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Battlestar Galactica Deadlock: Test des Sci-Fi-Strategiespiels

Es ist fast gang und gäbe, erfolgreiche Film- oder Fernseh-Universen auch in Spiele umzusetzen. Battlestar Galactica bekommt nun ein Strategiespiel spendiert. Kann das Werk des australischen Entwicklerstudios Black Lab Games im Test überzeugen?

12 Bilder Strategie im Battlestar Galactica-Universum: Mit Viper, Raptor & Co. gehen wir auf Zylonenjagd.<br>
  Strategie im Battlestar Galactica-Universum: Mit Viper, Raptor & Co. gehen wir auf Zylonenjagd.
  [Quelle: PC Games]

Es ist der Albtraum der Menschheit: Da baut man eine KI, die dem Menschen als perfekter Helfer dienen soll - und dann macht selbige plötzlich einen auf Rebellion und bekämpft ihre Schöpfer. Die Menschen in den zwölf Kolonien des Universums von Battlestar Galactica kennen das gut, schließlich sind sie seit vier Jahren im Krieg mit den Zylonen.

Die Handlung von Battlestar Galactica: Deadlock spielt vor den Ereignissen der Fernsehserie. Wir befinden uns im ersten Zylonenkrieg. Ein verheerender Angriff der Zylonen auf die Kolonie Picon zwingt Rear Admiral Lucinda Cain zum Handeln. Als Flottenkommandant sind wir ihr unterstellt und haben die Aufgabe, die zwölf Kolonien zu beschützen. Dabei geht längst nicht alles glatt und wir müssen uns nicht nur mit Zylonen auseinandersetzen.


Die dünne Geschichte bringt über ihre 14 Missionen nur wenig Spannung mit sich, was allerdings zum Teil auch am repetitiven Gameplay der Raumschlachten liegt (dazu gleich mehr). Die Dialoge sind zwar ordentlich vertont, ergeben aber manchmal keinen Sinn, etwa wenn die Zylonen-KI völlig ohne Kontext plötzlich über das Wesen von Atomtests philosophiert. Als Rahmen für die Hauptmissionen taugt die Story aber durchaus, da haben wir schon Schlechteres erlebt.

Battlestar Galactica Deadlock im Test: Rundenbasiertes Flottenmanagement

      

Der Kommandotisch beinhaltet unsere Einsatzkarte mit den Kolonien, weiteren Planeten und Sprungkorridoren und führt uns zu den Gefechtsschauplätzen. Die ersten Missionen sind dabei als Tutorial zu verstehen, Mechaniken werden uns über simple Textfenster erklärt. Wir kommandieren die Deidalos, eine mobile Schiffswerft und Flotten von jeweils maximal sieben Raumschiffen. Zusätzlich müssen wir uns an Flottenpunkte halten, die die Schlagkraft der Flotte begrenzen. Wir können also nicht mit sieben Battlestars in die Schlacht ziehen. Allerdings dürfen wir die Flottengröße durch die Zuweisung von Offizieren und den Ausbau ihrer Skillbäume erhöhen. Neben der Flottenpunkteerhöhung verbessern wir damit auch Erfahrungsgewinn oder Boni auf Schiffs-Subsysteme.

Mit unseren Schiffen springen wir zum Missionsmarker (Haupt- und Nebenmissionen können nur mit einer Flotte samt Offizier begonnen werden) und starten die jeweiligen Aufgaben. Die erstrecken sich von einfachen Vernichtungsmissionen bis hin zu Escort-Aufträgen. Zu Beginn platzieren wir unsere Schiffe im freien Raum auf einem Raster, dann geht das Spiel in rundenbasierte Planung über. Dabei planen wir und der Gegner gleichzeitig unsere Züge, die danach fünfzehn Sekunden lang ausgeführt werden, ohne dass wir eingreifen können.


12 Bilder Die Kämpfe finden in Runden im offenen Weltraum statt. Nach unserer Planung, schauen wir uns die Ausführung an.<br>
  Die Kämpfe finden in Runden im offenen Weltraum statt. Nach unserer Planung, schauen wir uns die Ausführung an.
  [Quelle: PC Games]
Die Raumschiffe ziehen wir im freien Raum auf der X-, Y- und Z-Achse - dabei müssen wir vor allem aufpassen, keine ungewollten Kollisionen zu verursachen. Stattdessen achten wir auf die Richtung der Geschütztürme (Manticores können nach vorn und nach hinten schließen, während Adamant-Fregatten Breitseiten feuern) und richten uns strategisch so aus, dass der Gegner uns nur schwer trifft, wir ihm aber voll einschenken. Dabei wird zuerst die jeweilige Panzerung weggeschossen, bevor der Rumpf dran ist - es sei denn wir haben panzerbrechende Raketen in petto.

