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Far Cry 5 gespielt: Sinnvolle Verbesserungen und spannendes Setting

Willkommen in Montana: Nach der Karibik, dem Himalaya und zuletzt der Steinzeit zieht es die Far Cry-Serie mit Teil fünf in Nordamerikanische Gefilde. Wir konnten auf der E3 erstmals bleihaltige US-Luft schnuppern. So spielt sich Far Cry 5! In unserer Vorschau lest ihr alle Details.

7 Bilder E3-Screenshots von Far Cry 5. (2) E3-Screenshots von Far Cry 5. (2) [Quelle: Ubisoft]

Kim Jong Un droht mit der Atombombe, in der Türkei hebelt der Präsident die Menschenrechte aus, der Rechtspopulismus schreitet munter voran - und in den USA sitzt währenddessen ein Mann im Weißen Haus, der all den politischen Wahnsinn dieser Welt in einer Person vereint. Als hätte Ubisoft diese angespannte politische Situation schon beim Entwicklungsbeginn von Far Cry 5 vor drei Jahren gespürt, verschlägt es uns diesmal nach Trumpland, ins fiktive Hope County in Montana - warum schließlich in die exotische Ferne schweifen, wenn es doch im Westen auch dermaßen spannend zugehen kann?

Deputy, übernehmen Sie

      

Wir, das ist in diesem Fall ein junger Deputy Sheriff, der nach Hope County gerufen wird, um dem dort herrschenden Chaos Einhalt zu gebieten. Dort nämlich hat ein religiöser Kult unter der Leitung des ebenso verblendeten wie gefährlichen Ex-Militär Joseph Seed die de-facto-Kontrolle über den spärlich bevölkerten Landstrich übernommen. Gemeinsam mit seinen Brüdern und einer Schar gehorsamer Schäfchen drangsaliert, bedroht und ermordet er die Leute, welche sich seiner Mission widersetzen, die Welt vor dem "Kollaps" zu schützen und zur Erlösung zu führen. Man sieht: Nach Vaas in Far Cry 3 und Pagan Min in Far Cry 4 wird erneut auf die Siegesformel "durchgeknallter, charismatischer und irgendwie in all seinem Wahn nachvollziehbarer Antagonist" gesetzt; unserer Meinung nach eine weise Entscheidung, denn die starken Bösewichte haben uns schon in den Vorgängern über die eher mauen Handlungen und die ansonsten blassen Figurenzeichnungen hinweggeholfen.

Keine Türme in Hope County

      


7 Bilder E3-Screenshots von Far Cry 5. (3) E3-Screenshots von Far Cry 5. (3) [Quelle: Ubisoft]
Von einer herausragend spannenden Spielfigur ist zumindest schon einmal nicht auszugehen, denn anstatt einen vorgegebenen Helden durch die offene Welt zu scheuchen, bauen wir ihn uns diesmal in Editor selbst zusammen - auch, ob wir einen Mann oder eine Frau spielen wollen, steht uns frei. Das ist nur eine von mehreren Änderungen an der über Jahre hinweg etablierten Ubisoft-Formel, die beginnend mit Watch Dogs 2 und Ghost Recon Wildlands etwas aufgeweicht wurde. Dort wie hier sind auch die Türme Geschichte, mit denen wir die offene Map freischalten. Stattdessen obliegt es uns nun ganz alleine, dafür zu sorgen, dass wir sehen, was alles in der Welt los ist; erst, wenn wir in der Nähe einer Mission, einer Örtlichkeit oder eines anderen Point of Interest sind, erscheint das entsprechende Icon permanent auf der Karte.

Ebenso, wie in dieser Hinsicht der Spieler von der Leine gelassen wird, ist auch die Herangehensweise an die Missionen eine Neue. Die Reihenfolge, in der wir die Aufgaben angehen, ist offenbar sehr dynamisch wählbar - also erneut ähnlich wie in Watch Dogs 2 und Wildlands. Gut gefallen hat uns in der von uns gespielten PS4-Demo, auf die wir gleich noch näher eingehen werden, ein Punkt, der das Wegfallen der Türme und die offenere Missionsstruktur schön miteinander verbindet: In den zwei Demo-Durchläufen, die wir absolvierten, stolperten wir beim ersten Mal aus Versehen über eine Hauptmission, die uns auf die Ranch des uns freundlich gesinnten Flugzeugnarren Nick Eye führte. Beim zweiten Durchgang hingegen sprachen wir vorher mit der Bardame Mary May, die uns ihrerseits auf den Standort Ryes verwies. Beide Arten, die Aufgabe zu entdecken, fühlten sich sehr natürlich und dynamisch an - sollte sich diese Art der inneren Spiellogik durch das ganze Abenteuer ziehen, wäre das sehr beeindruckend.

Allerdings: Was wohl unter der offenen Struktur leiden könnte, ist die Handlung. Zwar versprachen uns die Entwickler im Gespräch, dass man "die große Herausforderung eine offene Spielstruktur mit einer befriedigenden Narration zu verbinden" sehr ernst nehmen würde, aber das ist bisher noch den wenigsten Studios und Schreibern überzeugend gelungen. Wir lassen uns natürlich liebend gerne eines Besseren belehren - und haben ja schon darauf hingewiesen, dass schon bisher der Bösewicht und die Atmosphäre, nicht aber die Geschichte an sich die Stärken der Far Cry-Reihe waren.

