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Lawbreakers im Test mit Video-Review: Der Shooter, den keiner spielt - zu Recht?

Lawbreakers soll Arena-Shooter à la Quake und Helden-Action wie in Overwatch zusammenführen. Doch Cliff Bleszinskis neues Multiplayer-Geballer legt einen desaströsen Launch auf PC & PS4 hin; die Spielerzahlen sind im Keller. Der Test samt Video erklärt, warum Overwatch-Entwickler Blizzard weiterhin ruhig schlafen kann.

11 Bilder Die neun Klassen werden gespiegelt; die zwei Fraktionen 'Laws' und 'Breakers' unterscheiden sich nur in der Optik. Die neun Klassen werden gespiegelt; die zwei Fraktionen "Laws" und "Breakers" unterscheiden sich nur in der Optik. [Quelle: PC Games]

Im Millionengeschäft Multiplayer-Shooter will 2017 jeder ein Stück vom Kuchen. Für Lawbreakers - das zeigt der Test - bleibt da wenig übrig: Das neue Spiel von Cliff "Cliffy B." Bleszinski muss sich gegen Konkurrenten wie Overwatch und Quake Champions behaupten. Im Vergleich zieht Lawbreakers dabei nicht nur in unserem Video-Review und bei der Wertung den Kürzeren; auch in Sachen Spielerzahlen sieht es zum Launch des Online-Shooters düster aus.

Lawbreakers Review: Belangloses Design

Lawbreakers setzt ausschließlich auf Partien 5v5, ähnlich wie in einem MOBA. Einen Solomodus gibt es nicht, von einer Hintergrundgeschichte fehlt ebenfalls jede Spur. In den Online-Partien verkörpert ihr einen von 18 Soldaten, aufgeteilt auf neun Klassen; zwei Vertreter einer Klasse unterscheiden sich nur im Aussehen, dem Geschlecht und welcher Fraktion sie angehören. Die Lawbreaker-Pappkameraden als Charaktere oder gar Helden zu bezeichnen, wäre übertrieben: Gerade im Vergleich zum munter vor sich hin brabbelnden Overwatch-Cast oder auch der bunten Battleborn-Truppe wirken die Lawbreakers-Soldaten eintönig, langweilig und unpersönlich.

Sie reihen sich damit gut ins generelle Design ein, das typische Science-Fiction-Elemente zu einem schnell vergessenen Brei aus Grau und Braun vereint - die acht Maps des Spiels bleiben einem abseits abgegrenzter Zonen mit niedriger Gravitation nicht nachhaltig in Erinnerung, sieht ja schließlich alles irgendwie gleich aus. Auch bei den fünf Spielmodi gibt es so einige Parallen: Zwei Domination-Varianten mit zu kontrollierenden Zielpunkten stehen zwei Modi gegenüber, bei denen die Teams eine Batterie oder einen Funksender von der Mitte der Karte in die eigene Basis tragen und dort eine gewisse Zeit lang verteidigen müssen.


11 Bilder Als Assassine ist man in Lawbreakers dank Greifhaken extrem flink unterwegs - zu flink für die geringe Kartengröße. Als Assassine ist man in Lawbreakers dank Greifhaken extrem flink unterwegs - zu flink für die geringe Kartengröße. [Quelle: PC Games]
Blitzball bricht aus dem Schema aus: In dieser Football-Variante geht es darum, einen sprechenden Ball in die Basis des Gegners zu bugsieren und dort ein Tor zu erzielen - passen nicht erlaubt, beim Tod des Trägers wird der Ball fallen gelassen. Ein Schild verhindert, dass man das Spielgerät sofort wieder aufnimmt, außerdem wird der Ball nach Ablauf der Wurfuhr zurück in die Mitte der Map teleportiert. Eine spaßige Abwechslung, möchte man meinen, in der Praxis aber viel zu hektisch und ratz-fatz vorbei. Denn weil die Karten ausnahmslos sehr klein daherkommen und viele Klassen über eine extrem hohe Geschwindigkeit verfügen, kommt es statt zu taktischen Spielzügen ausschließlich zu blitzartigen Sturmläufen, bei denen von Ballaufnahme bis Torerfolg im schlimmsten Fall gerade mal drei Sekunden vergehen. Das macht die Partien sehr einseitig, wenn einer der Spieler mit Charakteren wie Phantom oder Assassine umzugehen weiß. Ein generelles Problem von Lawbreakers; das Balancing ist nämlich verbesserungswürdig.

Patches benötigt!

Lawbreakers dreht sich komplett um schnelle Action, daher sind langsame Figuren klar im Nachteil; sie werden von den schnelleren, teils fliegenden Klassen regelmäßig ausgetanzt. Der Knackpunkt daran: Diese flinken Charaktere verursachen auch noch übermäßig viel Schaden und besitzen kaum weniger Lebenspunkte als ein dicker Tank; Lawbreakers TTK (Time to Kill, die Zeit, bis ein Gegner bei kontinuierlichem Beschuss den Löffel abgibt) ist vergleichsweise hoch, das will nicht so recht zum skillbasierten Gameplay passen. Teamwork ist in den 5v5-Gefechten nur selten zu beobachten, da jede Klasse vorrangig auf Schaden ausgerichtet ist und somit zu Alleingängen ermuntert. Allerdings sind die schnellen Figuren wie das Phantom aktuell eindeutig zu stark; ein erfahrener Spieler kann mit diesem über dem Boden schlitternden Messerträger ganze Partien dominieren - ein verlässliches Gegenmittel für langsamere Charaktere gibt es nicht.