Battlestar Galactica Deadlock im Test: Strategie mit Balance-Problemen

      

Manövrieren und den Gegner ausspielen: Das ist der tiefere strategische Sinn des Spiels. Wir fühlen uns als mächtiger Flottenkommandant, wenn wir mit einigen Adamat-Fregatten Battlestars und Zerstörer auseinandernehmen, indem wir die Mischung aus gezieltem Feuer, Jägerstaffeln und Raketen sinnvoll einsetzen und gleichzeitig dem Gegner durch volle Geschwindigkeit das Zielen erschweren.


12 Bilder Grafisch eher durchschnittlich gehalten, überzeugt BSG: Deadlock vor allem mit fetten Explosionen, der Musik und einigen Soundeffekten.<br>
  Grafisch eher durchschnittlich gehalten, überzeugt BSG: Deadlock vor allem mit fetten Explosionen, der Musik und einigen Soundeffekten.
  [Quelle: PC Games]
Allerdings zeigt sich hier auch ein Balancing-Problem: Wir können eine Mission nach der anderen ausschließlich mit Adamant-Fregatten bestreiten und häufig ohne jegliche Verluste gewinnen. Die teuren Battlestars fühlen sich nicht wie echte Kampfsterne an. Wenn wir sie selbst in den Krieg führen, dann ist es zwar toll, dass alle Zylonen das Feuer darauf konzentrieren - wenn das Ding aber in Rekordzeit platzt, fragen wir uns, warum wir so ein Teil überhaupt erforscht haben, wenn der Job mit Fregatten viel günstiger und effizienter zu erledigen ist. Nemesis-Schiffe der Zylonen fügen sich hier viel besser ein: Sie rauschen heran, hacken unser Schiff und wenn wir sie nicht innerhalb weniger Runden ausschalten oder mit speziellen Jägern abwehren, dann werden unsere Subsysteme stark beschädigt oder ganz deaktiviert. Das kann erhebliche Nachteile haben - zum Beispiel, weil wir nicht mehr feuern können.

Battlestar Galactica Deadlock im Test:Wiederholung ist die Mutter der Langeweile

      

Die Bedienung bekommt keinen Preis für intuitives Design. Es fehlen wichtige Informationen (beispielsweise auf welchem Schiff der Offizier stationiert ist) und alles was wir tun, dauert gefühlt ein oder zwei Klicks zu lange. Bei sieben Schiffen kann es auf Dauer schon nerven, jede Jägerstaffel einzeln aktivieren zu müssen. Automatismen wie "Abstand halten" oder "Feind umkreisen" gibt es nicht. Und warum wir die Ausrichtungen der Geschütztürme nicht schon bei der Auswahl eines Schiffs sehen, sondern erst in einem Untermenü (oder auf Knopfdruck) aktivieren müssen, ist uns auch nicht klar.


12 Bilder Am Kommandotisch verwalten wir Flotten und den Schiffsbau und springen zu Missionen und Einsatzgebieten.<br>
  Am Kommandotisch verwalten wir Flotten und den Schiffsbau und springen zu Missionen und Einsatzgebieten.
  [Quelle: PC Games]
Von der Umständlichkeit abgesehen, lässt sich unsere Flotte aber sehr präzise mikromanagen. Das ermöglicht taktische Spielereien, etwa wenn wir versuchen mit schnellen Schiffen, dem Gegner in den Rücken zu fallen. Allerdings sind ausgeklügelte Taktiken nicht notwendig: Der Feind spielt immer gleich: Schiffe hacken, Jäger losschicken, Raketen abfeuern und dann mit Dickschiffen geradewegs in die Mitte unserer Flotte. Irgendeine Form von dynamischer Reaktion auf unsere eigenen Aktionen gibt es nicht. Immerhin dürfen wir Zylonenüberfälle (also alle Scharmützel, die keine Haupt- oder Nebenmissionen sind) automatisch auswürfeln lassen. Und das tun wir sehr bald, denn es ist immer nur das Gleiche: Sprung ins Schlachtfeld, aufeinander zu fahren, Zylonenschiffe hochjagen, fertig.

Überraschungsmomente finden wir nur in geskripteten Missionen, etwa wenn zwei Nemesis-Schiffe in einer Escort-Mission plötzlich in unserem Rücken auftauchen. Das ist allerdings nur genau einmal überraschend, echte Zufallselemente gibt es nicht.