Leider steht dieses Video für Smartphones nicht zur Verfügung.

Auslauf für den Wauwau

      

Trotz der strukturellen Veränderungen und des neuen Settings: Spielerisch fühlten wir uns bei der knapp 40-minütigen Anspiel-Session im Vorfeld der E3 in L.A. gleich heimisch. In der Demo erwarteten uns - beziehungsweise entdeckten wir - zwei Hauptmissionen, bei denen wir


7 Bilder E3-Screenshots von Far Cry 5. (5) E3-Screenshots von Far Cry 5. (5) [Quelle: Ubisoft]
Far Cry-typisch wahlweise mit geballter Feuerkraft, aus dem Hinterhalt oder mit einer Mischung aus beidem vorgehen konnten. So galt es, ein vom bösen Kult überranntes 38-Einwohner-Kaff - eine der größeren Siedlungen in der Welt des Spiels - zu säubern. Jupp, die Camp- beziehungsweise Lager-Befreiungen sind also wieder mit an Bord. Um diese Aufgabe zu erledigen, bekommen wir eine hübsche Auswahl bleihaltiger Argumentationshelfer wie Maschinengewehre, Pistolen, Schrotflinten oder Sniper-Gewehre, aber auch explosive Überzeugungskünstler wie Dynamit oder Granaten an die Hand. Finden wir eine Wumme, die uns besser als als eine aktuelle in unserem Inventar gefällt, können wir diese natürlich auch jederzeit aufheben und auswechseln. Rennen wir wild schießend in die Reihen der Fieslinge? Verschanzen wir uns auf einem Getreidesilo und schalten einen nach dem anderen aus? Oder gehen wir in den Nahkampf über und klopfen die Kulissen mit Nahkampfwaffen wie Baseballschlägern weich? Das obliegt unserer persönlichen Vorliebe.

Die dritte Variante ist übrigens dank der neuen Kurzdistanzprügel deutlich variantenreicher als noch in Teil 4 und orientiert sich eindeutig an Far Cry Primal. Außerdem haben wir noch ein weiteres Ass im Ärmel: Auf Knopfdruck können wir einen KI-Gehilfen an unsere Seite rufen, der uns anschließend unterstützt. Im fertigen Spiel können wir diese Helfer im Rahmen des sogenannten Guns for Hire-Sysems an allen möglichen Orten finden und von unserer Sache überzeugen. In der Demo standen uns vor Beginn drei vorgegebene Unterstützer zur Seite, von denen wir einen auswählen konnten und die jeweils über einzigartige Fähigkeiten verfügten: Ein Pilot, der Bomben dort abwarf, wo wir den Boden markierten; eine Sniperin, die auf unseren Befehl hin ausgewählte Ziele ausschaltete; und ein Hund, der sowohl Gegner für besser planbare Auseinandersetzungen für uns markieren als auch beißfreudig auf Wadenjagd gehen konnte. Unseren vierbeinigen Assistenten müssen wir im fertigen Spiel übrigens, wie die Wildtiere aus Primal, zähmen - man sieht, dass Far Cry 5 sehr geschickt Elemente aus den Vorgängern nimmt und sie neu interpretiert.

Die Schießereien selbst spielen sich gewohnt gut, wenngleich das Auto Aiming zumindest in der PS4-Version etwas zu stark ausgeprägt war. Auf dem PC wird das wohl kein Problem sein, für die Konsolenfassungen wünschen wir uns eine entsprechende Einstellungsmöglichkeit im Menü. Die erweiterten Nahkampf-Attacken fügen sich gut in Spiel ein und die Auswahl von Waffen, Guns-for-Hire-Aktionen und mehr funktioniert problemlos. Etwas archaisch wirkt inzwischen aber das Heilungs-System, bei dem wir wie üblich einen Knopf gedrückt halten und zwei Sekunden später wieder eine Gutteil unserer Energie zurückerhalten haben. Hier sollte man sich zumindest für die Fortsetzung einmal ein etwas weniger sperriges und natürlicheres System ausdenken.

Wer braucht schon einen Flugschein?

      

Die bereits erwähnte zweite Mission auf dem Hof Nick Ryes startete auch als Lager-Befreiung, mündete aber gleich darauf in einer unterhaltsamen Flug-Herausforderung, in der wir zuerst diverse Silos und einen Convoy mit Maschinengewehren, Raketen und abgeworfenen Bomben unter Beschuss nehmen mussten. Daraufhin kreuzte ein feindlicher Flieger unseren Luftraum, der mit unserer destruktiven Art gar nicht glücklich war und uns in einen luftigen Zweikampf verwickelte. Wo Fliegen in den Vorgänger primär dazu da war, um von A nach B zu gelangen, bietet es darum nun nicht nur durch die verschiedene Waffensysteme, sondern auch durch die erweiterte Steuerung deutlich mehr Möglichkeiten. So können wir uns nun gewagt nach links und rechts legen und auch Loopings sind problemlos möglich - und auch notwendig, um ans Heck unseres Widersachers zu gelangen, für den wir natürlich netterweise ein Date mit dem Fußboden arrangieren. Übrigens: Auch auf der Erde stehen uns mit Lastwägen, Buggies, PKWs und anderen Fahrzeugen natürlich wieder zahlreiche Fortbewegungsmittel zur Verfügung.

