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Endgame-Grind & Lootbox-Hype: Der bizarre Schlussakt von Mittelerde 2

Mittelerde: Schatten des Krieges hat ein Problem mit seinem Endgame. PC Games beleuchtet parallel zum Test, warum sich Monoliths Action-Adventure im vierten Akt namens "Schattenkriege" plötzlich wie ein ganz anderes Spiel anfühlt - und was Mikrotransaktionen und Lootboxen damit zu tun haben.

7 Bilder Publisher Warner Bros. Interactive reibt sich die Hände: Das Endgame von Mittelerde: Schatten des Krieges verführt zum Lootbox-Kauf. Publisher Warner Bros. Interactive reibt sich die Hände: Das Endgame von Mittelerde: Schatten des Krieges verführt zum Lootbox-Kauf. [Quelle: PC Games]

Mittelerde: Schatten des Krieges bietet 20 bis 30 Stunden gute Unterhaltung; die Spielzeit ist gefüllt mit Haupt- und Nebenmissionen, dem Finden von Sammelgegenständen und dem Umpolen von Orks im Rahmen des Nemesis-Systems. Doch dann kommt Akt 4 von Middle-Earth: Shadow of War, die "Shadow Wars" oder "Schattenkriege". Und dieser als Endgame positionierte Inhalt ist nicht nur grundsätzlich öde - er soll auch ganz offensichtlich möglichst viele Spieler zum Kauf von Lootboxen im Ingame-Shop verführen. Denn nur wer sich durch die Schattenkriege von Mittelerde: Schatten des Krieges (jetzt für 46,98 € kaufen) kämpft, bekommt die wahre Endsequenz zu sehen. Wir finden: Das ist ein Problem.

Achtung: Der folgende Artikel enthält leichte Spoiler zur Struktur des Endgames. Wir verraten aber keine handlungsrelevanten Details zur Story!

Mittelerde: Schatten des Krieges - So funktionieren die Schattenkriege

      

Die letzte reguläre Story-Mission endet mit einem Cliffhanger: Das weitere Schicksal von Held Talion und Geisterbegleiter Celebrimbor wird offen gelassen, nachdem zuvor eine überraschende Wendung stattgefunden hat. Es ist das typische Ende eines Spiels, bei dem der Entwickler bereits Pläne für den Nachfolger in der Schublade hat. Doch dann geht das Spiel einfach weiter: Eine Einblendung informiert euch darüber, dass jetzt "Akt 4: Die Schattenkriege" beginnen. Zwischensequenzen oder Dialoge sind ab sofort nicht mehr im Spiel zu finden, den nächsten Auftrag wählt ihr aus einer schnöden Liste.

Was am Ende der Schattenkriege auf Spieler wartet, das verrät Mittelerde: Schatten des Krieges nicht. Für unseren Test haben wir sie dennoch geflissentlich durchgespielt - aber nur weil wir anhand eines Preview-Events wussten, dass dieser Epilog die Story fortführt. Ingame gibt es darauf keinen Hinweis, auch nicht in der schlichten Textbox, die den vierten Akt einleitet.

Aufgeteilt in 10 Episoden sind nunmehr 20 Burgen zu verteidigen - dabei handelt es sich aber nicht um 20 individuelle Festungen, sondern immer wieder um die vier gleichen (die fünfte im Spiel enthaltene Region nimmt nicht an den Schattenkriegen teil). Ergo kämpft ihr in jedem Gebiet insgesamt fünf Mal - allein deshalb spielen sich die Belagerungen extrem ähnlich. Auch die Taktiken der KI-Gegner verändern sich kaum, weshalb schnell ein Gefühl der Einöde entsteht: "Habe ich das nicht eben schon mal gespielt?", fragt man sich automatisch. Und tatsächlich, kaum ist eine Episode abgeschlossen, kehrt man schon wieder zu der Burg zurück, die man eben noch verteidigt hat. Abwechslung gleich Null.


7 Bilder Obwohl Mittelerde: Schatten des Krieges fünf Regionen besitzt, werden in den Schattenkriege nur Kämpfe um vier Burgen geführt - jeweils fünf Mal. Obwohl Mittelerde: Schatten des Krieges fünf Regionen besitzt, werden in den Schattenkriege nur Kämpfe um vier Burgen geführt - jeweils fünf Mal. [Quelle: PC Games]
Bei jeder Belagerung gilt es, zwei bis drei Gegnerwellen aufzuhalten. Wie viele der ewig respawnenden Fußsoldaten ihr abmurkst, spielt keine Rolle. Es zählen nur die gegnerischen Ork-Hauptlinge, die versuchen, mehrere Flaggenpunkte in der äußeren und inneren Burg unter ihre Kontrolle zu bekommen. Mit jedem eroberten Flaggenpunkt wird ein Teil der äußeren Festungsmauer gesprengt und weitere Häuptlinge gesellen sich zu der Angriffsstreitmacht. Diese haben oftmals auch noch mehrere Leibwächter in Form von nur unwesentlich schwächeren Ork-Hauptmännern dabei.


7 Bilder Grundsätzlich macht das Umpolen der feindlichen Orks viel Spaß. Im Endgame von Middle-Earth: Shadow of War übertreibt es Monolith aber. Grundsätzlich macht das Umpolen der feindlichen Orks viel Spaß. Im Endgame von Middle-Earth: Shadow of War übertreibt es Monolith aber. [Quelle: PC Games]
Auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad dauerte in unserem Mittelerde: Schatten des Krieges-Test eine solche Schlacht stets an die 30 Minuten. Der Zeitaufwand kann sich verlängern, wenn die Angreifer in die innere Burg vordringen und alle Kontrollpunkte erobern oder Talion während der Belagerung stirbt. Dann übernimmt nämlich einer der feindlichen Ork-Häuptlinge die Rolle des Oberherrn und der Spieler muss die Festung anschließend wieder zurückerobern.

Wurde ein Angriff erfolgreich abgewehrt, gibt es zur Belohnung XP und Items von den erschlagenen Hauptmännern und Häuptlingen, aber es fehlt jede Art der pompösen Inszenierung, die den Rest des Spiels ausmacht. Eine schnöde Kamerafahrt auf der Übersichtskarte, die beim Abschluss einer Episode auf die nächsten Angriffsziele hinweist (die ja wie erwähnt immer dieselben sind), ist schon das höchste der Gefühle. Allein dieser Bruch macht aus den Schattenkriegen in Akt 4 bereits ein ganz anderes Erlebnis im Vergleich zur Hauptkampagne. Der Epilog wirkt wie ein Anhängsel, lieblos hingeklatscht und mit so wenig Aufwand wie möglich umgesetzt.

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