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Forza Motorsport 7 im Test: Der beste Teil der Rennspiel-Reihe

Dank weniger aber dafür wohl überlegter Verbesserungen, markiert der siebte Teil den bisherigen Höhepunkt der Vorzeigerennspielserie aus dem Hause Microsoft. Was uns am Racing-Game der Turn 10 Studios ganz besonders begeistert hat, erfahrt ihr in unserem umfangreichen Test-Artikel.

13 Bilder Gleich zu Beginn des Spiels darf man in einen schnittigen Porsche steigen. Gleich zu Beginn des Spiels darf man in einen schnittigen Porsche steigen. [Quelle: PC Games]

Als Microsoft mit Forza Motorsport 2005 einen Gran Turismo-Konkurrenten für die erste Xbox veröffentlichte, war die Fangemeinde froh, endlich auch einen realistischen Racer spielen zu dürfen. Immerhin war von Sonys GT-Serie zu diesem Zeitpunkt bereits der vierte Hauptableger erschienen. Über eine Milliarde eingenommene Dollar und 12 Jahre später, kommt die Forza-Serie mit Teil sieben nun als Vollpreistitel auf dem PC an. Kann Turn 10 das halbgare Geschäft mit dem letztjährigen Free-to-Play-Titel Forza 6 Apex vergessen machen? Die Antwort für PC-Spieler lautet eindeutig ja!

Leider steht dieses Video für Smartphones nicht zur Verfügung.


Forza Motorsport 7 im Test: Karrieregeil

      

Es ist nicht lange her, da kam mit Project Cars 2 eine beinharte Rennsimulation auf den Markt. Ist Bandai Namcos Racer ein Titel für verkopfte Rennanalytiker, so präsentiert sich Forza als König des Bauchgefühls und schneidet an der richtigen Stelle alte Zöpfe zugunsten einer leidenschaftlichen Asphaltachterbahn ab. Bei Forza Motorsport 7 (jetzt für 89,99 € kaufen) kann man im Vergleich zu PC2 hinsichtlich des Feintunings der Boliden nicht ganz so sehr in die Tiefe gehen, doch der Microsoft-Racer will auch gar kein schwer zähmbares Simulationsbiest sein, sondern einsteigerfreundlichen Realismus bieten.


13 Bilder Gleich zu Beginn des Spiels darf man in einen schnittigen Porsche steigen. Gleich zu Beginn des Spiels darf man in einen schnittigen Porsche steigen. [Quelle: PC Games]
Während man bei Project Cars 2 als Neuling erst einmal alle Fahrhilfen aktivieren muss, um sich nicht schon in der ersten Kurve ins Kiesbett zu drehen, geht Forza 7 den umgekehrten Weg: Wer es realistisch mag, der kann sich in den Optionen aller Hilfen wie ABS, Brems- und Lenkassistenten entledigen und schon wird es äußerst anspruchsvoll. Das gilt vor allem für PS-Monster wie F1-Wagen oder Le Mans-Prototypen. Spektakuläre Traumwagen sind dank der überarbeiteten Karriere - dem Forza Driver's Cup - nun deutlich früher verfügbar. Vorbei die Zeiten, in denen man eine gefühlte Ewigkeit benötigte, um in interessanten Autos zu sitzen.

Der Clou: Der Karrieremodus besteht aus sechs großen Meisterschaften, unterteilt in jeweils zehn bis fünfzehn Events, die ihrerseits aus einer Handvoll Rennen bestehen. Nach und nach gesammeltes Geld und Erfahrungspunkte schalten dann die nächste der sechs Hauptmeisterschaften frei. Innerhalb dieser stehen jedoch sofort alle Events offen, so dass es kein Problem darstellen dürfte gleich zum Spielstart spannende Rennen zu finden. Bereits in der zweiten von sechs großen Meisterschaften, sitzt man beispielsweise am Steuer einer brachialen Corvette C7.R und schießt in einem Langstreckenrennnen durch die berüchtigte Eau Rouge in Spa-Franchorchamps - der Traum eines jeden Rennsportfans! Zwischendurch lockern Showcase-Events das Spielgeschehen auf. In diesen schmeißt man Bowlingpins mit einem Polizeiauto um, durchfährt Hindernisparcours, oder muss in Einzelrennen Duelle mit speziellen Autos gewinnen. Derartige Veranstaltungen sind bereits aus Forza 6 bekannt, waren damals aber noch nicht in den Karrieremodus integriert.


