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American Conquest im Gamezone-Test


1 Bilder American Conquest im Gamezone-Test

Durften wir uns beim technischen Vorgänger Cossacks noch in Europa austoben, geht es im aktuellsten Titel um die Eroberung Amerikas. Beginnend mit den ersten Schiffen Kolumbus, der eigentlich nach Indien wollte, wurden nicht nur eine Schlacht losgetreten und viel Blut vergossen. Diese Entwicklung, vom ersten Amerikaner auf dem Kontinent bis hin zu deren Etablierung, können wir in insgesamt fünf Kampagnen miterleben und vor allem mitentscheiden. Dabei geht es zahlenmäßig rund wie noch nie, denn unsere Einheiten können eine Größe von bis zu 16.000 Mann annehmen. Das hört sich im ersten Augenblick auch ganz toll an, in der Praxis jedoch artet das schnell im totalen Chaos aus, da die einzelnen Kämpfer praktisch nicht mehr zu erkennen sind und man als Zocker mehr damit beschäftig ist seine gigantischen Armeen zu formieren statt Schlacht- oder Verteidigungspläne auszuarbeiten.

Dabei muss ich gleich erwähnen, dass es kaum ein Review bisher gab, mit dem ich so gerungen habe wie mit dem zu "American Conquest". Im Grunde nämlich hören sich die Features dieses Titels alle sehr vielversprechend an, in der Praxis jedoch entsteht nicht das erwartete Gameplay. So kämpfte ich von Anfang an mit der gewöhnungsbedürftigen Funktion der Blickrichtung, da man seine Einheiten nicht nur an eine bestimmte Stelle schickt und ihnen eine entsprechende Formation zuweist, sondern auch deren Blickrichtung ändern kann. Auf den ersten Blick (haha) sicher eine gute Erfindung, bei einigen Zehntausend Mann auf dem Schirm aber schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit, sich auch noch um die Nasen der Kämpfer kümmern zu müssen. Auf der anderen Seite entlastet das Game den Spieler mit vielerlei Automatiken, wie der praktisch von alleine laufenden Produktionskette, welche nach einmaligen Einrichten tadellos funktioniert. Dies ist auch wichtig, denn mit der Verwaltung größerer Armeen hat man wirklich alle Hände voll zu tun. Es genügt nämlich nicht einige Soldaten zu gruppieren und ihnen eine Formation zuzuweisen. Damit sie voll funktionieren benötigen sie mindestens noch einen vorgesetzten Offizier mit Befehlsgewalt, einen Fahnenträger zur Hebung der Moral und einen Trommler um die Gruppe in Bewegung setzen zu können. Verlieren wir einen dieser wichtigen Figuren müssen sie schleunigst ersetzt werden, da ansonsten ganze Formationen drastisch an Kampfkraft verlieren. Das gleiche passiert wenn unsere Truppe eingekesselt oder die Verteidigungslinie durchbrochen wird. So wird der Spieler gezwungen der Truppenmoral erhöhte Aufmerksamkeit zu spendieren. Doch auch die Bauern wollen beschützt werden, zum Beispiel indem wir sie bei einem Angriff in die Häuser und Forts schicken, von wo sie sich sogar selbst etwas verteidigen können. Allerdings muss man höllisch aufpassen auch wieder alle rechtzeitig aus den Gebäuden herauszuscheuchen, bevor diese einem Angriff nicht mehr standhalten können. Bei der Zerstörung eines Gebäudes nämlich reißt dieses alle Bewohner mit in den Tod.

Das Wirtschaftssystem zu American Conquest lässt sich fast komplett automatisieren. Die insgesamt sechs Rohstoffe können in unendlichem Masse von der Karte abgebaut und durch entsprechend gesetzte Wegmarker automatisch den verarbeitenden Betrieben zugeführt werden. Das gleiche gilt für die Bauern, die man in ihren Häusern ebenfalls endlos herstellen lassen kann und dann gleich, ebenfalls per Wegmarker, ins Fort bugsiert wo sie zu Soldaten ausgebildet werden. Damit steht einem endlosem Soldatennachwuchs nichts mehr im Wege. Apropos im Wege stehen: Anscheinend hat man die maximale Anzahl der Soldaten etwas zu lasten der KI realisiert, denn mitunter greift man sich schon an den Kopf, wenn eine ganze Kompanie an drei Bäumen hängen bleibt, weil der Offizier einfach keinen Weg rundherum findet, oder wenn sich wunderbar formierte Einheiten im Wald zu einem Wurm gruppieren und so von wenigen Indianern Stück für Stück gemetzelt werden.

Um bei den gigantischen Armeen auch noch den Überblick wahren zu können, lässt sich die Karte in mageren zwei Stufen zoomen. Während die erste noch der normalen Spielansicht entspricht, sieht die zweite nur noch wie eine schematische Darstellung des Geschehens aus. Da dies noch der am meisten benutzte Modi sein dürfte, bekommt man von der eigentlich recht gelungenen Grafik nicht mehr viel mit. Denn eigentlich sind die einzelnen Kämpfer wirklich gut gelungen, inkl. ihrer Animationen, in der Praxis allerdings sieht man bei mehreren Hundert oder gar Tausend Mann auf einem Haufen nur noch einen riesigen Farbbrei dem nicht zu entnehmen ist um welche Einheiten es sich hierbei handelt. Da hilft es nur noch eine Einheit anzuklicken und so deren Bezeichnung sichtbar zu machen.

Obwohl die Soundeffekte nur spärlich gesät sind, ergeben sie in der Summe eine oft beeindruckende Kulisse, z.B. wenn Hundert Soldaten gleichzeitig ihre Karabiner abfeuern oder die Soldaten ihr Kampfgebrüll erschallen lassen. Dazu gesellt sich eine gut zum Thema passende Hintergrundmusik sowie ein richtig professioneller Sprecher in den Zwischensequenzen, der sich alle Mühe gibt unsere Lücken in Geschichte zu schließen.

  • Peter Grubmair"-"
  • Obwohl "American Conquest" im einfachen Schwierigkeitsgrad deutlich leichter ist als der Vorgänger Cossacks, hat der Stratege doch allerhand zu tun die gigantischen Armeen und ihren Nachschub richtig einzusetzen und nicht die Übersicht zu verlieren. Auch wenn man ab und zu das Gefühl hat, dass man die Masse an Soldaten zugunsten der KI realisiert hat, entsteht doch ein handfestes Gameplay das begeistern kann. Einsteigern in das Genre allerdings kann man den Titel wegen des zu hohen Schwierigkeitsgrades nicht empfehlen, geübte Zocker hingegen werden genau darin ihre Erfüllung finden. Wer sich also schon an den "Cossacks" erfreuen konnte, wird auch mit "American Conquest" seinen Spaß haben.
American Conquest (PC)
  • Singleplayer
  • 7,3 /10
  • Multiplayer - 
    Grafik 7/10 
    Sound 7/10 
    Steuerung 7/10 
    Gameplay 8/10 
Pro & Contra
Gigantische Formationen
Einheiten bis zu 16000 Mann groß
Schwache KI
mitunter sehr unübersichtlich
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