Login
Passwort vergessen?
Registrieren

20 Jahre Grand Theft Auto: Eine Retrospektive

Zwei Jahrzehnte ist es her, seit der erste Teil von Grand Theft Auto über die Bildschirme flimmerte. Ein guter Zeitpunkt, um inne zu halten und einen Blick zurückzuwerfen. Begleitet uns auf eine Reise durch die gesamte GTA-Serie!

18 Bilder 20 Jahre Grand Theft Auto. 20 Jahre Grand Theft Auto. [Quelle: Rockstar Games]

Grand Theft Auto ist nicht bloß eine Spielereihe, sie ist inzwischen längst ein Stück Popkultur. Mit über 150 Millionen verkauften Exemplaren und über zehn Fortsetzungen auf so gut wie allen Plattformen haben selbst Menschen, die sonst nichts mit Videospielen anfangen können, schon einmal etwas von GTA gehört. Mit einem solchen Erfolg hatte das 1988 gegründete, schottische Studio DMA Design seinerzeit sicher nicht gerechnet.

Bekanntheit erlangen die Entwickler in den 1990er Jahren mit dem Strategie-Plattformer Lemmings. Eigentlich wollen sie als Nächstes bloß ein Multiplayer-Rennspiel erschaffen. Aus dieser Idee entsteht schließlich GTA und DMA Design findet erst später auf Umwegen zum heutigen Firmennamen Rockstar North: Zuerst kauft Gremlin Interactive 1997 das Unternehmen, doch Gremlin wird 1999 von Infogrames geschluckt - die DMA Design noch im gleichen Jahr wiederum an Take-Two Interactive verhökern. Und denen gehören die Publishing-Rechte von GTA ohnehin schon. Seit 2002 sind unter dem Label Rockstar Games bis heute zahlreiche Spiele mit "diesem gewissen, verruchten Gangster-Flair" erschienen. Aufgekaufte Studios, die man zum Beispiel in Rockstar Toronto oder Rockstar Leeds umbenennt, begleiten dabei Rockstar North.

Der Name ist Programm

      

Der Name Grand Theft Auto könnte für die Actionspiel-Reihe nicht passender gewählt sein, denn er bezeichnet den US-amerikanischen Straftatbestand des schweren Kraftfahrzeugdiebstahls. Mit anderen Worten: Auf die Straße laufen, einen Wagen anhalten und den Fahrer hinauszerren, um selbst die Kontrolle über das Fahrzeug zu erlangen. Das ist ein anarchischer Reiz, dem man sich nur schwer entziehen kann. Jedes Spiel der GTA-Reihe versetzt euch in die Rolle eines Verbrechers, der Freiheiten genießt, die im echten Leben einfach unmöglich wären. Drogendeals, Erpressungen und Überfälle sind nur ein kleiner Teil des kriminellen, spielbaren Angebots. Doch am meisten fasziniert die Spieler die Möglichkeit, nach Lust und Laune Chaos zu stiften.

Das erste GTA erscheint 1997 - zu einer Zeit, in der es nicht üblich war, den Bösen zu mimen. Die bunte Welt der Videospiele bietet bis dato hauptsächlich Heldenfiguren mit edlen Absichten, nicht aber Anti-Helden, die durch ihre Skrupellosigkeit ans Ziel kommen. Seit jeher schwingt der Reiz des Verbotenen bei GTA mit. Die Resonanz bei Teenagern, denen der Jugendschutz den Zugang zum Spiel eigentlich verwehren sollte, ist daher entsprechend groß.


