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Harry Potter und der Stein der Weisen: Nix für die großen Fans - Leser-Test von Berte


1 Bilder Harry Potter und der Stein der Weisen: Nix für die großen Fans - Leser-Test von Berte
War ja eigentlich nur eine Frage der Zeit bis das zum Potter-Wahn dazugehörige Computerspiel erschien. Und nimmt man's ganz genau, dann nicht einmal das, denn das Spiel kam zeitgleich mit dem aktuellen Blockbuster in die Läden. „Electronic Arts“ kam angesichts des gigantischen Fan-Kreises doch recht anspruchsvolle Aufgabe zu, den Mini-Magier als Polygonhelden lebendig werden zu lassen.

Das Spiel hält sich von Anfang bis Ende absolut an die Filmvorlage (nicht die Buchvorlage, aber dazu später!). Allerdings wurden nicht alle Teile des Filmes auch umgesetzt. Viele (die meisten) Szenen fehlen komplett, bei den übrigen wurde stark gekürzt, um den Rahmen nicht zu sprengen. Meiner Meinung nach wurde hier allerdings zu krass gekürzt. Die Entwicklung stand wohl unter ziemlich großem Termindruck.
Die Anfangssequenz bei den Dursley's besteht aus einem Vorspann, den der Spieler nur passiv erlebt. Genau wie die Endsequenz besteht diese aber nicht etwa aus tollen FMV-Sequenzen, sondern einfachen Comic-Zeichnungen, die noch dazu nahezu farblos. Und als wäre das noch nicht fad genug, wird auch noch mit einem Tempo durch die Geschichte gesprungen, dass eine umfangreiche Kenntnis der Story Grundlage des Verständnisses ist. Gerade mal war Harry noch in London, da taucht auch schon Hagrid auf und schwuppdiwupp stehen wir vor den Toren von Hogwarts. Kleine Details, wie der Bahnsteig 9 ¾ oder der sprechende Hut werden von der Stimme aus dem Off kurz angerissen und sofort wieder fallengelassen. Ist der Spieler nach wenigen Minuten dann in Hogwarts angekommen, werden im weiteren Verlauf kleine Stücke der großen Rahmenhandlung herausgeschnitten und zu einer action-(adventure)-typischen Aufgabe verpackt. Beispiel: Norbert der Stachelbuckeldrachen ist noch nicht geschlüpft. Um dies voranzutreiben, muss Harry Feuersamen sammeln. Der Troll im Mädchenwaschraum wurde zu einer Hüpf- und Sprungeinlage verarbeitet. So geht es durch die gesamte Geschichte weiter bis zum Ende. Wer die Geschichte kennt, wird merken, dass die Chronologie beibehalten wurde, allein die Geschichte wurde stark verwässert, verdünnt und bis auf ein Minimum reduziert. Ein schwerer Fauxpas, bedenkt man einmal, dass es gerade die tolle Geschichte war, die Harry berühmt gemacht hat.

Die Anforderungen an den Spieler sind dann auch nicht unbedingt sehr hoch. Zwar kann das Spiel mit einem recht umfangreichen Repertoire an Aufgaben aufwarten, aber der Schwierigkeitsgrad dürfte auch unerfahrene Spieler nicht gerade überfordern. Zumeist gilt es sich in den komplett linearen Leveln zurechtzufinden und nebenbei versteckte Geheimgänge zu entdecken. Harry ist Magier, also braucht es auch ein paar Zaubersprüche. Diese erlernt er in den verschiedenen Unterrichtsstunden durch mehrfaches Nachzeichnen magischer Symbole. Danach werden die Zaubersprüche durch einfachen Knopfdruck aktiviert, und zwar selbständig, je nachdem worauf man zielt. Der Spieler braucht also niemals durchschalten. So können die vielen Schalter aktiviert, Blöcke verschoben oder angehoben, Geheimtüren geöffnet und Gegner ruhig gestellt werden (natürlich wird hier niemand getötet!). Die Gegner selbst verdienen den Namen eigentlich überhaupt nicht. Die meisten davon sind nämlich stationär und können ruhig aus der Ferne bekämpft werden. Die wenigen aktiven Gegner sind winzige Kobolde, die aber einzig darauf aus sind, mir „Berti Bott's Bohnen jeder Geschmacksrichtung“ stehlen, die man praktisch überall sammeln kann und die auch einen weiteren Nutzen haben. Gelegentliche Libellen sind dann auch nicht mehr das Problem. Gegen Ende gibt es dann auch ein paar Szenen mit dem Zauberumhang, in denen es wichtig ist vor dem Hausmeister Filch und seiner Katze unentdeckt zu bleiben.
Ingesamt sind die Level äußerst gegnerarm ausgefallen. Dagegen erwecken viele Hüpfeinlagen den Eindruck, dass das Spiel wohl eher ein 3D-Jump 'n Run ist.

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