Battlestar Galactica Deadlock im Test:Schmaler Strategie-Unterbau

      

Erledigte Missionen steigern oder erhalten die Zustimmung der Kolonien, die wir in der Allianz halten müssen. Verlassen mehr als sechs Kolonien den Zwölferrat, müssen wir neu starten bzw. einen Speicherstand laden. Von den Kolonien bekommen wir durch erledigte Missionen außerdem Finanzpunkte, die wir umgehend in die Forschung investieren: bessere Jäger, mehr Raketenvarianten (zum Beispiel ungelenkte Torpedos) und natürlich Kreuzer, Kanonenboote und Battlestars. Das Arsenal ist ordentlich, allerdings müssen wir die Flotten im Rahmen unserer Flottenpunkte auch sinnvoll zusammenstellen: Zwei oder drei Battlestars ohne Geleitschutz sind nun mal keine gute Idee. Die Ressource Tylium fließt uns pro Runde ebenfalls von Kolonien zu, die uns wohlgesonnen sind. Damit bauen wir neue Raumschiffe oder verkürzen die Zwangspause (FTL-Antriebe müssen sich nach einem Sprung erst wieder aufladen) zwischen zwei Sprüngen auf der Einsatzkarte. Eine Wirtschaftsübersicht zeigt uns an, wie es um die Kolonien und ihre Zahlungswilligkeit bestellt ist. Durch Stationierung von Flotten in den Systemen erhalten wir mehr Ressourcen. Unser Ziel ist es also, überall schlagkräftige Raumschiffe zu stationieren. Das wars allerdings auch schon mit dem Strategiegerüst von Battlestar Galactica: Deadlock - und das hält unser Interesse nicht über die Kampagne hinaus aufrecht.

Battlestar Galactica Deadlock im Test: Gute Atmosphäre, durchschnittliche Präsentation

      

Die Performance gab ein Spiel in 4K-Auflösung auch auf einem starken Rechner nicht her, es war damit bei uns schlicht unspielbar. Dabei bekommen wir hier keinen grafischen Leckerbissen serviert: Die Weltraumhintergründe sind gesprenkelte Sternentexturen, nur durch 3D-Nebel und einige kleinere Meteoriten sowie Weltraumschrott erhalten die Karten eine gewisse Tiefe. Die Schiffe sind detailliert, aber wenn wir hereinzoomen teilweise auch schwach texturiert. Immerhin explodieren sie in spektakulären Feuerbällen. Hervorragend gelungen ist (abgesehen von diversen Aussetzern und Knistern auf manchen Systemen) der Sound, vor allem die dumpfen Feuergefechte hören sich toll an. Die Geschichte wird über ordentlich vertonte (englische) Dialoge erzählt und die Musik trifft die Battlestar Galactica-Atmosphäre auf den Punkt.


12 Bilder Die Schiffe sind zwar detailliert modelliert, aber eher schwach texturiert.<br>
  Die Schiffe sind zwar detailliert modelliert, aber eher schwach texturiert.
  [Quelle: PC Games]
Ein strategisches Schwergewicht erhalten wir nicht, dafür ist das Verhältnis zwischen Mikromanagement, intuitiver Bedienung, Balancing und Abwechslung im Gegnerverhalten einfach zu unausgewogen, teilweise sogar schwach. Allerdings ist Battlestar Galactica: Deadlock ein gelungener Fanservice und hält sich nah an dem, was Zuschauer der Serie gewohnt sind. Hintergrundgeschichte, Atmosphäre, Sounds, Battlestars - all das wurde zu einer Mixtur verrührt, die Galactica-Freunden sehr bekannt vorkommt und durch die sie sich schnell heimisch fühlen.

  • Benjamin Danneberg""Mir ist das Spiel viel zu repetitiv.""
  • Ich mag Raumschiffe und wenn dann auch noch Strategie dabei ist, bin ich an Bord. Battlestar Galactica: Deadlock liefert ein ordentliches Paket ab, das für rund fünfzehn bis zwanzig Stunden unterhalten kann – wenn man sich an die etwas fummelige, wenig intuitive Bedienung gewöhnt hat. Da macht es richtig Spaß, mit seiner Flotte den Gegner kalkuliert zu zermürben. Allerdings stellt sich schnell Routine ein, weil jeder Kampf eigentlich immer nur die Wiederholung des vorigen ist – mit minimalen Änderungen an Position und Zusammensetzung der Gegnerflotte. Und auch der Wirtschaftsanteil des Spiels ist mir viel zu dünn und motiviert mich nicht. Nach der Kampagne bin ich mehr als satt und lege das Spiel trotz Multiplayergefechten zur Seite. Für beinharte Fans von Battlestar Galactica kann das allerdings anders aussehen, denn die Atmosphäre stimmt.


Battlestar Galactica Deadlock (PC)
  • Spielspaß
  • 72 %
Grafik
-
Sound
-
Multiplayer
-
Pro & Contra
Gute Soundeffekte
Sehr gute Musik
Spektakuläre Explosionen
Gut getroffene BSG-Atmosphäre
Viele taktische Möglichkeiten
Präzise Steuerung der Raumschiffe möglich
Ordentlich lange Kampagne
Multiplayer-Modus
KI spielt fast immer gleich
stark repetitive Missionen
dünnes Wirtschaftssystem
wenig intuitive Bedienung
keine Automatismen (bspw. Greife XY an)
Manchmal fragwürdiges Balancing
Keine Einheitenerfahrung (nur Offizier)
schwache Präsentation


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