18 Bilder London 1961 wurde ausschließlich als Freeware für den PC veröffentlicht. London 1969 hingegen erschien auch für die erste PlayStation, benötigte aber zum Betrieb auch das Hauptspiel. London 1961 wurde ausschließlich als Freeware für den PC veröffentlicht. London 1969 hingegen erschien auch für die erste PlayStation, benötigte aber zum Betrieb auch das Hauptspiel. [Quelle: Rockstar Games]
Ganoven als Verbrecher, eine häufig problematische Darstellung ethnischer Gruppierungen, eine gehörige Portion Sexismus sowie die massive Darstellung von Gewalt: Die satirischen Absichten der Entwickler sind entweder nicht deutlich genug kommuniziert oder von entsprechenden Kritikern schlicht ignoriert. GTA lotet von Anfang an die Grenzen des gesellschaftlich Zumutbaren aus und ist infolgedessen regelmäßig Bestandteil von Kontroversen. Politiker und Wissenschaftler kritisieren die Reihe scharf und vehement, insbesondere, da das Töten von Passanten ihrer Ansicht nach nicht ausreichend von der Spielmechanik bestraft wird. Der Vorwurf des Rassismus entsteht vor allem durch die als komplett kriminell dargestellten ethnischen Gruppen, versehen mit negativen Klischees.

Und wie könnte man die Empörung vergessen, die 2005 die sogenannte "Hot Coffee"-Mod auslöst? Diese macht in GTA: San Andreas ein Sex-Minispiel zugänglich, das bereits fertig geschrieben im Quellcode vorhanden ist. Das führt dazu, dass das Entertainment Software Rating Board (ESRB) die Altersbeschränkung in den USA auf "Adults Only" (AO) hochstuft und die Version im Handel gegen eine korrigierte Fassung austauschen muss. Durchgesetzt hat dies US-Rechtsanwalt Jack Thompson, der generell zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt, da er regelmäßig Klagen gegen GTA und dessen Schöpfer einreicht. Das gefürchtete AO-Rating erhalten normalerweise Medien mit vorwiegend pornografischen Inhalten.

Wie du mir, so ich dir

      

So wie die Popkultur GTA liebt, widmet sich auch die Spielreihe selbst des Öfteren popkulturellen Strömungen und Einflüssen. Zunächst führt der hohe Bekanntheitsgrad von GTA zu zahlreichen Parodien und Huldigungen in den Medien. Eine Werbung von Coca-Cola etwa lehnt sich ästhetisch sehr ans Spiel an, auch wenn der Protagonist letztendlich gute Taten vollbringt. In Late Night Shows wird GTA regelmäßig Bestandteil von Sketches.


18 Bilder Bei London 1969 gab es erste Ansätze für eine Geschichte. Trotz des neuen Anstrichs ist das Spiel der schnellen Action des ersten Teils treu geblieben. Bei London 1969 gab es erste Ansätze für eine Geschichte. Trotz des neuen Anstrichs ist das Spiel der schnellen Action des ersten Teils treu geblieben. [Quelle: Rockstar Games]
Auch in der TV-Serie Die Simpsons gibt's mehrere Verweise auf GTA, wie etwa in ihrer eigenen Spieleadaption von 2007. Darin verehrt Rotzbengel Bart nicht nur dieses ominös nach Vice City aussehende Spiel namens Grand Theft Scratchy. Nein, Marge höchstpersönlich führt eine ganze Traube aggressiver Demonstranten mit Heugabeln und Fackeln an, um gegen diese verrohenden Gewaltspiele zu protestieren! Die Ironie: Marge nutzt hier Gewalt in einem Videospiel, um gegen Gewalt in Videospielen vorzugehen.

Spätestens mit GTA 4 dreht Rockstar den Spieß um und liefert selbst Kommentare auf Probleme und diverse Obskuritäten unseres modernen Lebens. An New York angelehnt, wird aus dem für Büros genutzten MetLife-Gebäude eines mit der Aufschrift "GetaLife". Der Online-Reiseführer des Spiels nennt sich "peepthatshit.com" ("Guck den Scheiß)", der Mordraten von New Yorks Stadtvierteln als Referenz heranzieht. Liberty City wird so als "weltbürgerlicher Mix aus Obdachlosen und Kulturen" bezeichnet. Zahlreiche eigens für das Spiel produzierte TV-Shows persiflieren bekannte Formate. Und wer das Verhalten der Bewohner genau beobachtet, bemerkt die zahlreichen Übertreibungen von echten sozialen Missständen. Diesen Weg verfolgt GTA 5 noch weiter, was die satirischen Absichten der Entwickler doppelt und dreifach unterstreicht. Eine bewusst an Apple erinnernde Firma mitsamt ihren Produkten und Anhängern wird beispielsweise wie eine Sekte dargestellt. Und wer sich mit dem Yoga-Minispiel befasst, dürfte sich fragen, ob die Stellungen nicht eher aus dem Kamasutra stammen.

