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Dishonored: Der Tod des Outsiders im Test

Dishonored: Der Tod des Outsiders hat eine bewegte Entwicklungsgeschichte hinter sich: Erst sollte es ein DLC werden, dann wieder nicht, das Zusatzkapitel sollte mal Dead Hand heißen, mal Black Heart - am Ende kommt Death of the Outsider nun als Stand-alone-Erweiterung daher und versetzt euch in die Rolle von Billie Lurk.


7 Bilder Dishonored: Der Tod des Outsiders im Test - alles zu Umfang, Spielzeit, Story und Fähigkeiten (1) Dishonored: Der Tod des Outsiders im Test - alles zu Umfang, Spielzeit, Story und Fähigkeiten (1) [Quelle: Bethesda]
Corvos und Emilys Geschichte ist erzählt, aber die Welt von Dishonored 2 dreht sich weiter, nämlich im eigenständigen Spin-off Der Tod des Outsiders. Wenige Monate nach den Geschehnissen des letzten Teils bereitet ihr in der Rolle von Billie Lurk alias Meagan Foster einen Mordanschlag auf den Outsider vor. Aber es gibt immer eine Alternative zur Gewalt! Der Tod des Outsiders überlässt euch die Wahl der Vorgehensweise: Bringt ihr jede Figur im Spiel ums Eck oder schleicht ihr ungesehen wie ein Geist durch die Level? Anders als in Dishonored und Dishonored 2 ist es für das Ende des Abenteuers allerdings ganz unerheblich, wie viele Leichen euren Weg säumen.

Zurück in Karnaca

      

Als Spielplatz dient unter anderem wieder die Stadt Karnaca, innerhalb der fünf Kapitel besucht ihr erneut das kaiserliche Konservatorium und den oberen Cyria-Bezirk - immerhin schaut es dort inzwischen etwas anders aus, enttäuschend ist diese Zweitverwertung dennoch. Zwischen den aufgewärmten Schauplätzen sticht die neue Location natürlich besonders hervor: in der Shindaerey-Mine (da ist der Name wohl Programm) im Finale der Erweiterung versucht ihr, ins Nichts zu gelangen, um den Outsider zur Strecke zu bringen. Wie gewohnt steht nicht das Kämpfen, sondern die Fortbewegung im Mittelpunkt von Dishonored: Der Tod des Outsiders .


7 Bilder Aussichtspunkt: Erhöhte Positionen sind eure besten Freunde. Von hier aus markiert ihr Objekte und Feinde und legt eure Routen fest. Aussichtspunkt: Erhöhte Positionen sind eure besten Freunde. Von hier aus markiert ihr Objekte und Feinde und legt eure Routen fest. [Quelle: PC Games]
Schwertduelle fühlen sich generell ungenau und wie hektisches Gefuchtel an. Aber die Klinge solltet ihr ohnehin nur im Notfall zücken, denn genau wie Corvo und Emily verfügt Billie über gewisse übernatürliche Fertigkeiten, die spannende Alternativen zum Schwertkampf versprechen. Billie versteht die Sprache der Ratten und erhält Hinweise zu Missionszielen von den Nagern, teleportiert sich umher, nimmt für kurze Zeit das Aussehen von NPCs an und markiert Personen und Objekte in der Nähe mit einer Art Röntgenblick.

Diese Talente könnt ihr nicht verbessern, es kommen auch keine zusätzlichen Kräfte hinzu, Billies Fähigkeiten lassen sich jedoch mit dem Anlegen unterschiedlicher Knochenartefakte spezialisieren. Die könnt ihr auch selbst anfertigen, dafür müsst ihr jedoch bereits gesammelte Exemplare zerstören, um deren Bonus zu kassieren, und Walknochen als Rohstoff investieren. Habt ihr das Abenteuer abgeschlossen (dazu solltet ihr, je nach Spielweise, zwischen sieben und 15 Stunden brauchen), werden Billies Fertigkeiten im Modus New Game Plus von vier Talenten aus Dishonored 2 ersetzt. Diese sind Billies Fertigkeiten jedoch sehr ähnlich, riesige Auswirkung auf das Spielprinzip hat das Gimmick also nicht. Zu den Fähigkeiten kommen verschiedene Ausrüstungsobjekte wie Fallen, Minen, Granaten und die Voltaikpistole, mit der Billie letale und betäubende Munition verschießt. In der Erweiterung füllt sich die Voidkraft der Heldin selbstständig wieder auf, ihr braucht also keine blauen Ampullen kaufen oder suchen. Die Gesundheit regeneriert ihr nach wie vor durch einen Schluck aus einer Phiole. Oder ihr tut euch an den überall herumliegenden Köstlichkeiten wie Feigen, Brotlaiben und Äpfeln gütlich.