13 Bilder Die Mercedes-Trucks machen mehr Spaß als man glaubt. Die Mercedes-Trucks machen mehr Spaß als man glaubt. [Quelle: PC Games]
Turn 10 versteht es mit dem neuen Mix blendend, die Motivation dauerhaft hoch zu halten. Dafür sorgt auch die Tatsache, dass es ständig Belohnungen hagelt und die "langweiligeren" der 700 verfügbaren Autos (alle mit detaillierten Cockpits) zwar weiterhin vorhanden sind, jedoch nur auf Wunsch genutzt werden müssen. Stattdessen sorgen gewonnene Showcase-Events und Meisterschaften schnell für Supersportwagen, F1-Klassiker und Formel-E-Boliden im Fuhrpark. Neben Geld sammelt man in der Karriere nämlich auch Erfahrungspunkte und steigt damit Fahrerstufen auf. Für jeden Aufstieg gibt es wahlweise Geld, ein seltenes Auto zum stark rabattierten Preis, oder einen neuen Overall für euren Fahrer, den Drivatar.

Hier beweisen die Entwickler Humor: neben einer Vielzahl an konventionellen Racing-Klamotten, gibt es auch Samurai-Rüstungen oder Clownskostüme. Damit die Credits sprudeln und man schneller im Ranking aufsteigt, kann man vor jedem Rennen Spezialkarten, die sogenannten Mods einsetzen. Diese multiplizieren unter anderem das Preisgeld, wenn man bestimmte Bedingungen erfüllt und und können auf drei Slots verteilt werden. So muss man beispielsweise eine perfekte Runde hinlegen, oder mit einem bestimmten Abstand Erster werden, um mehr Kohle zu erhaschen.

Forza Motorsport 7 im Test: Loot ist gut

      

Neu ist, dass man die Mods über Lootboxen erhält, welche mit Ingame-Währung bezahlt werden. Dabei kommt ein Glücksspielsystem zum Einsatz: Bestimmte Boxen erhalten bessere Mods, Belohnungen und Chancen auf legendäre Autos. Natürlich sind sie dann auch teurer als Boxen mit geringeren Wahrscheinlichkeiten auf tolle Gegenstände. Es scheint, als wollten Turn 10 und Microsoft hier das Feld für künftige Mikrotransaktionen bereiten und die Spieler auf ein passendes System konditionieren. Darauf deuten auch die Punkte "Marktplatz" und "Auktionshaus" im Hauptmenü hin, die zum Zeitpunkt des Tests noch nicht verfügbar waren. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass die Boxen aktuell der Motivation sehr zuträglich sind, da sie - stand jetzt - komplett mit Ingame-Währung funktionieren und das System gut ausbalanciert ist.

Fast nichts zu meckern gibt es hingegen an der Präsentation. Grafisch gehört das Spiel zur Rennspielelite und gerade die neuen dynamischen Wetter- und Lichteffekte sehen wunderschön aus und machen die Rennen um einiges interessanter als bisher. Da fängt ein Grand Prix im Trockenen an und kann sich bis zur Ziellinie in eine Wasserschlacht bei tobenden Gewitter entwickeln. Die wechselnden Bedingungen fordern fahrerisch und sehen zudem blendend aus. Gischt hinter den Autos raubt die Sicht, Scheibenwischer arbeiten, entstehende Pfützen wirken sich auf das Fahrverhalten aus. Selbst die Wassertropfen auf der virtuellen Kameralinse brechen das Licht farblich korrekt zur jeweiligen Wagenlackierung - stark.


13 Bilder Mit Mods kann man seine Boni nach dem Rennen drastisch erhöhen. Mit Mods kann man seine Boni nach dem Rennen drastisch erhöhen. [Quelle: PC Games]
Überhaupt verstehen es die Entwickler, die 32 Strecken mit Leben zu füllen, wie es kaum ein anderes Spiel schafft. Das leuchtende Neonriesenrad in Suzuka bei Nacht, Konfettikanonen und landende Jumbo Jets in Dubai oder Paraglider, die in Rio um den Corcovado fliegen: An fast jeder Kurve wartet ein optisches Highlight. Das gilt vor allem für die fiktiven Strecken, die jedoch an originalen Schauplätzen angesiedelt sind. Sie stecken die klassischen Rennstrecken optisch nochmals in die Tasche und sehen besser aus als je zuvor. Gerade Prag sieht fantastisch aus. Die goldene Stadt im Sonnenuntergang ist eine wahre Freude und mit weit über 250 Sachen über die Karlsbrücke zu preschen, nachdem man sich durch die engen Gassen und Straßen der Innenstadt geschlängelt hat, ist eines der großen optischen Highlights im Spiel.

Wer sich bei all der Rennaction die Zeit nimmt, auf Details zu achten, wird auch bemerken, dass die Wolken dynamisch über die Strecken gleiten. Das sieht man einerseits direkt am Himmel und andererseits bei dichter, jedoch aufreißender Wolkendecke auch auf dem Asphalt, wenn der Sonnenschein in jeder Runde an einer anderen Stelle den Boden küsst. Ebenfalls grandios sind Nebelschwaden auf der Nordschleife und Wind, der in Dubai stellenweise Sand über die Piste bläst. Bei all der Pracht bleibt eigentlich kaum ein Grafikwunsch offen. Wünschenswert wären lediglich weitere, extremere Wetteroptionen, wie Blizzards und Schneestürme, wie bei Project Cars 2.

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