Trikots, dann kann es passieren, dass der Schiri auch dunkel trägt - und man ihn ständig als Mitspieler ansieht. Das wird hoffentlich noch gefixt.


8 Bilder Nicht jeder Kicker in PES 2018 sieht so beeindruckend originalgetreu aus wie die DFB-Elf. Nicht jeder Kicker in PES 2018 sieht so beeindruckend originalgetreu aus wie die DFB-Elf. [Quelle: Computec Media GmbH]
An der für deutsche PES-Spieler unbefriedigenden Lizenzsituation hat sich nichts geändert. Konami hält weiterhin die Lizenzen für Champions League und Europa League, doch die meisten Teilnehmerteams fehlen. Während die französische sowie holländische Liga komplett lizenziert ist und die Erstliga-Vereine aus England, Spanien und Italien auch alle im Spiel sind (wenn auch zum Großteil mit verfremdeten Vereinsnamen), ist die Bundesliga erneut Tabu. Zu den Konami-Partnern Borussia Dortmund und Schalke 04 gesellt sich als dritte deutsche Mannschaft RB Leipzig. Neu in diesem Jahr sind die Legenden im MyClub-Modus. Neben Weltstars wie Diego Maradonna oder David Beckham gibt's auch Vereinslegenden einiger Partnerclubs, zum Beispiel Ian Rush (Liverpool), Carles Puyol (Barca) oder Lars ­Ricken und Michael Zorc vom BVB.

Die Meisterliga präsentiert sich ziemlich unverändert. Neu sind Vorbereitungsturniere und ein verbessertes Transfersystem. Auch der "Werde zur Legende"-Modus bleibt eine Generalüberholung schuldig und ist meilenweit vom Reiz eines Story-Modus in FIFA 17 bzw. FIFA 18 entfernt.

Hör mir auf!

In den letzten Jahren hätte euch jeder Ohrenarzt dazu geraten, den PES-Kommentatoren Marco Hagemann (RTL/Eurosport/DAZN) und Hansi Küpper (Sky) rasch den Ton abzudrehen. Bei PES 2018 werden wir einen Teufel tun und von dieser Gesundheitsempfehlung abweichen, denn viele Aussagen wurden ­recycelt und klingen einfach unnatürlich. Immerhin gibt es kleine Verbesserungen. So kommen nicht mehr dieselben Kommentare zweimal hintereinander und insgesamt klingen die begleitenden Worte etwas (!) stimmiger.


8 Bilder Der frühere Mittelstürmer und heutige Stadionsprecher Nobby Dickel gehört zu den BVB-Legenden in PES 2018. Der frühere Mittelstürmer und heutige Stadionsprecher Nobby Dickel gehört zu den BVB-Legenden in PES 2018. [Quelle: Computec Media GmbH]
Aber: Die neuen Analysen, bei denen auf unsere Taktik eingegangen wird, wiederholen sich viel zu oft. Wenn man mir einmal ausführlich erklärt, welche Risiken eine Abseitsfalle birgt, dann will ich das Geschwurbel nicht im Fünf-­Minuten-Rhythmus wieder und wieder hören. Das Hauptproblem ist weiterhin, dass viel zu wenige Spieler- und Vereinsnamen genannt werden. So weiß ich oft nicht, über wen gerade gesprochen wird. "Das Team" bezieht sich mal auf meine Mannschaft, mal auf den Gegner. Klar kann ich mir manches zusammenreimen, aber das ist ja nicht Sinn und Zweck. Faktische Fehler (ein 0:1 wurde mal als "Unentschieden" bezeichnet) wurden nicht gänzlich verhindert. Hier hat PES noch einen sehr weiten Weg vor sich - und Konkurrent FIFA legt die Messlatte Jahr für Jahr höher.

Bei der Soundkulisse ist unser Eindruck positiver. Bei den ­lizenzierten Teams erklingen die Vereins­hymnen sowie die typischen Schlachtgesänge ("Heja, BVB"), die Zuschauer gehen gut mit und reagieren realistisch aufs Spiel­geschehen.

Wir erhielten bis Redaktionsschluss nur die Versionen für PS4- und Xbox One, die beide ruckelfrei in 1080p laufen und praktisch identisch sind. Auf der PS4 Pro konnte Konami eine 4K-Auflösung mit 60 fps realisieren. Darüber hinaus sind uns keine grafischen Unterschiede aufgefallen. Mangels Serverfreischaltung konnten wir den Online-Modus leider noch nicht testen. Neu ist der Online-Koop-Modus für Matches 2 vs. 2 und 3 vs. 3.

  • Thomas Szedlak""Pro Evolution Soccer 2018 bietet enorm viele taktische Möglichkeiten""
  • Mit PES 2018 geht Konami ein kleines Risiko ein, da unter den Veränderungen die Zugänglichkeit etwas leidet. Ich kann aber nur jedem empfehlen, nicht gleich nach wenigen (erfolglosen) Matches die Kickstiefel an den Nagel zu hängen. Dank des veränderten Dribblings, den neuen Standardsituationen und der taktischen Vielfalt gibt es unheimlich viele Möglichkeiten, sein Spiel besser und besser werden zu lassen. Und die Befriedigung ist umso größer. Auch gibt es kein Allheilmittel, sondern man muss sich auf jeden Gegner neu einstellen und vielleicht sogar während des Spiels alle taktischen Überlegungen über den Haufen werfen und was anderes ausprobieren. Sowas motiviert mich extrem! Beim "Drumherum" bemüht sich Konami, das Beste aus der Lizensituation zu machen. Die Partnerteams sind sehr akkurat eingebaut, aber dass die Bundesliga fehlt, schmerzt. Und als bekennender Fan des Story-Modus von FIFA finde ich den Werde-zur-Legende-Modus von PES mittlerweile ziemlich langweilig.

Pro Evolution Soccer 2018 (PS4)
  • Spielspaß
  • 88 %
Grafik
9/10
Sound
6/10
Multiplayer
9/10
Pro & Contra
Sehr realistisch und motivierend
Verbesserte Körperphysik macht es etwas einfacher, den Verteidiger auszudribbeln
Extrem umfangreicher Strategiepart, der auch wirklich was bringt
Neue Standardvarianten
Torwart lässt sich jetzt vor dem Freistoß steuern
Klasse Stadionatmosphäre bei den Partnerteams (Barca, BVB ...)
Spielt sich leicht träger als der Vorgänger
Kommentar immer noch schlecht
Nur drei deutsche Vereinsmannschaften (BVB, Schalke 04, RB Leipzig)
Kein vollwertiger Story-Modus
Fazit
Extrem motivierende Fußballsimulation – der noch höhere Realitätsgrad geht etwas zu Lasten der Zugänglichkeit.

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