7 Bilder Alarm, Alarm: Haben euch die Wachen entdeckt, werden sie euch verfolgen. Der Schwarzmarkt rechts hat zur Sicherheit schon alle Fenster verriegelt. Alarm, Alarm: Haben euch die Wachen entdeckt, werden sie euch verfolgen. Der Schwarzmarkt rechts hat zur Sicherheit schon alle Fenster verriegelt. [Quelle: PC Games]

Dieb, Mörder, Geheimagent

      

Die komprimierte, aber stets lebendige Welt wartet mit einer Menge unterschiedlicher Routen und Optionen auf, das Leveldesign bietet vor allem vertikal eine Menge Spielraum. Neben den Hauptmissionen winken zusätzliche Aufträge, die bei erfolgreichem Abschluss euer Konto füllen oder euch mit neuen Knochenartefakten ausstatten. Den Gewinn investiert ihr auf dem Schwarzmarkt in neue Ausrüstung oder eine Verbesserung eurer Schleichfähigkeiten. In einem Nebenauftrag geht es vielleicht nur darum, wie ein gewöhnlicher Dieb einen Edelstein zu stehlen, ein anderes Mal hingegen sollt ihr eine Art Inquisitor mit dem eigenen Folterinstrument erledigen - das erinnert dann beinahe an Hitman. Die kleinen Momente aber sind es, die in Der Tod des Outsiders am meisten überzeugen, etwa der Abschiedsbrief einer Hexe, die mit ihren Schwestern in einem abgeriegelten Zimmer elend verhungerte, oder der erfüllende Moment, wenn man auf die Lösung eines obskuren Rätsels kommt und die Beute einsackt.


7 Bilder Gähn: Die Story wird zum großen Teil in ausgewaschenen Standbildzwischensequenzen erzählt. Gähn: Die Story wird zum großen Teil in ausgewaschenen Standbildzwischensequenzen erzählt. [Quelle: PC Games]

Das liegt jedoch auch an der wenig spannenden Präsentation der Hauptgeschichte in farbarmen Standbildzwischensequenzen. Innerhalb des Spiels finden manche storylastige Momente zudem in langweiligen Dialogen statt, in denen ihr euch nicht einmal bewegen könnt. Billie, der Outsider und Daud sind im Grunde zwar interessante Figuren, verhalten sich aber teilweise ganz anders als ihre bisherige Charakterzeichnung aus den beiden Vorgängern es vermuten ließ. Beide möglichen Enden der Erzählung werden innerhalb von zehn Minuten abgefrühstückt und fallen, deren großer Tragweite zum Trotz, überraschend unspektakulär aus. Wer nicht ganz so tief in Story und Materie drinsteckt, den wird dies freilich nicht stören. Die Stolpersteine in der Erzählung tun der dichten Atmosphäre der einzigartigen Welt zum Glück kaum Abbruch. Der magere Umfang der Story-Missionen stört da schon eher, auch wenn man der Erweiterung zugestehen muss, dass die optionalen Nebentätigkeiten für ein sattes Spielzeitplus sorgen. Sie sind aber nun einmal optional und wer zusätzlich kein Interesse daran hat, lautlos und ungesehen vorzugehen - immerhin ist das nicht nötig, um ein bestimmtes Ende zu erreichen - für den kommt der Abspann schneller, als ihm lieb ist. Irreführenderweise suggeriert das Kachelmenü bei der Missionsauswahl, dass Der Tod des Outsiders neun Kapitel umfasst. In Wirklichkeit sind es aber nur fünf, und die restlichen vier Kacheln bleiben einfach leer. Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir vermuten, dass ein DLC die Lücken füllen soll.

Es war wohl nur der Wind

      

An den etablierten Prinzipien der Reihe wird in Der Tod des Outsiders gar nicht gerüttelt, von den leichten Änderungen wie dem Wegfallen der Voidelixiere abgesehen, tut ihr in der Erweiterung genau das Gleiche wie im Hauptspiel Dishonored 2.