Einfach mal die Knarre baumeln lassen

      


7 Bilder E3-Screenshots von Far Cry 5. (4) E3-Screenshots von Far Cry 5. (4) [Quelle: Ubisoft]
Und wer so gar keine Lust auf Missionen hat, der wird angesichts der von den Entwicklern versprochenen, zahlreichen Nebenaufgaben wohl auch glücklich werden. In der Demo durften wir bereits das Angeln ausprobieren. Mit einer Rute im Inventar können wir uns an jedes beliebiges Gewässer stellen und mit einem System, ähnlich dem in vielen anderen Titeln mit Angel-Festure etablierten, den Wasserbewohnern zeigen, dass Geschenke immer einen Haken haben. Soll heißen: Wir werfen aus, drücken einen Knopf, wenn ein Fisch angebissen hat und ziehen dann vorsichtig die Leine in die entgegengesetzte Richtung des Schwimmweges unseres schuppigen Opfers ein, ohne den Garn reißen zu lassen.

Angeln geht immer, und hätten wir nicht noch genug anderes Zeug in der Demo zu erledigen gehabt, wären wir wohl durchgehend an irgendwelchen Tümpeln gestanden. Hoffen wir, dass die anderen Nebenaufgaben ähnlich spaßig ausfallen! Weitere Spielelelemente wie das Crafting, das zwar angekündigt ist und angesichts sammelbarer Ressourcen in der Demo (die wir etwa beim Erlegen der gewohnt aggressiven Fauna erhielten) bereits angeteasert, konnten wir leider noch nicht ausprobieren. Auch das Verbessern von Waffen, Ausrüstung und unserem Helden beziehungsweise unserer Heldin selbst war noch nicht anwählbar. Der Koop-Modus, der uns das gesamte Spiel zu zweit erleben lässt, wurde ebenso noch nicht gezeigt - und zu etwaigen Mikrotransaktionen oder weiteren Online-Features schweigt sich Ubisoft noch konsequent aus.

Was zurückbleibt, ist die Erkenntnis, dass sich Far Cry mit Teil fünf - anders Assassin's Creed mit Origins - nicht neu erfindet; das, was wir da zu spielen bekamen, fühlte sich sehr schnell sehr vertraut an. Die sinnvoll wirkenden Verbesserungen sowie das spannende neue Setting verheißen aber nichtsdestoweniger, dass nach den guten, aber etwas mutlosen Far Cry 4 und Far Cry Primal mit dem US-Ableger wieder etwas frischer Wind in die Serie kommt. Ob's stimmt, wissen wir ab Ende Februar 2018, denn dann erscheint der Titel. In einer Hinsicht haben die Entwickler trotz des recht frühen Entwicklungsstandes auf jeden Fall schon einmal gute Arbeit geleistet: Bugs konnten wir in der Demo gar keine ausmachen - keine Selbstverständlichkeit, generell nicht und speziell nicht bei Ubisoft.

  • Lukas Schmid""Far Cry 5 bleibt dem Konzept der Reihe treu, passt es aber an moderne Open-World-Erwartungen an.""
  • Far Cry 5 geht in Sachen Gestaltung der Spielwelt und der spielerischen Freiheit beinahe genau den gleichen Weg wie zuvor Ghost Recon: Wildlands und Watch Dogs 2; sehen wir hier etwa eine Ubisoft-Formel 2.0 auf uns zukommen? Wie auch immer, noch funktioniert sie und verschafft auch Far Cry einen dringend benötigten Frischeschub. Ich gebe allerdings zu, dass ich mir sogar noch mehr spielerische Neuerungen erwartet hätte. Ob das gut gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt, denn schon in dieser frühen Version wirkte das Sekten-verseuchte US-Abenteuer sehr rund und die einzelnen Spielelemente gut aufeinander abgestimmt. Mir persönlich gefällt zudem einfach das Setting sehr gut, schon in GTA San Andreas bin ich am liebsten durch die Pampa gefahren und habe Country Musik gehört. Noch nicht absehbar ist, wie abwechslungsreich die Missionen ausfallen werden. Hier schlug sich Far Cry in der Vergangenheit aber meist besser als die anderen Ubisoft-Reihen. Persönlich hoffe ich, dass das Spiel nicht wieder in eine einzige Sammelorgie ausartet, in der eine lange Spielzeit mit spaßbefreiter Beschäftigungstherapie gleichgesetzt wird. Ich bin aber positiv gestimmt, denn mit den letzten paar Spielen und durch die Zwangspause für Assassin’s Creed hat Ubisoft ja schon gezeigt, dass man die Kritik der Fans ernst nimmt.


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