Der einzige Heiler im Team von Lawbreakers wirkt seltsam deplatziert, seine Heilfunktion ist umständlich und ineffektiv. Wie in Quake und UT gibt es keine automatisch regenerierende Lebensenergie, stattdessen sammelt ihr Medkits ein oder wartet sekundenlang in einer Heilungsstation darauf, dass die Gesundheit wiederhergestellt wird. Aufsammelbare Waffen fehlen dagegen; Lawbreakers setzt trotz der Rückbezüge auf die alten Arena-Shooter keinen Wert auf klassische "Map Control". Ebenso fehlen typische Modi wie (Team-)Deathmatch oder Capture the Flag (CTF).


11 Bilder Die Roboterklasse erzeugt Energiewände. Die eignen sich gut zum Sichern bestimmter Routen. Die Roboterklasse erzeugt Energiewände. Die eignen sich gut zum Sichern bestimmter Routen. [Quelle: PC Games]
Lawbreakers Technik ist durchdachter. Die verwendete Unreal Engine 4 liefert eine gute Performance; auf zwei unterschiedlichen PCs (darunter ein angestaubter Core i5 4690 mit 3,5 GHz, 8 GB RAM und Geforce GTX 970) erzielten wir in Ultra-Details stets flüssige 60 Fps. Auch wenn es keine Dedicated Server gibt, hatten wir bei den Multiplayer-Matches während des Tests nie mit hohen Pings oder Verbindungsproblemen zu kämpfen. Nur einmal wollte ein Match partout nicht starten und blieb endlos in der Lobby hängen. Im Normalfall vergeht vom Klick auf das Matchmaking im Hauptmenü zum Spielstart aber nur rund eine Minute.

Auf Dauer ärgerlich: Es gibt keine Möglichkeit, die Wahl des Spielmodus einzugrenzen, ihr werdet zufällig in eine der fünf Varianten geschmissen; vermutlich eine Vorsichtsmaßnahme, um die kleine Community nicht noch weiter aufzuspalten.

Lawbreakers im Test: Besser als Free2Play-Spiel?

Der Kaufpreis des Online-Shooters beträgt auf PC und Playstation 4 29,99 €, dennoch gibt es einen Ingame-Shop mit Mikrotransaktionen. Der funktioniert genau wie im Vorbild Overwatch: Es gibt keine Gameplay-relevanten Inhalte zu kaufen, sondern ausschließlich kosmetischen Krimskrams wie Skins. Mit jedem Levelaufstieg erhaltet ihr eine Lootbox, die vier Gegenstände in fünf unterschiedlichen Seltenheitswerten enthält; welche Items ihr erhaltet, hängt vom Zufall ab. Wer über das nötige Kleingeld verfügt, erwirbt in Lawbreakers zusätzliche Lootboxen: Das teuerste Angebot bietet 50 Stück für 39,99 €.


11 Bilder Die neun Klassen werden gespiegelt; die zwei Fraktionen 'Laws' und 'Breakers' unterscheiden sich nur in der Optik. Die neun Klassen werden gespiegelt; die zwei Fraktionen "Laws" und "Breakers" unterscheiden sich nur in der Optik. [Quelle: PC Games]
Womöglich wäre Publisher Nexon aber besser beraten gewesen, komplett auf die Free2Play-Schiene zu setzen. Der vergeichsweise hohe Kaufpreis könnte sich als Achillesferse für einen nur durchschnittlichen Ego-Shooter erweisen, der aktuell an einem massiven Spielerschwund im Vergleich zu Lawbreakers Beta-Test krankt. Wir befürchten, dass Nexon aufgrund dieser enttäuschenden Zahlen schon bald den Stecker zieht - und den Entwickler um Cliff Bleszinski nicht genug Zeit gibt, um die Mängel des Spiels per Update zu beheben.

Der Lawbreakers-Release erfolgte am 8. August 2017 für PC und PS4, zum Preis von knapp 30 Euro. Boss Key Productions setzt auf Steam als Kopierschutz und DRM-Maßnahme.

  • Peter Bathge""Als Free2Play-Spiel wäre es eine Überlegung wert, für 30 Euro ist Lawbreakers aber zu durchschnittlich.""
  • Lawbreakers steckt in der Klemme: Einerseits will es in der Tradition von Oldschool-Arena-Shootern stehen, andererseits möchte man die Overwatch-Klientel für sich begeistern. Letztlich scheitert das Spiel von Cliffy B. in beiden Belangen, weil es sich zum einen klassischen Spielmodi wie Deathmatch und CTF verschließt sowie keinen Wert auf Map Control legt und zum anderen ein überaus belangloses Helden- und Map-Design auffährt, über das jeder Blizzard-Praktikant die Nase rümpfen würde. Für ein paar rasante Partien taugt Lawbreakers zwar alle Mal, aber Interessierte sind besser beraten, auf das ungleich vielversprechendere Quake Champions zu warten. Bis das erscheint, dürfte die aktuelle Mini-Spielerbasis von Lawbreakers ohnehin schon weitergezogen sein.


LawBreakers (PC)
  • Spielspaß
  • 68 %
Grafik
-
Sound
-
Multiplayer
-
LawBreakers (PS4)
  • Spielspaß
  • 68 %
Grafik
-
Sound
-
Multiplayer
-
Pro & Contra
Transmitter-Modus macht viel Spaß
Hohes Tempo und viel Mobilität fordern auch Profis
Schwerelosigkeit als ungewöhnliches taktisches Element
Effektgewitter bei flüssiger Performance
Interessante Spezialfähigkeiten
Ingame-Shop enthält nur kosmetische Upgrades (kein Pay2Win)
Klassen-Balance verbesserungswürdig
Keine Modi-Wahl bei Matchmaking
Kein (Team-)Deathmatch, kein CTF
Karten für manche Modi zu klein
Überwiegend austauschbare Helden ohne Charme
Wenig spektakuläres Map-Design

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