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Life is Strange: Before the Storm - 1. Episode "Awake" im Test

Der Auftakt von Life is Strange: Before the Storm überzeugt im Test mit der typischen Atmosphäre, den großartigen Charakteren und tollen Dialogen. Den Entwickler von Deck Nine gelingt ein würdiger Auftakt zur Prequel-Geschichte rund um die Freundschaft zwischen Chloe Price und Rachel Amber.

13 Bilder Life is Strange: Before the Storm - Episode 1 'Awake' im Test. (9) Life is Strange: Before the Storm - Episode 1 "Awake" im Test. (9) [Quelle: PC Games]

Im Vorfeld gab es viele Zweifel, ob das "Before the Storm"-Prequel zu Life is Strange überhaupt in irgendeiner Form in der Lage ist, mit dem ersten Spiel mitzuhalten. Ein völlig neuer Entwickler, der Verzicht auf die Zeitreise-Komponente, ein Umfang von nur drei Episoden und die komplette Neubesetzung des Synchronsprecher-Casts schürten verschiedene Zweifel. Wie sich jedoch herausstellt, ist es Deck Nine tatsächlich gelungen, den Geist von Life is Strange auch trotz dieser Veränderungen beizubehalten. Während der gut drei Stunden, die wir mit der ersten Episode im Test verbracht haben, fühlten wir uns direkt wieder heimisch in Arcadia Bay.

Unheimlich sympathisch

      


13 Bilder Chloe hat keine gute Beziehung zu ihrer Mutter Joyce, da sie mit ihrer Wahl von David als neuen Lebensgefährten nicht einverstanden ist. Chloe hat keine gute Beziehung zu ihrer Mutter Joyce, da sie mit ihrer Wahl von David als neuen Lebensgefährten nicht einverstanden ist. [Quelle: PC Games]
Before the Storm versetzt uns drei Jahre vor die bereits bekannten Ereignisse in das Leben von Chloe Price. Die 16-Jährige rebelliert gegen alles und jeden. Vor zwei Jahren ist ihr Vater gestorben, ihre beste Freundin Max lebt seit einigen Monaten nicht mehr in der Stadt und reagiert auch nicht auf Chloes verzweifelte Kontaktversuche. Zu allem Überfluss fängt ihre Mutter Joyce auch noch eine Beziehung mit dem arbeitslosen Kriegsveteranen David an, der nach und nach alles aus dem Haus verdrängt was an ihren Vater erinnert. Chloe kann mit diesen drastischen Veränderungen in ihrem Leben nicht umgehen, fängt an die Schule zu schwänzen und sich nachts auf illegale Konzerte zu schleichen.

In dieser schweren Zeit lernt sie Rachel Amber kennen, die das komplette Gegenteil von Chloe ist. Die Musterschülerin an der Blackwell Academy ist bei allen beliebt. Durch Schicksal oder glückliche Fügung finden diese beiden Charaktere zusammen, und es entsteht schnell eine ganz besondere Beziehung zwischen ihnen. Entsprechend geht es in einem Großteil der ersten Episode darum, wie sich Rachel und Chloe näherkommen.


13 Bilder Rachel ist ein wunderbarer Charakter und es fällt nicht schwer zu verstehen, warum sie bei jedem beliebt ist.. Rachel ist ein wunderbarer Charakter und es fällt nicht schwer zu verstehen, warum sie bei jedem beliebt ist.. [Quelle: PC Games]
Dabei macht das Spiel besonders bei der Vermittlung von Rachels Charakter einen verdammt guten Job.

Ihre offene und unaufgeregte Art macht schnell deutlich, warum sie so beliebt ist - und auch als Spieler kommt man nicht umhin, sie schnell ins Herz zu schließen. Es tut fast ein bisschen weh, einen so liebenswerten Charakter kennen zu lernen, wenn man ihr unausweichlich tragisches Schicksal bedenkt. Dadurch, dass Rachel in Life is Strange selbst nie zu sehen war, umwehte sie immer etwas Mystisches. Before the Storm schafft es diese Aura, auch nachdem wir sie kennen gelernt haben, aufrecht zu erhalten. Es bleibt stets das Gefühl, noch längst nicht alle Facetten ihres Charakters gesehen zu haben.

Die ersten 25 Minuten im Video

      

Dialog-Künstler

      

Auch wenn das Prequel nur aus drei Episoden bestehen wird, bricht keine Hektik aus. Before the Storm ist ein eher gemächliches Spiel, das sich Zeit nimmt. Wie im Vorgänger gibt es an den verschiedenen Schauplätzen viel zu entdecken. Dabei werden jetzt gelegentlich auch Events ausgelöst, die zu interessanten Zwischensequenzen und Dialogen führen. Gründliches Erkunden lohnt sich also. An verschiedenen Orten kann sich auch Chloe einfach mal hinsetzen und über ihr Leben sinnieren. Klassische Adventure-Rätsel gibt es nicht zu lösen, stattdessen ist eher euer Sprachtalent in den Dialogen gefragt.


