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Grim Fandango: Späte Adventure-Perle - Leser-Test von Andy1977


1 Bilder Grim Fandango: Späte Adventure-Perle - Leser-Test von Andy1977
Das dunkle Zeitalter: Es herrscht Chaos und Anarchie. Die Menschen sind verzweifelt, können sich aber nicht gegen die Herrschaft uninspirierter Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie Spiele wehren. Doch da: Ein Licht! Eine Hoffnung! Ein Adventure von LucasArts! Das grinsende Skelett aus Grim Fandango wurde zum Hoffnungsträger vieler Adventure-Fans, zeigt es doch einzigartige Qualitäten, überschattet nur von einem Lapsus.

Der Reihe nach: Sie spielen Manny Calavera und er ist tot. Manny ist sogar schon seit einiger Zeit tot. Jedenfalls muss er aufgrund seiner angeblich verachtenswerten Lebensweise, die er früher geführt haben soll, sein schlechtes Karma abarbeiten. Er arbeitet als Vertreter für das Deptartment of Death und verkauft Seelenreisen ins ewige Reich der Ruhe (oder wie auch immer man das nennen mag, was 'nach' der Reise auf einen wartet). Jeder Tote wird diese Reise früher oder später antreten. So eine Reise dauert in der Regel 4 Jahre, wer aber besonders Anständig war, der kann sich ein Nummer 9-Ticket leisten, wo man nur 4 Minuten reisen muss.
Manny soll auch Mercedes Colomar ein solches Ticket verkaufen. Sie war in Ihrem Leben sehr fromm und dürfte keinerlei schlechtes Karma besitzen. Jedoch fehlt das für sie reservierte Ticket, als ob sie eine große Schuld abzuarbeiten hätte. Mercedes macht sich auf den langen, vierjährigen Weg, doch Manny läßt ihr Schicksal keine Ruhe: Er hat sich insgeheim in sie verliebt und folgt ihr. Zudem versucht er herauszufinden, wieso immer mehr Nummer 9-Tickets spurlos verschwinden, denn Mercedes scheint kein Einzelfall zu sein. Er wird dabei im Laufe des Spieles von Salvador Limones, einem Untergrundkämpfer, der früher auch als Vertreter für das Department of Death gearbeitet hat und Manny von deren falschen Machenschaften überzeugen möchte.

Sie merken schon: Grim Fandango ist 'anders'. Man spielt nicht jeden Tag in einem Totenreich. Dementsprechend sehen die Figuren auch seltsam und skelettartig aus. Das Reich wird zudem von Damönen und Naturgeistern bevölkert, die weder dem Leben noch dem Tod angehören.
Das Totenreich erinnert an eine Mischung aus Mexiko, einem Film Noir und einem Aztekenreich. Die Geschichte selbst erinnert an einen Krimi, der mit einem zynischen und schwarzen Humor verfeinert wurde. Allein Manny ist nicht auf den Mund gefallen.

Bei solch einem Thema kann man sich leicht in Wiedersprüche verwickeln. Doch der Produzent Tim Schafer (vorher verantwortlich für Day of the Tentacle und Full Throttle) hat ganze Arbeit geleistet und sogar den Tod im Totenreich vernünftig erklären können. Ein Toter kann ersprossen werden. Richtig gelesen: Er wird ersprossen und nicht erschossen. Dabei sprießen lauter Blumen aus dem Skelett heraus, welches dieses unbeweglich machen oder sogar sprengen können. Man 'stirbt' quasi, wenn das Leben aus dem toten Körper ersprießt...

Die Krimi-Geschichte ist ebenfalls extrem spannend und logisch erzählt. Sie könnte problemlos in einem Film funktionieren. Das Spiel ist nebenbei erwähnt in vier Kapitel aufgeteilt, zwischen denen jeweils ein Jahr liegt. Im Endeffekt durchlebt auch Manny so seine vierjährige Seelenreise, wenn auch aus anderen Motiven heraus.

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