1997 bis 2001, 2D-Universum: Ursprünge mit Arcade-Flair

      

Bis dato unterscheidet Rockstar bei der GTA-Reihe drei verschiedene Universen: Das 2D-Universum, das 3D-Universum und das HD-4K-Universum. Diese technische Unterteilung ist sehr nüchtern, aber sie hilft, die Haupt- und Nebengeschichten zu ordnen. Verwirrend ist dennoch, dass Rockstar es nicht immer ganz genau damit nimmt. Das Graffiti von El Burro zum Beispiel taucht sowohl in GTA 3 als auch in GTA 4 auf, obwohl sie in unterschiedlichen Universen liegen. Auch Städte wie Liberty City oder einige Brands und Radiostationen sind gleich benannt. Trotzdem gilt: Jede Interpretation in der jeweiligen Technikgeneration steht inhaltlich für sich.

Grand Theft Auto (1997, PlayStation, PC, Game Boy Color):

      

Das erste Grand Theft Auto entwickelt man für MS-DOS-PC sowie die erste PlayStation und portiert es später für den Game Boy Color. Ursprünglich war es als Multiplayer-Rennspiel mit dem Arbeitstitel Race'n Chase gedacht. Einer der geplanten Spielmodi wäre "Bankraub" gewesen, wo sich Polizist und Fluchtwagenfahrer ein Wettrennen liefern sollten. Schon in den ersten Entwürfen formulieren die Entwickler bereits die Idee, dass Fahrer aussteigen und ein anderes Auto stehlen können. Ebenfalls in Planung sind drei Städte. Diese schaffen es auch tatsächlich ins fertige Spiel - und legen den Grundstein für zwei Jahrzehnte grandios inszenierter GTA-Schauplätze: Liberty City, San Andreas und Vice City, angelehnt an New York, San Francisco und Miami.


18 Bilder Keine große Story, arcadiges Gameplay und Highscores: Das erste Grand Theft Auto sollte bloß ein harmloser Spaß für zwischendurch sein, entwickelte sich aber zum absoluten Geheimtipp. Keine große Story, arcadiges Gameplay und Highscores: Das erste Grand Theft Auto sollte bloß ein harmloser Spaß für zwischendurch sein, entwickelte sich aber zum absoluten Geheimtipp. [Quelle: Rockstar Games]
Auch wenn GTA das Open-World-Konzept quasi salonfähig macht, setzen schon frühere Computerspielen auf dieses Gameplay-Element. Hunter (1991) für den Amiga beispielsweise versetzt den Spieler in die Rolle eines Agenten, der auf einer Inselkette verschiedene Aufgaben erfüllen muss. Dabei greift man auf unterschiedliche Fahrzeuge zurück und darf die Umgebung frei erforschen.

Selbst im eigenen Hause werkelt DMA Designs schon vor GTA an Spielen mit viel Bewegungsfreiheit. 1995 reift die Idee, für den Nintendo 64 ein Rollenspiel zu entwickeln, das während einer Alien-Invasion spielt. Aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten mit Nintendo sollte das Projekt in abgespeckter Form erst 1998 unter dem Namen Body Harvest erscheinen. Auch hier kann man sich frei durch die Spielwelt bewegen und unterschiedliche Fahrzeuge nutzen.