13 Bilder Beim sogenannten Backtalk müsst ihr die Aussagen der Gesprächspartner gegen sie verwenden. Beim sogenannten Backtalk müsst ihr die Aussagen der Gesprächspartner gegen sie verwenden. [Quelle: PC Games]
Anders als Max geht Chloe nämlich ohne Netz und doppelten Boden in ihre Gespräche. Wenn sie ihr loses Mundwerk mal wieder in die Bredouille gebracht hat, kann sie nicht einfach die Zeit zurück drehen, sondern muss mit den Konsequenzen leben. So speziell dieses Element im Vorgänger auch war, hat es doch ein wenig den Druck von den eigenen Entscheidungen genommen. Jetzt will jede Entscheidung gut überlegt sein. Um in brenzligen Situation die Oberhand zu behalten, kann Chloe allerdings auf ein spezielles Dialog-System zurückgreifen, das Backtalk (Widerrede) genannt wird.

Dabei kann sie die Aussage ihres Gesprächspartners gegen ihn verwenden. Dazu müsst ihr genau auf das achten, was gesagt wird, und in der folgenden, zeitlich begrenzten, Dialogauswahl eine Antwort wählen, die bestimmte Worte aus dem Gespräch wieder aufgreift. Am Anfang des Spiels liefert sich Chloe zum Beispiel ein Wortgefecht mit einem Türsteher. Sobald dieser im Gespräch die Teenagerin als Girly bezeichnet, könnt ihr mit seinem mit Blümchen verzierten Motorrad kontern. Setzt Chloe mehrere dieser Widerreden richtig ein, behält sie in der verbalen Auseinandersetzung die Oberhand. Einige Dialogoptionen wie das erwähnte Motorrad stehen allerdings nur zur Auswahl, wenn ihr das Bike vor dem Dialog auch betrachtet habt. Ein weiterer Grund, sich immer gründlich umzuschauen.

Stilsicher

      
Sprachversionen:
Das Spiel gibt es nur mit englischer Sprachausgabe. Menütexte und Untertitel lassen sich aber auch auf Deutsch einstellen.

Ob es jedoch immer sinnvoll ist, Chloes großes Mundwerk zum Einsatz zu bringen, kommt auf die Situation an. Möglicherweise ist es manchmal für spätere Ereignisse ratsam, weniger aggressiv vorzugehen. In diversen Dialogen zeigt das Spiel an, dass sich daraus später Konsequenzen ergeben. Entscheiden wir uns zum Beispiel auf der Party zu Beginn des Spiels Gras zu kaufen, ist späterer Ärger quasi schon vorprogrammiert. Aber ist Chloe das nicht im Grunde scheißegal? Das müssen die Spieler entscheiden.

Stilistisch bleibt Before the Storm dem Universum bis in die letzte Faser treu. Der verwaschene Aquarell-Look ist geblieben. Verbessert haben die Entwickler dagegen die Charaktermodelle, die jetzt deutlich mehr Emotionen zeigen. Allerdings wirken die Bewegungen in manchen Situationen immer noch etwas steif. Die besondere Atmosphäre der Optik wird auch diesmal wieder von einem herrlichen Soundtrack untermalt. Die Mischung aus instrumentalen Klängen, den speziell fürs Spiel geschriebenen Songs der britischen Indie-Band Daughter und einigen lizenzierten Stücken passt wunderbar zur jeweiligen Stimmung.

Meinung und Wertung

      
  • Matthias Dammes"„Sehr gelungener Auftakt zum Prequel.“"
  • Da wir keine Testversion vor dem Release erhalten haben, saß ich genau wie alle anderen am Vorabend des Releasetages vor dem Countdown und habe dem Freischaltzeitpunkt entgegen gefiebert. Als die Uhr Mitternacht erreichte, vergingen keine zwei Sekunden bis ich das Spiel startete. Life is Strange war mein Spiel des Jahres 2015 und ich konnte es nicht erwarten endlich wieder in dieses Universum zurückzukehren. Bereits im Hauptmenü fühlte es sich wie ein "nach Hause kommen" an. Umso mehr hat es mich gefreut, dass mich das Spiel in den folgenden etwas mehr als drei Stunden auch nie enttäuscht hat. Es war mitten in der Nacht und es war mir scheißegal, so sehr hat es mich wieder in seinen Bann gezogen. Ich war häufig sogar richtig hin und weg. Sei es wegen grandiosen Randereignissen, die ich euch hier natürlich nicht spoilern will, oder wegen Rachel. Ihre Charakterzeichnung hat mir wirklich unheimlich gut gefallen. Ich hoffe, darauf können die nächsten beiden Episoden aufbauen. Natürlich hat auch Before the Storm rein aufs Gameplay bezogen spielerisch kaum etwas zu bieten. Es macht aber genau wie der Vorgänger seine Sache hier immerhin noch deutlich besser als die Telltale-Spiele. Mir persönlich kommt es aber eh nur auf die hervorragenden Charaktere und die toll geschriebenen Dialoge an.


Life is Strange: Before the Storm (PC)
  • Spielspaß
  • 85 %
Grafik
-
Sound
-
Multiplayer
-
Life is Strange: Before the Storm (PS4)
  • Spielspaß
  • 85 %
Grafik
-
Sound
-
Multiplayer
-
Pro & Contra
wunderschöne Atmosphäre
spannende Charaktere
einzigartiger Aquarell-Stil
gut geschrieben Dialoge
schwierige Entscheidungen
Backtalk-Feature
toller Soundtrack
gelegentlich etwas steife Bewegungen
spielerisch kaum Herausforderungen
keine deutsche Sprachausgabe



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