7 Bilder Aus dem Handgelenk: An Billys linker Hand ist die Voltaikwaffe befestigt, mit der ihr Feinde erschießt, anzündet oder betäubt. Aus dem Handgelenk: An Billys linker Hand ist die Voltaikwaffe befestigt, mit der ihr Feinde erschießt, anzündet oder betäubt. [Quelle: PC Games]
Das macht nach wie vor Spaß, keine Frage, bringt aber die gewohnten kleinen Fehler mit sich: Die Wachen etwa sind immer noch naiv und extrem einfach zu täuschen, die Einblendung von Missionszielen macht das Spiel teilweise zu einfach - abschalten kann man diese gut gemeinten Hilfen auf der PS4 nicht. Selten sorgen Bugs für Unmut, etwa, wenn man mit Questzielen nicht interagieren kann. Lob verdient dafür die gegenüber Dishonored 2 deutlich verbesserte Schnellspeicher- und Schnelladefunktion auf der PS4, die euch sicher in einigen Momenten das Leben retten wird. Solltet ihr eine gewisse Abneigung gegenüber Blutfliegen hegen, dürft ihr euch darüber freuen, dass das Ungeziefer in Der Tod des Outsiders fast gar nicht vorkommt. Stattdessen wartet eine neue Art Gegner auf euch, die sich allerdings als recht nervig entpuppt - aber natürlich nur, wenn sie euch erspäht. Die Shindaerey-Minen sind ein hübscher Schauplatz, können aber bei Weitem nicht mit der genialen Jindosh-Villa oder dem Zeitreisekapitel aus Dishonored 2 mithalten.


Jedermannsorden

      

Gerade, weil sich Death of the Outsider ganz tief in der Komfortzone eingenistet hat, ist es ein Leichtes, Fans der beiden Vorgänger eine Kaufempfehlung auszusprechen.


7 Bilder Fensterln: Um die Stadt zu durchqueren, nutzt Billy Abkürzungen durch Privatwohnungen. Da gibt’s zudem oft praktische Objekte zu entdecken! Fensterln: Um die Stadt zu durchqueren, nutzt Billy Abkürzungen durch Privatwohnungen. Da gibt’s zudem oft praktische Objekte zu entdecken! [Quelle: PC Games]
Die viktorianisch-steampunkige-Spielwelt, die man so nicht schon tausendmal auf dem Bildschirm gesehen hat, ist ein riesiger Pluspunkt und tolles Alleinstellungsmerkmal. Eine ganz klare Absage geht jedoch an alle, die sich ernsthaft überlegen, mit Der Tod des Outsiders in die Serie einzusteigen - ja, diese Leute soll es geben! Spielt Dishonored lieber schön der Reihe nach, es gibt keinen Grund, mittendrin anzufangen, und trotz Stand-alone-Veröffentlichung funktioniert Der Tod des Outsiders nur, wenn man zumindest den direkten Vorgänger kennt.

  • Katharina Reuß"Der Tod des Outsiders kommt zu früh."
  • Ich habe mir Zeit gelassen beim Spielen. Einige Nebenaufträge und Geheimnisse sind trotzdem an mir vorbeigegangen. Theoretisch kann man sogar versuchen, jedes Geldstück einzusacken, das impliziert jedenfalls der Wertungsbildschirm am Ende jeder Mission, der mir zeigt, wie viel Kohle ich gemacht habe und wie viel ich hätte machen können. Man kann’s auch übertreiben ... jedenfalls war ich im ersten Moment ganz erstaunt ob des Umfangs dieser Erweiterung, die Kachelansicht der Missionen hat mich erfolgreich reingelegt. Doch dann war Der Tod des Outsiders nach fünf Kapiteln schon zu Ende. Nun ja, natürlich kann ich nun noch die restlichen Nebenaufgaben und New Game Plus angehen, ein bisschen mehr Umfang bei den Story-Missionen und eine aufregendere Kraft als Rattensprachenkenntnisse hätte ich dennoch begrüßt.


Dishonored: Der Tod des Outsiders (PS4)
  • Spielspaß
  • 80 %
  • Grafik - 
    Sound - 
    Multiplayer - 
Pro & Contra
Gelungenes Leveldesign
Interessante Spielwelt
Facettenreiches, unterhaltsames Spielprinzip
Ein hübscher neuer Schauplatz
Neue Gegnerart
Zahlreiche optionale Beschäftigungen
Viel zu entdecken
Zusätzliche Inhalte für New Game Plus
Vereinzelte Bugs
Lange Ladezeiten
Story wird langweilig präsentiert
KI mit deutlichen Schwächen
Wenig Neues, viel Recycling
Blaupausen, Skill-Upgrades und Chaos-System fallen weg
Fazit
Routinierte Erweiterung eines gelungenen Stealth-Action-Abenteuers, bei dem abermals die interessante Spielwelt überzeugt.

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