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Koudelka: Entäuschend! - Leser-Test von HALLofGAME


1 Bilder Koudelka: Entäuschend! - Leser-Test von HALLofGAME
Ein Rollenspiel ohne die sonst üblichen japanischen Knuddelköpfe, angesiedelt im England der Jahrhundertwende. Dazu eine sexy Hexe inmitten eines Gothic-Horror Abenteuers, erschaffen und auf 4 CD's gebannt von ehemaligen Squaresoft Leuten: Kann es Schöneres geben?

Es kann! Leider! Denn auf dem Papier hat Koudelka tatsächlich alles, was ein Spitzenspiel in der Blütezeit der PSone Ära ausmacht, aber eben nur auf dem Papier. Dreht sich Sacnoth's PlayStation RPG-Debüt erst mal im Laufwerk, erlebt man nicht mehr als ein Lehrstück zum Thema "Wie versaut man leichtfertig einen potentiellen Hitkandidaten"!

An Halloween 1898 betritt der Spieler in Begleitung der jungen Hexe Koudelka die vorgerenderte und verwunschene Nemeton Monestary, ein ehemaliges Kloster. Nicht lange und um die Heldin hat sich eine dreiköpfige RPG-Party gebildet, die in der Kombination Hexe, Dieb und Priester nicht nur für die nötige Kampfkraft, sondern auch für so manchen witzigen Dialog sorgt.

Bei den Erkundungsgängen bleiben die beiden Begleiter allerdings immer unsichtbar, genau wie übrigens auch die Gegner des Heldentrios. Zwar hat Sacnoth für eine in Umfang und absonderlicher Vielfalt fast schon einmalige Gegnerschar gesorgt, in den vorgerenderten Kulissen zeigen sie sich aber einfach nicht.
Erst wenn Koudelka in einen (oder mehrere) der unsichtbaren Plagegeister hineingelaufen ist, schaltet das Spiel in den Kampfmodus um und offenbart, wer oder was nach den Healthpoints der Figuren trachtet.

Einmal im Kampfmodus angekommen, beginnt das nackte Grauen. Nur leider deutlich anders als beabsichtigt! Schon die Kampfarena steht in krassem Widerspruch zur stimmungsvollen Optik des Klosters und den guten (und zahlreichen) Videosequenzen: ein schachbrettartiges tristes Etwas, dass noch dazu im dunklen Nichts schwebt und optisch rein gar nichts zu bieten hat. Bevölkert wird diese Zumutung von Figuren, die allesamt noch einen Schluck aus der Polygon-Pulle gebraucht hätten, musikalisch untermalt von einem einzigen, zu kurzen und sich immer wiederholenden Musikstück (immerhin komponiert von Hiroki Kikuta, dem Schöpfer des Secret of Mana-Soundtracks).

Die eigentlichen Kämpfe fügen sich nahtlos in das entäuschende Bild ein. Weder stimmt der Schwierigkeitsgrad -über weite Strecken der ersten beiden CD's lassen sich die Gegner durch die Bank besiegen, ohne das sie der Party je wirklich gefährlich werden-, noch die gesamte Spieldynamik. Schon nach relativ kurzer Zeit klickt man sich ziemlich lustlos durch die Auseinandersetzungen. Obwohl die Kämpfe von wenigen Effekten abgesehen genauso dünn sind, wie die Ausarbeitung und Animation der Figuren und der Kampfschauplatz, werden Sie trotzdem immer wieder von lästigen Ladepausen zusätzlich verlangsamt.

Auch der eigentliche RPG-Anteil des Spiels wird erfahrene Rollenspieler nicht trösten. Zwar dürfen nach den meißten Kämpfen immerhin acht Charakterwerte mittels gewonnener Punkte aufgebaut werden und auch mit den Waffen lässt sich RPG-typisch verfahren. Im Spiel stellt sich das aber definitiv als entäuschend wenig für ein RPG heraus, zumal der ganze innere Zusammenhang von Werten und Möglichkeiten und Wechselwirkungen , schlecht dokumentiert und nur schwer zu durchschauen ist.

Koudelka ist von allem ein bißchen, aber nichts davon ist wirklich richtig gelungen: Wo dem einen der Rollenspielpart zu dünn ist, wird der andere entäuscht sein von den bescheidenen Adventureelementen oder den dürftigen Kämpfen. Vielleicht hätten die ehemaligen Sqauresoft-Leute auch einen Experten für richtig ausbalancierte Spiele zu Sacnoth mitnehmen sollen, daran kann bei Square eigentlich kein Mangel herrschen. Angesichts der starken Rollenspielkonkurrenz auf der PlayStation (hauptsächlich, aber nicht nur durch Ex-Arbeitgeber Sqauresoft) wird mir Koudelka wohl für immer als eine der größten Entäuschungen dieser Zeit in Erinnerung bleiben. Schade drum!

Negative Aspekte:
Steuerung, Sound und Kämpfe

Positive Aspekte:
Stimmungsvolle Locations und gelungene Story

Infos zur Spielzeit:
HALLofGAME hat sich 20-100 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

  • Spielspaß Gesamtwertung-
    Wertung von:
    HALLofGAME
  • 5.2%
  • GAMEZONE MOBILE
    Spielspaß-Wertung
  • -
  • Spielspaß (Multiplayer): 0.0/10
    Grafik: 7/10
    Steuerung: 7/10
    Sound: 3/10
    Atmosphäre: 4/10
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