Im Gegensatz zu den modernen GTA-Titeln spielen sich die Ursprünge der Kultserie deutlich arcadiger. Zum einen trägt die charakteristische Vogelperspektive dazu bei. Sie ist so weit vom Geschehen entfernt, dass Autos und Menschen winzig erscheinen und eigentlich eher wie Spielzeug anmuten. Zum anderen ist die Spielgeschwindigkeit sehr hoch und die Punkte für den Highscore prasseln nur so runter. Der wird tatsächlich noch gezählt und lässt sich mit einem Multiplikator in die Höhe treiben. Sogar Items gibt es. Eines davon verleiht dem Spieler etwa einen kurzzeitigen Rage-Modus, um noch mehr Chaos zu stiften. Vor Spielbeginn wählt ihr aus acht verschiedenen Charakteren, wobei die Unterschiede im eigentlichen Spielgeschehen eher minimal ausfallen. Missionen holt man sich von Telefonzellen ab, aber es gibt noch keinen besonders ausgefeilten Plot.

GTA: London 1969 (1999, PlayStation, PC) & GTA London: 1961 (1999, PC):

      

Am mangelnden Story-Erlebnis ändern auch die beiden Add-ons London 1969 und London 1961 nichts, die 1999 folgen. Ersteres erscheint auch auf PlayStation, Letzteres als Freeware ausschließlich für den PC. Der Ort des Geschehens verlagert sich das erste und einzige Mal in der GTA-Serie in eine real existierende Stadt - ins London der 60er Jahre. Ein paar spärlich animierte Standbilder geben dem Spiel zwar einen groben Handlungsrahmen, aber auch hier steht die Arcade-Action des Originals im Vordergrund.

Grand Theft Auto 2 (1999, PlayStation, Dreamcast, PC, Game Boy Color):

      

Um Highscores dreht es sich auch noch in der Fortsetzung GTA 2, die für PC, PS1, Game Boy Color und Dreamcast erscheint. Die Auswahl der Figuren fällt weg, doch stattdessen darf man Aufträge für acht verschiedene Gangs erledigen. Diese sind in ihrer Darstellung völlig absurd und überzeichnet. So gibt es zum Beispiel die Hare Krishnas, die auf ihren Fahrzeugdächern Blumen als Motiv besitzen. Sie sind gegen jede Form von


18 Bilder GTA 2 wirkte durch seine neuen Beleuchtungseffekte nicht nur bunter, sondern war auch im Gameplay weitaus chaotischer als seine Vorgänger. Man war schließlich Spielball von acht verschiedenen Gangs. Oder war es andersherum? GTA 2 wirkte durch seine neuen Beleuchtungseffekte nicht nur bunter, sondern war auch im Gameplay weitaus chaotischer als seine Vorgänger. Man war schließlich Spielball von acht verschiedenen Gangs. Oder war es andersherum? [Quelle: Rockstar Games]
Technik und versuchen, die der anderen Gangs zu zerstören - auch wenn sie dabei selbst ein Auto fahren müssen. Jeder Gang gehört ein Stadtviertel, und jeder erfüllte Auftrag verschiebt das Ansehen des Spielers bei ihnen. Wenn ihr zum Beispiel durch ein besetztes Gebiet fahrt, in dem ihr schon besonders viele Anschläge gegen die dortige Gang verübt habt, eröffnen die Mitglieder das Feuer auf eure Spielfigur. Manche Missionen lassen sich erst auswählen, wenn man eine gewisse Respektstufe erreicht hat.

Tauchten bei einer hohen Fahndungsstufe im Spiel zuvor nur Polizisten auf, gesellen sich bei GTA 2 zum ersten Mal Spezialeinheiten und das Militär hinzu. Ein weiteres Markenzeichen für GTA etabliert sich schon im 2D-Universum: die verschiedenen Radiostationen. Diese wechseln im ersten Spiel je nach ausgewähltem Wagen, und in GTA 2 kommen sogar Funksender hinzu, wie zum Beispiel die Feuerwehr. Mit den nachfolgenden Fortsetzungen sollten die Radiostationen nicht nur massiv zur Identität der Reihe beitragen, sondern auch als dramaturgisches Element fungieren. Satire lässt sich damit ebenfalls gut transportieren, etwa mit völlig übertriebenen Werbespots. Die eingespielte Musik ist in jedem Teil absolut exzellent und ist beispielsweise für Vice City auch als separates CD-Box-Set erhältlich.




e_gz_ArticlePage_Default